Dampflok Technik Blick ins Buch online

02146-S-006-039 Dampfloktechnik.qxp_Mise en page 1 16/06/2025 16:12 Page 8

Höhe ist jedoch begrenzt. Wieder war es Bahndi- rektor Séguin, der zur Unterstützung der Saugwir- kung den Abdampf aus den Zylindern gezielt in den Schornstein einleitete und damit die Lösung für größere Kessel aufzeigte. Für diesen Bereich steht die Bezeichnung als Rauchkammer. Gleiches Prinzip, aber mehr Leistung 100 Jahre nach der Rocket hatte sich die Dampf- lok in den wesentlichen Elementen nicht verän- dert. Sie war lediglich größer, leistungsfähiger und schneller geworden und ihre Bauteile waren ro- buster und zuverlässiger als im Jahr 1829. Die be- triebliche Eignung und Wirtschaftlichkeit von Dampflokomotiven konnte durch die Kombination von mehreren Funktionen in einem Bauteil oder die Nutzung von mehreren Eigenschaften eines Rohstoffes stetig verbessert werden. Das Wasser, welches den Brennraum der Ro- cket umschloss, sorgte dafür, dass die dem Feuer ausgesetzten Metallwände nicht schmolzen, trug aber nur in geringem Maß zur Dampferzeugung bei. Das änderte sich, als der Langkessel mit seinem Dampfraum im oberen Bereich über die Feuerbüchse hinweg verlängert wurde. Die Strah- lungswärme des Feuers konnte nun auf den Sei- tenwänden und der Decke der Feuerbüchse direkt zur Wasserverdampfung beitragen. Die Stehbol- zen zur Abstandshaltung zwischen Feuerbüchse und Kesselwänden wurden den veränderten Druck- und Wärmespannungen angepasst. Der lange Weg der Rauchgase Auch bei der Ausnutzung der Wärme der Rauchga- se als Quelle zur Verdampfung des Kesselwassers

wurden technische Verbesserungen vorgenommen, damit das Gesamtvolumen der Rauchgase in der Zeit zwischen dem Passieren der Feuerbüchsrohr- wand und dem Eintritt in die Rauchkammer die gesamte nutzbare Wärme abgeben konnte. Als erster Schritt – und ansatzweise bei der Rocket schon durchgeführt – wurde die Anzahl der Heiz- rohre erhöht, um die Kontaktfläche zu vergrößern. Als zweiter Schritt wurde die Länge der Heizrohre im Langkessel vergrößert, um die Durchströ- mungszeit zu verlängern. Beide Maßnahmen er- höhten auch die Dampfmenge. Längere Rohre bedingen eine Vergrößerung des Abstandes zwischen der Feuerbüchsrohrwand und der Rauchkammerrohrwand und damit länge- re Lokomotiven insgesamt. Die Bezeichnung Langkessel lässt sich also auch durch die größere Bauteil-Länge erklären. Eine natürliche Grenze für die Verlängerung der Rauchrohre bildet der Ab- kühlungsvorgang der Rauchgase, welcher nach physikalischen Gesetzen die Zeit und den Weg zur Abgabe der nutzbaren Energie bestimmt. Das Temperaturgefälle zwischen Feuer und Außenluft am Schornstein kann also nicht im vollen Umfang ausgenutzt werden. Die geometrische Grenze für die Verlängerung liegt in der Begrenzung der Au- ßenabmessungen (Lichtraumprofil), welche den Kurvenüberhang der Lok einschränkt. Der Langkessel Die einzelnen Teile des Langkessels wurden aus gewalzten Blechen gebogen. Die Segmentlänge war durch die Fähigkeiten der Biegemaschinen begrenzt. Die Verbindung der auch als Kessel- schuss bezeichneten Segmente erfolgte anfangs

So ziemlich das Größte, was jemals als Dampflok gebaut wurde: Der Big Boy der Union-Pacific-Eisenbahn in den USA. Die Rocket hätte auf dem Feuerrost Platz und könnte ohne Schornstein vermutlich durch den Kessel fahren.

UP 4004 in Cheyenne am 18. August 1997.

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