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im Folgenden auch als „Ring- und Vorortbahnhof“ geführt wurde. Mit der neuen Strecke erhielt der Ringbahnhof einen Anbau. Der Verkehr auf den Seitenbahnhöfen war von dich- ter Zugfolge. Vom Wannseebahnhof aus befuhren alle zehn Minuten S-Bahnen die Wannseebahn, zu Hauptverkehrs- zeiten sogar alle fünf Minuten. Auf dem Ringbahnhof war es ähnlich: Züge zur Ringbahn und auf der Anhalter Vor- ortbahn nach Lichterfelde Ost fuhren zu Tageszeiten eben- falls im Zehn-Minuten-Takt. Zusätzlich fuhren Vorortzüge zu verschiedenen Destinationen, die bis 1939 mit Dampf geführt wurden. Erst im Zuge der Fertigstellung des Nord- Süd-Tunnels wurde bei den Vorortzügen der elektrische Be- trieb aufgenommen. Vom Fernbahnhof verkehrten nach Inbetriebnahme der Seitenbahnhöfe vor allem Vorortzüge auf der Stammbahn nach Potsdam und Werder (Havel). Die beiden Seitenbahnhöfe waren zum schnellen Reisenden- übergang durch einen Fußgängertunnel verbunden. Am 15. Mai 1933 startete der elektrische Betrieb auf der Wannseebahn. Deutliche Veränderungen erlebte der Bahn- hof durch die Eröffnung des Nord-Süd-Tunnels mit dem neuen unterirdischen Bahnhof Potsdamer Platz. Der Wann- seebahnhof an der Westseite des Potsdamer Bahnhofs verlor seine Verkehre an diesen neuen Bahnhof und wurde am 8. Oktober 1939 aufgegeben. Ähnlich sah es am Potsdamer
Ringbahnhof an der Ostseite aus. Am 6. November 1939 wurden die zuvor hier abgefertigten Züge der Anhalter und Dresdener Bahn ebenfalls in den Tunnel verlegt, hier jedoch blieben wenigstens die Züge der Ringbahn. Übersicht über die in den Bahnhof führenden Strecken: • Berlin – Potsdam – Magdeburg • Wannseebahn • Südringspitzkehre • Anhalter Vorortbahn • Berliner Verbindungsbahn Schaut man auf das Jahr 1877, so waren bereits zehn Kopf- bahnhöfe unterschiedlicher Größe rund um die Stadt Berlin entstanden. Alle zehn Bahnhöfe waren durch die Berliner Ringbahn (ab Seite 30) verbunden, die vor allem aus mili- tärstrategischen Gründen gebaut worden war. Die erste wichtige und wohl heute wichtigste innerstädtische Verbin- dung war die 1882 eröffnete und im späteren Verlauf so ge- nannte Stadtbahn (siehe Seite 34), die bis heute auf gemauerten arkadenähnlichen Brücken viergleisig in Ost- West-Richtung verläuft. Mit der Gründung der preußischen Staatseisenbahnen 1884 erfolgte eine Netzbereinigung und -optimierung, die unter anderem zur Schließung kleinerer Kopfbahnhöfe führte.
Auch vom Bahnhofsvorplatz her war der Anhalter Bahnhof eine imposante Erscheinung: In den 1920er-Jahren pulsierte das Leben. Neben Pferdefuhrwer- ken waren bereits die ersten Au- tomobile zu sehen, die jedoch nur Einzelerscheinungen begü- terter Fahrzeughalter waren. Vom Verdrängungsprozess durch die Straße war zu dieser Zeit noch nichts zu spüren. Die Eisen- bahn war das Verkehrsmittel des Volkes. Foto: RVM, Sammlung Hans Kobschätzky
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