Mit dem Rückzug der Gletscher bilden sich in ihrem Vorfeld neue Seen, wie hier am Chessjengletscher (Walliser Alpen).
Internationale Alpenschutzkommission CIPRA im Alpenraum ausweist. Bis zur Mündung in den Bodensee hat er 167 Kilometer zurückgelegt (und nur die zählen zur Statistik der Alpenflüsse). Doch selbst 1065 Kilometer weiter, an der Mündung in die Nordsee, stammt fast die Hälfte seines Was- sers aus den Alpen. Noch eine Zahl lässt aufhor- chen: Von Mai bis August bestehen 50 Prozent des Rheinwassers aus Schmelzwasser. Und ein Fünftel des Wassers der Rhone und des Po sind im Sommer allein Gletscherschmelzwasser. Alpenwasser – für Millionen Menschen überlebenswichtig Wenn die Gletscher verschwunden sind, wird sich das Problem der Wasserknappheit in trockenen Sommern wie 2022 also noch verstärken. Damals kam die Rheinschifffahrt über Wochen zum
Erliegen, was beispielsweise Kraftstoffpreise im Süden Deutschlands in die Höhe trieb. Bilder von einem teilweise ausgetrockneten Flussbett des Po haben sich in jenem Dürresommer nicht nur ins Gedächtnis der Norditaliener eingebrannt. Im Juli 2022 wurde in mehreren Regionen Nord- italiens der Notstand ausgerufen. Die Schweiz erreichte ein Hilferuf der italienischen Wasser- versorger, sie möge doch den Abfluss des Lago Maggiore erhöhen, um dem Po mehr Wasser zuzuführen. Allein die Stauseen im Tessin und Piemont waren wegen des schneearmen Win- ters nur zu einem Drittel gefüllt – das Bittgesuch wurde abgelehnt. Die großen Flüsse Mitteleuropas, sie alle werden vom Alpenwasser gespeist. Selbst die Donau, die im Schwarzwald entspringt, führt auf Höhe von Wien zum größten Teil Wasser, das ihr Alpenflüsse wie der Inn zugeführt haben.
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DAS WERK DES WASSERS
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