Vom Propellertriebwagen zum Schienenzeppelin
nanz. Oskar Lasche (1868–1923), der 1920 zum Vorstandsmitglied der AEG berufen worden war und dort die technisch-wissenschaftlichen Ar- beiten sämtlicher Fabriken der AEG organisierte, holte Carl Geissen 1921 zur AEG und betraute ihn dort mit der Entwicklung des von ihm angeregten Verfahrens zur Verbesserung der Kohlenverschwelung. Im Oktober 1923 wurde von der AEG die „Kohleveredlung GmbH“ gegrün- det, deren Leitung Geissen übernahm. Doch Geissen sollte die Idee ei- nes Schnelltriebwagens nicht loslassen. Anfang der 1930er-Jahre wurde er wieder aktiv und entwarf ein neues Fahrzeug, das seitens der Reichsbahn kurzzeitig Anklang und Aufnahme in das 1933 aufgestellte Fahrzeugbeschaffungsprogramm für 1934 fand. Unter der laufenden Nummer 9 war dort aufgelistet: „ 4-achsiger Schnelltriebwagen, 3-teilig, Bauart Geissen, Dampfantrieb, v = 160 km/h, Lieferer des Wagens: O&K “. 15 Fünf Jahre später war der Vorgang nicht sehr weit fortgeschrit- ten. Im Rahmen einer Besprechung des Beschaffungsprogrammes hieß es: „ Bericht über Preise dem RVM vorgelegt. Die Waggonfabrik ist noch nicht benannt. “ 16 Nachdem aufgrund der Stahlkontingentierung das RVM das Beschaffungsprogramm grundlegend überarbeitet und bei den Triebwagen zusammengestrichen hatte, wurde der dreiteilige Schnell- triebwagen Bauart Geissen aus der Beschaffung gestrichen. Bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs sollten weitere Ideen für Schnellbahnsysteme folgen, die teils neue technische Entwicklungen aufgriffen, sich andererseits im Bereich des vorhandenen Systems der Eisenbahn orientierten. Hier sei an dieser Stelle auf den Überblick von Kother verwiesen, der die Entwicklungen bis 1939 ausführlich zusam- menfasste. 17 Erst Anfang der 1930er-Jahre sollten Franz Kruckenberg und die von ihm gegründete Flugbahn-Gesellschaft erneut mit einem Propeller- triebwagen auf den Plan treten. Nach erfolgreichen Probefahrten stand das Fahrzeug am 31. Juli 1931 in Berlin-Spandau und konnte von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Fotos: Sammlung Dirk Winkler
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