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Anhalt. Ebenso war der Bahnhof am Anhalter Tor der frü- heren Berliner Zollmauer gelegen. Erstmalig in der Geschichte der Eisenbahn wurde hier eine „scharfe Schei- dung der Anlagen für den Personen- und Güterverkehr“ durchgeführt. So musste eine zweite Brücke über den Landwehrkanal errichtet werden. 1882 nahm der Bahnhof auch die Reisezüge vom benachbarten Dresdener Bahnhof auf. Schließlich war der Bahnhof bis vor dem Ersten Welt- krieg der wichtigste Bahnhof für Reisen nach Österreich- Ungarn, Italien und Frankreich und hieß daher auch im Volksmund „Tor zum Süden“. Unter Zuhilfenahme einer Schiffspassage war selbst Alexandria in Ägypten von hier aus erreichbar, von wo aus per Bahn weiter nach Kairo und Khartum gereist werden konnte. Quer zur Bahnhofshalle war das Empfangsgebäude angelegt. Im Zuge der Umbau- maßnahmen wurde zudem das Gleisniveau angehoben, um zukünftig höhengleiche Kreuzungen mit anderen Ver- kehrswegen zu vermeiden. Ab 1882 begannen hier auch die Züge der Dresdener Bahn nach Dresden. Kaiser Wil- helm II. nutzte die Station mehrfach für Staatsempfänge ausländischer Gäste. Der wohl bekannteste Empfang fand am 21. Mai 1913 statt, als der russische Zar Nikolaus II. zur Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise eintraf. Ein Jahr später reisten von hier aus Soldaten an die Front des
nischen Aufwands waren sechs Jahre Bauzeit notwendig, bis der neue Bahnhof 1880 fertiggestellt werden konnte. Am 15. Juni jenes Jahres kamen dann Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck zur feierlichen Einweihung. Wie der Name des Bahnhofs bereits verrät, diente er der Verbindung Berlins mit dem Fürsten- bzw. Herzogtum
Schnellzugloks wie die preußi- sche S 10 waren in den 1920er- Jahren häufig zu Gast im Anhalter Bahnhof, so wie hier im Jahre 1924. Die unterschiedlich großen Lampen schmälern die Eleganz der Lok kaum. Foto: Sammlung Hans Kobschätzky
Diese in den 1930er-Jahren ent- standene Fliegeraufnahme zeigt die gewaltigen Ausmaße der Halle des Anhalter Bahnhofs, aber auch die eingezwängte Lage in der sie umgebenden Wohnbebauung. Foto: Sammlung Hans Kobschätzky
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