Eisenbahnknoten Berlin Blick ins Buch online

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Anhalter Güterbahnhof Südlich des Anhalter Fernbahnhofs wurde ein Güterbahn- hof angelegt. Dieser war begrenzt vom Potsdamer Güter- bahnhof im Westen, einem Gleisdreieck und dem Landwehrkanal im Norden, der Möckernstraße im Osten und der Yorckstraße im Süden. Aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum Potsdamer Güterbahnhof war hier eine immense innerstädtische Eisenbahnanlage entstanden. Eine Besonderheit waren die so genannten Yorckbrücken, rund 45 Stahlbrücken auf gusseisernen Säulen über die namens- gebende Straße. Sie waren im Zuge der Höherlegung der Anhalter Bahn entstanden, im Vorfeld der 1880 erfolgten Eröffnung des Anhalter Bahnhofs. Auch der Anhalter Gü- terbahnhof besaß bedeutende Hochbauten, ebenfalls ent- worfen von Franz Schwechten. Es handelte sich hierbei um zwei dreigeschossige Kopfbauten und zwei je rund 320 Meter lange Lager- und Versandspeicher. Kopf- und Spei- cherbauten waren durch einen brückenartigen Verbin- dungsbau, ruhend auf drei gemauerten Bögen, entstanden. Bw Berlin Ahb Für die Traktion der Anhalter und Dresdener Bahn errichtete man südlich des Landwehrkanals und westlich der Fern- gleise das Bw Berlin Ahb, welches bis zum Zweiten Weltkrieg ständig an Größe zunahm. Edle Lokomotivgattungen, so bei- spielsweise die Baureihen 01 und 17, waren hier beheimatet, Wendepunkt war es unter anderem für die Baureihe 03 und

die sächsische 18.0. Die vielleicht berühmteste Baureihe war die hier beheimatete Baureihe 61, die ab 1936 den Henschel- Wegmann-Zug von Berlin nach Dresden mit einer Fahrzeit von 100 Minuten bespannte. Auch die Schnellverkehrstrieb- wagen (SVT) waren in eigens hierfür bestimmten Hallen im Bw Berlin Ahb stationiert. Einige der Hallen werden heute vom Deutschen Technikmuseum genutzt. Anhalter S-Bahnhof Obwohl die Geschichte der Berliner S-Bahn noch in Kapitel 7 ausführlich dargestellt werden wird, soll an dieser Stelle auch auf den Anhalter S-Bahnhof eingegangen werden. Nach Fertigstellung des Nord-Süd-Tunnels eröffnete der S- Bahnhof am 9. Oktober 1939. Die vierschiffige Halle mit fla- cher Decke und quadratischen Stahlstützen war vom Reichsbahnarchitekten Richard Brademann entworfen wor- den. Brademanns Stilmischung aus Expressionismus und Sachlichkeit prägte zahlreiche Bahnbauten Berlins jener Jahre. Besonderheit waren die weißen Opakglasplatten an den Wänden sowie die grünen Glasplatten an den Stützen. Insgesamt waren rund 4000 m² Glasplatten verbaut worden. Aus nördlicher Richtung kamen die Gleise aus Richtung Berlin-Gesundbrunnen hier an, während von Süden aus die S-Bahngleise aus Schöneberg bzw. Wannsee und vom Süd- kreuz in den Bahnhof mündeten. Eigentlich hätte die Station früher fertiggestellt werden sol- len, aber Hitlers Planungen für die Welthauptstadt Germa-

Rechte Seite oben: Die große Zeit der eleganten Stromliniendampfloks währte nicht lange. Die 01 1053 hat 1940 im Anhalter Bahnhof den D 24

nach München am Haken. Foto: Colliery of the Railway, Sammlung Hans Kobschätzky

Der Anhalter Güterbahnhof wurde im Jahre 1945 auch zum Abstellen von kriegsbeschädig- ten Lokomotiven und Wagen ge- nutzt. Die 80 036 rangiert einen einzelnen Reisezugwagen. Foto: Fritz Eschen, Sammlung Hans Kobschätzky

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