Teestrup - Reglement for de tyske flygtninge 1945

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Ordnungsreglement fur deutsche Fluchtlinge.

1. Fliichtlingslager werden von dånischen bewaffneten Kraften bewacht. 2. Ein von den dånischen Behorden eingesetzter Leiter iibt die hochste Gewalt in allen inneren Angelegenheiten des Lagers aus. Seinen Anweisungen ist in jeder Hinsicht Folge zu leisten. 3. Die deutschen Fliichtlinge wåhlen in freier Wahl mit einfacher Stimmenmehrheit einen Vertrauensmann. Die Wahl bedarf der Beståtigung durch den zuståndigen Luftschutzchef. 4. Der deutsche Vertrauensmann verhandelt im Namen der Fluchtlinge mit dem Leiter des Lagers und durch dessen Vermittelung mit den sonstigen Behorden in allen die Fluchtlinge betreffenden Angelegenheiten. Es ist den Fliichtlingen verboten, sich an die dånischen Wachen oder an dånische Zivilpersonen innerhalb oder ausserhalb des Lagerbereichs zu wenden. Die Benutzung von Fernsprechern ist verboten. Briefsendungen, die offen zur Zensur an den Leiter des Lagers abzugeben sind, diirfen hochstens 25 Worte enthalten. Die Briefe sind in Blockschrift zu schreiben und diirfen sich nur auf person- liche Familienverhåltnisse beziehen. Der Leiter des Lagers ist berechtigt, die Håufig- keit des Briefwechsels zu beschrånken. Briefe nach dem Ausland konnen zur Zeit nicht befordert werden. Der Empfang und das Absenden von Paketen sind verboten. 5. Der deutsche Vertrauensmann ist verantwortlich fiir die Beobachtung der Vorschriften dieses Reglements durch die Fluchtlinge und fiir die Durchfiihrung der sonstigen vom dånischen Leiter des Lagers erteilten Anweisungen. 6. Die Fluchtlinge liaben das Lager und den Lagerberejch iibereinstimmend mit den vom Leiter des Lagers erteilten Anweisungen selber reinzuhalten. Der Leiter des Lagers bestimmt die Zusammensetzung der fur das Reinmachen von Fluren, Treppen, Hofen, Aborten (Latrinen), Waschråumen und åhnlichen Ortlichkeiten und gemein- samen Råumen benotigten Arbeitstrupps. Fiir die Zubereitung und Verteilnng der Mahlzeiten an die Lagerinsassen wird ebenfalls ein Arbeitstrupp bestimmt. 7. Aborte und Latrinen sind im Laufe von 24 Stunden mindestens 2 Mal zu reinigen. Die Abortsitze sind mit Lysol od. åhnl. abzuwaschen. 8. Das Waschen, auch von Leibwåsche usw., ist nur in den dazu besonders ange- wiesenen Råumen und innerhalb der vom Leiter des Lagers festgesetzten Stunden erlaubt. 9. Das Kochen ausserhalb der angewiesenen Kiichen ist verboten. Abgesehen von der Zubereitung von Mahlzeiten fiir Kinder unter 3 Jahren oder fiir Kranke nach årzt- licher Vorschrift ist jedes selbståndige Kochen verboten. 10. Die Benutzung von elektrischen Kochgeråten und Plåtteisen, von Rundfunkemp- fångern, kiinstlichen Sonnen und anderen elektrischen Geråten ist verboten. Geråte dieser Art sind daher zwecks Aufbewahrung an den Leiter des Lagers abzuliefern. Bis auf weiteres ist die Benutzung von elektrischem Licht in Schlaf- und Aufent- haltsråumen verboten. 11. Beim Kochen und Waschen ist der Verbrauch von Gas und Heizmaterial auf das Mindestmass zu beschrånken. 12. In Lagern mit gemeinsamen Aborten im Hof ist die Benutzung von Aborten auf Fluren und Treppen bei Tage verboten. Sie diirfen nur nach Beginn der Nachtruhe sowie von Kranken nach besonderer Anweisung benutzt werden. 13. Wo Bademoglichkeiten vorhanden sind, haben die Lagerinsassen soweit moglich einmal wochenlich das kalte Brausebad zu benutzen. 14. Die Mahlzeiten werden iibereinstimmend mit den von den Behorden erlassenen Kost- vorschriften ausgegeben und verteilt. 15. Wo gemeinsame Speiseråume vorhanden sind, ist es verboten, Nahrungsmittel in den Schlafråumen aufzubewahren. In anderen Lagern darf nur Trockenkost fiir einen Tag in den Schlafråumen aufbewahrt werden. 16. Es ist den Lagerinsassen verboten, Nahrungsmittel in das Lager hereinzubringen. 17. Die Schlafråume mussen bis 10 Uhr geordnet sein.

