Der Schnelltriebwagen erlitt bei der Pressefahrt eine unvorhergese- hene Fahrtunterbrechung in der Nähe von Grabow in Mecklenburg, nahe des Kilometersteins 160,3, infolge eines plötzlichen Versagens der automatischen Bremse, die sich selbsttätig auslöste und den Zug auf freier Strecke zum Halten zwang, so daß ein unvorhergese- hener Aufenthalt von 6-8 Minuten entstand. Der unvorhergesehene Schaden zeigte, daß die Sicherheitsvorrich- tungen des Wagens gut funktionieren. Dabei wirkte die Bremse so sanft, wie beim normalen Halten eines Zuges. Es fährt sich auch bei Höchstgeschwindigkeit des Triebwagens nicht anders als im FD-Zug. Nur die kaum hörbaren Schläge, wenn die Schienennähte überfahren werden, folgen schneller. Bei rund 40 Metern Sekundengeschwindig- keit kommen fast drei solcher Schläge auf die Sekunde und man gewöhnt sich so schnell daran, daß man ein vorübergehendes Her- abgleiten der Geschwindigkeit sofort bemerkt. … Bei der Fahrt erregte der Schnelltriebwagen überall auf den von ihm durchfahrenen Stationen und auf freier Strecke sehr großes Aufse- hen, und überall standen die Menschen Spalier, um dem neuesten, modernen Verkehrsmittel begeistert zuzuwinken.“ Der „Dresdener Volkszeitung“ hingegen war die Pressefahrt nur eine kleine Meldung auf Seite 9 der Ausgabe vom 31. Dezember 1932 wert, die mit der Schlagzeile „ Panne des ‚Fliegenden Hamburgers‘ “ aufmachte. Bezüglich der „ Panne “ erfuhr der geneigte Leser: „ Hinter Wittenberge wurde die Bremsleitung undicht und brachte den Wagen
automatisch zum Halten. Ein Streckenwärter bekundete, daß die hinte- re Achse übermäßig starke Rauchentwicklung gezeigt habe. Der Scha- den war nach kurzer Zeit behoben. “ Nun mag der fachkundige Leser gerätselt haben, ob nun die Bremsleitung die Panne verursachte, oder die hintere Achse, von der die Leser der anderen Zeitungen nichts er- fuhren. Als dann mit einem Jahr Verspätung am 15. Mai 1933 der „Fliegen- de Hamburger“ seinen planmäßigen Einsatz zwischen Berlin und Ham- burg mit Beginn des Sommerfahrplans aufnahm, begann für die Reichsbahn ein neues Zeitalter. Der kleine, zweiteilige Triebzug mit Mitropa-Bewirtschaftung bot mit seinen gerade einmal 98 Sitzplätzen nur einen schnellen Zusatzverkehr, vor allem für Geschäftsreisende. Doch schon am 21. Mai 1933 wusste die „Berliner Morgenpost“ zu vermelden: „ Der ‚Fliegende Hamburger‘ streikt “. Was war geschehen? Tags zuvor, an einem Sonnabend, führte ein Motordefekt kurz nach Verlassen des Altonaer Bahnhofs dazu, dass der Triebzug seine Fahrt nicht fortsetzen konnte. „ Er mußte nach den Ausbesserungswerkstät- ten in Wittenberge abgeschleppt werden, wo sofort die notwendigen Reparatur-Arbeiten vorgenommen werden sollen. Die Reisenden konn- ten nach kurzem Aufenthalt die Fahrt – diesmal allerdings mit einem Dampfzug – fortsetzen und trafen in Berlin mit einer Verspätung von etwa 20 Minuten ein. “ Erstmals scheinen hier die Probleme auf, die nicht nur den „Fliegenden Hamburger“ über die nächsten Jahre be- gleiten sollten.
Erst mit dem Sommerfahrplan 1933 ging der „Fliegende Hamburger“ am 15. Mai 1933 in den planmäßigen Einsatz zwischen Berlin und Hamburg. Unter großem Publikumsinteresse verlässt er Hamburg, um nach Berlin zurückzukehren. Foto: Hans Hartz, Slg. Dirk Winkler
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