360° NordAmerika 03/2025: Leseprobe

Jörg Michel

Jörg Michel lebt in Calgary in Kanada und schreibt für Medien wie Geo, Welt am Sonntag oder die Frankfurter

Das Eisbärengefängnis liegt am Rande des Ortes.

Allgemeinen Sonntagszeitung. Er ist Autor der Reiseführer „British Columbia und Alberta - 50 High- lights abseits der ausgetretenen Pfade“, die bei 360° medien erschienen sind. Online findet man ihn auf Facebook unter „Jörg Michel – Stories and Disco- veries in Canada“ oder auf joergmichel.ca

versammeln sich gewöhnlich im frühen Winter in Churchill, um an der gefrieren- den Hudson Bay Robben zu jagen. Doch auch im Sommer verirrt sich immer wieder der eine oder andere Bär ins Dorf. Dann landet er oft im Eisbärengefäng- nis, einer riesigen Halle vor der Stadt. Dort werden die Tiere für ein paar Tage gehalten, bis sie von Wildhütern per Hub- schrauber in der Wildnis ausgesetzt wer- den. Bei einem kurzen Stopp entdecken wir im Hof Eisbärenfallen aus Metall. Sie sind heute leer – wie auch die Halle selbst. Mit dem Boot zu den Walen Bekannt ist Churchill in den Sommermo- naten vor allem für Belugawale. Von Juni bis August versammeln sich Tausende der zumeist weißen Säuger an der Mün-

dung des Churchill River und der Hudson Bay am Rande des Orts. Es ist die größte Konzentration der Tiere weltweit. Die bis zu fünf Meter langen Wale ziehen in der Bucht ihren Nachwuchs auf, bevor sie im Winter ins offene Meer zurückkehren.

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„Belugawale sind sehr intelligente Tiere“, berichtet Kapitän Remi Allen, bevor er uns anderntags mit seinem Aluboot von Sea North Tours aus dem Hafenbecken von Churchill steuert. Kaum haben wir die offene See erreicht, folgen uns die ersten Wale. Sie begleiten das Boot mit grazilem Flossenschlag, tauchen auf und ab. Manche kommen uns so nahe, dass wir meinen, ihr Lächeln zu erkennen.

Besucher können den Be- lugawalen im Boot oder Kajak näher kommen.

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