Eisenbahnknoten Berlin Blick ins Buch online

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Der Potsdamer Bahnhof war der erste Kopfbahnhof des heutigen Berlins. Hier ist die Bahnhofsfas- sade vom Bahnhofsvorplatz aus zu sehen. Gegenüber der Darstel- lung auf Seite 6 handelt es sich bereits um das Folgebauwerk, den Neubau von 1872. Foto: Bildarchiv Pressedienst RVM, Sammlung Oliver Strüber

fahren werden, dennoch verblieben die meisten Fernzüge auf dem Potsdamer Bahnhof. Die größte Bedeutung hatte der Bahnhof jedoch stets für den Vorortverkehr. Der Neubau war notwendig geworden, weil trotz der über die Jahre durchgeführten Erweiterungen der Gleisanlagen die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Die nun durch- geführte komplette Überplanung des Bahnhofs umfasste auch die Errichtung eines neuen Empfangsgebäudes. Die Neuplanung blieb nicht ohne Komplikationen. Da zu die- ser Zeit auch der benachbarte Anhalter Bahnhof erweitert wurde, kam es zu umfassenden Auswirkungen auf die umliegende Siedlungsstruktur, was zu weitreichenden kritischen Reaktionen der dortigen Bevölkerung führte. Vor allem der von James Hobrecht und Peter Josef Lenné entworfene Generalszug, eine geradlinige Straße und Platzfolge in Erinnerung an die Befreiungskriege 1813 bis 1815 gegen Napoleon zwischen Charlottenburg und Kreuzberg sollte durch die Gleisanlagen gekreuzt werden. Nicht zuletzt aufgrund des starken öffentlichen Drucks wurde nahe den Gleisen eine als Ersatz dienende Straßen- führung errichtet. Zunächst waren die Gleise im Rahmen eines 1861 verabschiedeten Bebauungsplans höhengleich verlegt worden, zwischen 1879 und 1885 wurden sie je- doch höher gelegt.

Die Einweihung des umgebauten Bahnhofs mit dem neuen Empfangsgebäude nach einem Entwurf von Julius Ludwig Quassowski erfolgte am 30. August 1872 durch Kaiser Wil- helm I. Da die Bauarbeiten zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen waren, erfolgte die tat- sächliche Eröffnung allerdings erst am 1. November 1872. Der Bahnhof besaß vier Bahnsteiggleise. Die Bahnsteighalle maß 172 mal 36,6 Meter mit einer 67,5 Meter langen Front- seite und 205 Meter langen Seitenteilen. Der Entwurf stammte von Oberingenieur Schmidt. Die groß angelegte Umbaumaßnahme sorgte jedoch auch dafür, dass die Berliner Verbindungsbahn in diesem Bereich aufgegeben wurde. Ersatzweise ging stattdessen ein provi- sorischer Kopfbahnhof Schöneberg in Betrieb, der dazu diente, hierüber den Potsdamer Bahnhof mit der neuen Ringbahn zu verbinden. 1882 wurde die Verbindungsstre- cke zur Ringbahn dann direkt in die Bahnhofshalle ein- geführt. Ein Jahr zuvor war die Kopfstation Schöneberg durch einen neuen Durchgangsbahnhof ersetzt worden. Auch diesen gibt es heute nicht mehr. Er lag etwa dort, wo man heute den S-Bahn-Haltepunkt Julius-Leber-Brücke fin- det. Auch für den Betriebsmaschinendienst gab es eine Neuerung in Form eines 20-ständigen Lokschuppens im Potsdamer Güterbahnhof. Aufgrund seiner Lage wurde der

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