Hydrologen gehen davon aus, dass 40 Prozent des Süßwassers Europas aus den Alpen kommen. 14 Millionen Menschen wohnen in dem Gebirge, weitere 20 Millionen in einem Umkreis von 40 Kilometern am Rand der Alpen. Rechnet man die Bevölkerung zusammen, die mit Alpenwasser versorgt wird, kommt man auf gut 170 Millionen Menschen. Das entspricht mehr als einem Drittel der EU-Bevölkerung. Notwendiger Schutz der Alpenflüsse Das Einzugsgebiet der Flüsse zu schützen und sie wieder in einen natürlicheren Zustand zu ver- setzen, gehört zu den Zielen, die sich die CIPRA und die EU gesetzt haben. An Rhein und Rhone sind Erneuerungen des Hochwasserschutzes am Laufen, die diese Abschnitte auch renaturieren. Das Projekt Rhesi am Unterlauf des Alpenrheins, das Österreich und die Schweiz gemeinsam umsetzen, sieht zum Beispiel vor, das Flussbett auf eine Breite von 200 bis 500 Metern aufzuwei- ten. Damit kann der Fluss deutlich mehr Wasser bewältigen – laut Projekt bis zu 4300 Kubikmeter pro Sekunde, was einem 300-jährlichen Hoch- wasserereignis entspricht. Zwei Milliarden Fran- ken geben die beiden Alpenländer dafür aus. Die »3. Rhonekorrektion«, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Maßnahme nennt, ist noch umfangreicher und teurer. 3,6 Milliarden Franken gibt die Schweiz laut BAFU aus, um den Flusslauf auf einer Länge von 162 Kilometern hochwasser- tauglicher und zugleich naturnäher zu gestalten. Es ist das größte Hochwasserschutzprojekt der Schweiz. Dass Hochwasserschutz und Renaturierung harmonieren können, hat das Projekt »Isar-Plan« mitten in München bewiesen. Vom Jahr 2000 bis 2011 wurde die innerstädtische Isar auf einem acht Kilometer langen Stück naturnah gestaltet. Seither ist die bayerische Landeshauptstadt nicht nur besser vor Hochwasser geschützt, sondern hat für vergleichsweise günstige 35 Millionen Euro ein ausgezeichnetes Naherholungsgebiet erschaffen. Ein Vorzeigeprojekt – nicht nur für den Alpenraum.
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DAS WERK DES WASSERS
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