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Einleitung
sein werden. Anstatt der radialen Zulaufstrecken vor dem Zweiten Weltkrieg und der Umfahrungen da- nach hat sich nun das „Pilzkonzept“ mit dem neuen Berliner Hauptbahnhof in der Mitte etabliert. Nicht alle Entwicklungen, die seit der Wiedervereinigung stattfanden, sind begrüßenswert. Das betrifft zum Beispiel den Rückgang des lokalen Güterverkehrs, der Berlin ebenso traf wie die gesamte Bundesrepu- blik. Oder das maßgeblich durch Sparzwänge ver- ursachte S-Bahn-Chaos, das prägend für das letzte Jahrzehnt war. In diesem Buch geht es jedoch weniger darum, zu einer Bewertung der Ereignisse zu kom- men. Vielmehr soll die spannende Geschichte dieses einmaligen Metropolnetzes in seinen Grundzügen vorgestellt werden. Auch soll dieses Buch dazu anre- gen, selbst auf Spurensuche zu gehen oder aber sich dem Eisenbahnverkehr unserer Zeit vor Ort zu wid- men. Schließlich blieb es aufgrund der großen Um- strukturierungen des Berliner Netzes auch in Zeiten der Bahn AG bis heute spannend und wird auch noch lange spannend bleiben, denn wie in Kapitel 8 zu lesen sein wird, gibt es weitere Bauprojekte, die uns in Zukunft beschäftigen werden. Eine detaillierte, alle Facetten umfassende Darstel- lung des Berliner Eisenbahnwesens ist in einem ein- zigen Buch nicht möglich, sondern hätte einer ganzen Buchreihe bedurft. Dennoch hoffen Verlag und Autor, die wesentlichen historischen Meilen- steine und den heutigen Zustand in ihren wichtigs- ten Eckpunkten hier wiedergegeben zu haben. In diesem Buch sollen daher die wesentlichen prägen- den Entwicklungen aufgezeigt werden. Bei der Glie- derung fiel die Entscheidung für eine weitgehend chronologische Darstellung. Diese ist in vier Kapitel aufgeteilt, ergänzt um ein fünftes über die im We- sentlichen nicht zum Tragen gekommene Planung zur Umgestaltung der Stadt Berlin und ihres Eisen- bahnnetzes zur Welthauptstadt Germania. Innerhalb der einzelnen Kapitel wurde versucht, diese möglichst an markanten Betriebspunkten wie Bahnhöfen oder Strecken festzumachen, um sie übersichtlich zu halten, um so auch Ortsunkundigen zumindest einen groben Aufschluss über die wich- tigsten Entwicklungen des Eisenbahnnetzes dieser wichtigen europäischen Metropole zu geben; der Großraum Berlin umfasste 1920 immerhin bereits vier Millionen Bewohner. Zusammenhängende The- menkomplexe, so die Berliner S-Bahn, die Außen- ringe oder die Privatbahnen, erhielten jedoch eigene Kapitel. Nichtsdestotrotz wurde bei der Behandlung
Stetiner Bahn
Hamburger Bahn
Stettiner Bf.
Hamburger Bf.
Frankfurter Bf.
Potsdamer Bf.
Anhalter Bf.
Frankfurter Bahn
Magdeburger Bahn
Bf. Potsdam
Anhalter Bahn
Die fünf Fernbahnen Berlins nach Abschluss der ersten Bauphase im Jahr 1846. Zeichnung: DB Projekt GmbH Knoten Berlin, Sammlung Konrad Koschinski
der Geschichte der allgemeinen Bahnanlagen nicht auf die Erwähnung zugehöriger S-Bahngleise oder der Umgehungsbahnen verzichtet, sofern sie für die gesamtheitliche Entwicklung der diskutierten Be- triebsstellen von Bedeutung sind. Als Beispiel für eine der von Berlin ausgehenden Magistralen wird die Berliner Ostbahn behandelt. Historisches und gegenwärtiges Eisenbahnerlebnis zugleich findet man bei der Beschreibung der Berli- ner Museen und Museumsbahnen, deren Besuch in jedem Fall lohnenswert ist. Bevor in Kapitel 2 mit dem ersten Jahrhundert der Eisenbahn in Berlin vornehmlich anhand seiner Kopfbahnhöfe begonnen wird, soll hier kurz auf die „Rahmenbedingungen“ dieser Ära, nämlich auf das überregionale auf Berlin zulaufende Eisenbahnnetz jener Zeit eingegangen werden. Die Entstehung des Berliner Eisenbahnnetzes gliedert sich in zwei Pha- sen. Die erste Phase kann im Wesentlichen durch den Bau von fünf auf Berlin zulaufenden Hauptstre- cken charakterisiert werden (Datumsangaben je- weils für den Berlin am meisten betreffenden Abschnitt): • 22. September 1838: Berlin-Potsdamer Eisenbahn (ab 1846 Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisen- bahn)
• 1. Juli 1841: Berlin-Anhaltische Eisenbahn • 1. August 1842: Berlin-Stettiner Eisenbahn • 23. Oktober 1842: Berlin-Frankfurter Eisenbahn (ab 1844 Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn) • 25. Oktober 1846: Berlin-Hamburger Eisenbahn In der zweiten Phase, die sich durch rege Bautätig- keit ab etwa 1860 kennzeichnet, wird das auf Berlin zulaufende Hauptstreckennetz auf insgesamt elf Ma- gistralen ergänzt. • 13. September 1866: Berlin-Görlitzer Eisenbahn • 1. Oktober 1867: Königliche Ostbahn Berlin – Küs trin • 1. Februar 1871: Berlin-Lehrter Eisenbahn • 15. Juni 1875: Berlin-Dresdener Eisenbahn • 10. Juli 1877: Berliner Nordbahn nach Stralsund • 15. April 1879: Berlin-Wetzlarer Eisenbahn Berlin – Blankenheim Dieses Netz mitsamt der 1882 eröffneten Berliner Stadtbahn bildete im Wesentlichen das Eisenbahn- netz der deutschen Hauptstadt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, ergänzt um Neben- und Privat- bahnen zur Erschließung des Berliner Umlandes. Für die elf Hauptbahnen waren insgesamt acht große Kopfbahnhöfe entstanden, die mit Eröffnung der Stadtbahn auf fünf reduziert wurden. 7
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