Dampflok Technik Blick ins Buch online

02146-S-006-039 Dampfloktechnik.qxp_Mise en page 1 16/06/2025 16:12 Page 10

in Bewegung ist, sorgt die Massenträgheit (oder einfach formuliert der Schwung) dafür, dass die Totpunkte überwunden werden. Wenn der Kolben im Totpunkt stehengeblieben ist, wird das Wieder- Anfahren schwierig. Schwungmassen und zwei Zylinder Der britische Ingenieur Richard Trevithick setzte 1804 eine einzylindrige Wattsche Dampfmaschine auf ein Schienenfahrwerk. Seine Lokomotive hatte ein riesiges Schwungrad und ein Zahnradtrieb- werk zum Antrieb der Räder. Der Durchbruch war ihr leider versagt, sie war zu schwer für die örtlich vorhandenen Gleise. Die weiteren Lokomotiven folgten fast aus- nahmslos dem Prinzip eines Antriebs der beiden Räder einer Achse mit zwei Zylindern. Die beiden Kolbenstangen werden so angeordnet, dass die eine im Punkt des maximalen Drehmomentes (Zy- lindermittenstellung) steht, während sich die ande- re im Nullpunkt (Totpunkt, Zylinderendstellung) befindet. Damit ist auch das Anfahrproblem gelöst. Triebwerk und Laufwerk In den Gründerjahren der Eisenbahn hatten die Dampflokomotiven überwiegend zwei Zylinder und eine Antriebsachse. Die Masse der Ausrüs- tungsteile musste dann auf die Treibachse und ei- ne oder zwei Laufachsen verteilt werden. Doch schon bald reichten zwei angetriebene Räder nicht mehr aus, um die notwendigen Zugkräfte für die schwerer werdenden Züge zu übertragen. Man ordnete weitere Achsen mit Rädern gleichen Durchmessers vor oder hinter der von den Zylin- dern angetriebenen Achse an. Aus der Vielfalt der betrieblichen Anforderungen entwickelten sich im- mer mehr Varianten von Dampflokfahrwerken. Der grundsätzliche Aufbau und die wesentlichen Bauteile sind in den meisten Fällen gleich.

Der Zylinderblock einer Ein- heitslok Baureihe 50 der Deutschen Reichsbahn. Lok 050 112-2 vom Betriebswerk Ulm legt am 12.Januar 1971 in Ehingen (Donau) eine Rangierpause ein.

Das Fahrwerk

Fahren aus der Drehbewegung Die Erfindungen von James Watt und den Mitar- beitern seiner 1775 gegründeten Firma Boulton & Watt schufen die Grundlage für den Einsatz der Dampfmaschine bei der Eisenbahn. Die wesentli- chen Elemente waren die beidseitige Nutzung des Kolbenhubes und die Umsetzung der Kolbenkraft in eine Drehbewegung. Beim Antrieb eines Rades mittels eines Zylin- ders und einer Kolbenstange pendelt das Drehmoment am Antriebspunkt bei einer Radum- drehung zweimal zwischen einem Maximalwert und dem Wert Null in den so genannten Totpunk- ten. Drehmoment ist Kraft mal Weg, also schwankt auch die übertragbare Zugkraft am Rad. Bei Antrieben mit einem Zylinder besteht zu- dem die latente Gefahr, dass sie in einem der Totpunkte hängenbleiben. Solange die Maschine

Bewegung der Kolben- stange am Zylinder und am Rad von der Mittenstellung bis zum Totpunkt.

Rot = Kolbenstange, Grün = Antriebspunkt, Schwarz = Radreifen, Blau = Kolbenhub.

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