stein zermahlen und in die Täler und das Vor- land geschoben. Flüsse haben das Geschiebe weitertransportiert und im Flachland als Kies, Sand und Schluff in Schwemmebenen abgela- gert oder bis in die Meere transportiert. Forscher haben ausgerechnet, dass die uralpine Masse auf diese Weise bereits um die Hälfte geschrumpft ist. Dennoch wachsen die Alpen Jahr für Jahr, weil sich die afrikanische Kontinentalplatte weiter- hin unter die eurasische Platte schiebt und die Bergregion anhebt – um ein bis zwei Millimeter pro Jahr. Man kann davon ausgehen, dass sich der Pro- zess der Erosion in den kommenden Jahrzehnten beschleunigt. Denn mit dem Abschmelzen der Gletscher verlieren die Berghänge an Stabilität, ihnen fehlt das Widerlager. Auch der auftauende
Permafrost, der das Gestein in großen Höhen wie ein Kitt zusammenhält, führt zu mehr Fels- und Bergstürzen. Was das bedeuten kann, zeigt ein Blick in die jüngere Geschichte der Alpen. Nach dem Ende der Würmeiszeit, der letzten größe- ren Kaltzeit, stürzten am Flimserstein im heutigen Graubünden vor etwa 9500 Jahren bis zu zwölf Milliarden Kubikmeter Fels in die Tiefe und rie- gelten das Tal ab. Der Vorderrhein staute sich zu einem großen See, doch das Wasser presste und grub sich im Laufe der Jahrhunderte durch das Trümmerfeld aus Kalkgestein und schuf so die Ruinaulta, die Rheinschlucht. Bis zu 350 Meter tief und 13 Kilometer lang, zeugt die Schlucht von der unbändigen Kraft des Elements. Der Rhein kann gut als Pate stehen für die circa 13 000 Kilometer an Flüssen, welche die
Der Fetthennen-Steinbruch (Saxifraga aizoídes) mag’s feucht und ist oft im Geröllvorfeld von Gletschern anzutreffen.
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URSPRUNG ALLEN LEBENS
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