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1. Einleitung
Geschichte und Gegenwart einer faszinierenden Bahnmetropole
S chaut man auf die Eisenbahn-Landkarte Deutsch- lands, so stößt man gleich auf mehrere Metropolen mit interessanten Eisenbahnnetzen. Vielleicht abge- sehen vom Ruhrgebiet, sofern man dieses als eine zusam- menhängende Metropolregion zählen möchte, hat die Bundeshauptstadt Berlin davon das wohl umfangreichste und interessanteste Netz zu bieten. In Bezug auf die ge- schichtliche Entwicklung ist das Eisenbahnnetz in der einst geteilten Stadt einmalig in Deutschland. Doch nicht nur die Zeit der deutschen Teilung machte den Eisenbahnverkehr spannend. Als Anfang Mai 1945 der Eisenbahnverkehr Ber- lins infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs vorüber- gehend nahezu vollständig zum Erliegen gekommen war, waren dort bereits über 100 Jahre Geschichte auf Schienen vergangen. Ein Jahrhundert, das man als das „Zeitalter der großen Kopfbahnhöfe“ mit ihren mehr oder weniger radial auf die Stadt zulaufenden Magistralen bezeichnen kann. Mit der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen nach der bedingungslosen Kapitulation änderte sich dieses schlag- artig. Gegenseitige Abriegelung bestimmte nun in Berlin
das Bild der Verkehrsadern. Anstatt zulaufender Magistra- len standen vor allem auf DDR-Seite nun weitläufige Um- fahrungen des ungeliebten Westsektors im Fokus. Für die Westberliner hingegen hatte überregionaler Eisenbahnver- kehr im Grunde nur noch in Richtung der Bundesrepublik im Transit Bedeutung. Für viele Eisenbahninteressierte ist die Zeit der Teilung noch heute das große Charakteristikum des Berliner Eisenbahn- netzes. Diese Sichtweise hat ihre Berechtigung, trotz gigan- tischer Baumaßnahmen sind noch heute die Folgen der Teilung für den Fahrgast an einigen Stellen spürbar. Dennoch muss festgestellt werden, dass die Teilung der Stadt bezogen auf den Zeitraum auch nur eine begrenzte, wenn auch sehr leidvolle, Episode blieb. Erst nach mehr als einem Jahrhun- dert Eisenbahnentwicklung und -betrieb mit verhältnis- mäßiger Konstanz in einer Stadt der Kopfbahnhöfe folgten 44 Jahre Teilung und Abschottung der Verkehrswege. Mit Erscheinen dieses Buches werden 35 weitere Jahre vergan- gen sein, die vor allem durch immense Bautätigkeiten sei- tens der Deutschen Bahn geprägt waren und zukünftig auch
Auf einer Zeichnung von Emil Hennig, Stich C. Schulin, ist der erste Potsdamer Bahnhof in Ber- lin im Jahre 1843 zu sehen, den hier eine in England gebaute Dampflok verlässt. Abbildung: Sammlung Alfred Gott- waldt, Archiv VGB
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