18. Kinder unter 10 Jahren mussen spåtestens um 20 Uhr zur Ruhe gebracht sein. Kinder unter 15 Jahren diirfen sich nach 20 Uhr nicht im Freien aufhalten. Die Fliichtlinge haben spåtestens um 22 Uhr zur Ruhe zu gehen. Niemand darf vor 6 Uhr auf- stehen; ausgenommen sind Arbeitstrupps. 19. Jedes Lårmen ist verboten. Die Benutzung von Grammophonen, Musikinstrumenten u. dgl. im Freien ist verboten. Nach 20 Uhr ist ihre Benutzung ganz verboten. 20. Kinder sind mindestens 6 Stunden tåglich von den Fliichtlingen selber mit Unter- richt oder Spielen unter Aufsicht zu beschåftigen. 21. Fluchtlinge diirfen sich nicht in offenen zur Strasse gelegenen Fenstern aufhalten. 22. Aus arbeitsfåhigen Fliichtlingen konnen Arbeitstrupps gebildet werden, die in anderen von Deutschen benutzten Råumlichkeiten Reinemachen, Reinigungsarbeiten u. dgl. auszufiihren haben. Der Transport erfolgt in Begleitung bewaffneter Wachmann- schaften. Auf besondere Anweisung konnen Arbeitstrupps fiir andere Arbeiten gebildet werden. 23. Jedes Lager wird årztlich beaufsichtigt. Wird årztliche Hilfe gewiinscht, hat Meldung beim Leiter des Lagers zu erfolgen. 24. Der deutsche Vertrauensmann oder die ortliche Krankenpflegerin (der ortliche Krankenwårter) hat gleich bei Ankunft des Arztes jeden Krankheitsfall zu melden. 25. Der Arzt hat sich vom gesundheitlichen Zustand im Lager zu iiberzeugen. 26. Gottesdienste diirfen im Lager abgehalten werden. Politische Zusammenkiinfte jeder Art sind verboten. 27. Es ist den Fliichtlingen verboten, das Lager zu verlassen. 28. Fluchtlinge, die ausserhalb des Lagers Arbeiten in deutschen Lazaretten, Kasernen, Werkståtten u. dgl. zu verrichten haben, erhalten die erforderliche Ausgeherlaubnis vom Leiter des Lagers. 29. Der Leiter deS Lagers kann ausnahmsweise in ganz ausserordentlichen Fallen, z. B. zwecks Aufsuchens eines Spezialarztes oder wo es sich um stillende Mutter oder um Todesfålle oder ernste Krankheiten in der nåchsten Verwandtschaft handelt, Aus- geherlaubnis fiir einen einzelnen Ausgang (Ausgangsschein, ,,Passérseddel“) erteilen. a) Bei Krankheitsfållen fertigt der Lagerarzt nach jeder Untersuchung ein Ver- zeichnis iiber diejenigen Kranken aus, deren Krankheit die Behandlung durch einen Spezialarzt erfordert. Das Verzeichnis wird vom Lagerarzt datiert, unter- schrieben und an den Leiter des Lagers abgegeben. b) Der Ausgangsschein hat folgende Angaben zu enthalten: Name, Nummer und Geburtstag des Fliichtlings, Nummer und Adresse des Lagers, Name und Adresse des Ambulatoriums, wo der Fliichtling behandelt werden soli. Die dånischen Wachposten vermerken auf dem Ausgangsschein, wann der Fliichtling das Lager verlåsst, wann er im Ambulatorium ankommt und wann er dieses verlåsst. Bei der Heimkehr ins Lager wird der Ausgangsschein vom dånischen Wachposten eingezogen. Der Wachposten ist berechtligt, den Fliichtling zu visitieren. c) Erfordert die Krankheit mehrere Spezialbehandlungen, so kann das Ambulatorium eine diesbeziigliche Bescheinigung ausfertigen, die die Diagnose und die voraus- sichtliche Anzahl der notwendigen Behandlungen angibt. Die Bescheinigung ist stets mitzubringen und den dånischen Wachen vorzuzeigen; das Ambulatorium hat die Bescheinigung bei jeder erfolgten Behandlung abzustempeln und mit dem Datum zu versehen. Dauert die Spezialbehandlung iiber die urspriinglich vermutete Anzahl von Behandlungen hinaus, so ist eine neue Bescheinigung auszufertigen. Ist die Benutzung der Strassenbahn od. dgl. erforderlich, so kann der Leiter des Lagers Fahrscheine zur Benutzung im Einzelfall aushåndigen. 30. Samtliche Waffen, und zwar sowohl Schuss- als Stich- und Hiebwaffen, Munition und Sprengstoffe sowie dånisches Geld und dånische Lebensmittelkarten sind um- gehend an den Leiter des Lagers abzuliefern und werden eingezogen. 31. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieses Reglements oder gegen die Befehle oder Anweisungen des dånischen Lagerleiters werden mit dem Verbot des Brief- wechsels und der Zuriickhaltung von Postsendungen, mit Extraarbeit, mit Stuben- arrest oder mit Uberfiihrung in ein Sonderlager bestraft.

Das Kgl. Dånische Arbeits- und Sozialministerium, København, Juli 1945 .

J. H. SCHULTZ A/s UNIVERSITETS-BOGTRYKKERI KØBENHAVN

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