BiBo_KW49_2017

Bottmingen

Nr. 49 Seite 3

Donnerstag, 7. Dezember 2017

«Eine Sitzmöglichkeit hat es auch…»

In seiner 43. Ausgabe vom 26. Okto­ ber 2017 (auf der Seite 5) fragten wir, ob der Leserschaft bewusst ist, dass es in Bottmingen die kleinste Galerie der Welt gibt, und ver­ fassten dazu eine kleine Chronik mit zwei Bildern. Und versprachen, mit dem Galeristen ein Exklusiv­ interview zu führen. Dass es diese Galerie gibt, wussten wir nicht. Somit war uns auch nicht bekannt, dass es die kleinste auf Erden ist. Das Ganze begann ja damit, dass wir am 10. Oktober ein E-Mail erhielten (nicht vom Galeristen!). Wir publizieren es, der Verfasser ist uns bestens bekannt und hat es als «Welter- eignis in Bottmingen» umschrieben. Y mecht di, im Namme vom Galerischt, am Frytig, 20. Oktoober 2017, zer gröschte Vernissaasch vo dr glaynschte Galerie, zmitts im Bobbmiger-Dorf, yylaade. En Aaloss, wo sich die lokaali und d’Wältpräss nit kaa entgoo loo! Sälbschtverständlig isch au fiirs lyyblige Wohl beschtens gsorgt (suscht kunnt jo kaine vo dr Wältpräss und so…). Alles underem Motto: me soll alles nit soooo Ärnscht (oder Fritz) näh. Fiir Dii en Event, wo in jeeder Beziehig Spass mache wird. Gruess uss Bobbmige! Und besagter Freitagabend, klimatisch angenehm und sehr mild, machte Spass. Viel Spass sogar. Und das Interview mit dem Galeristen, der übrigens Roland Pfister heisst, ist wohl ein wenig «an- ders» als der Grossteil der Gespräche, welche meine Wenigkeit in Laufe der letzten 17 Jahre publiziert hat, ausgefal- len. Aber gerade darum umso lesens- werter!

Roland Pfister führt in Bottmingen die weltweit kleinste Galerie, in welcher es schon eine Sitzgelegenheit gibt. Aufnahmen stammen von der legendären Vernissage am 20. Okto- ber – ein (schwarzer) wunderbarer Abend übrigens. Fotos: Küng

BiBo: Dürfen wir ein paar Angaben zu Ihrer Person und dem beruflichen Werdegang erfahren? Roland Pfister: Geboren wurde ich im April, allerdings ist das schon eine Weile her. Nach dem Martyrium der Schule habe ich eine Lehre als Hochbauzeichner gemacht und vier Jahre auf diesem Be- ruf gearbeitet. Dann kam eine sehr in- tensive Phase mit Kunstgewerbeschule und Selbststudium, seit 1982 bin ich selbstständiger Grafiker und Illustrator. Sie führen die weltweit kleinste Ga­ lerie. Können Sie uns diese Lokalität näher beschreiben? Schwarz, die Lokalität ist schwarz! Also wirklich schwarz… Ach ja, eine Sitzmög- lichkeit hat es auch (schwarz, klar!); so quasi, um die Kunstobjekte in Ruhe geniessen zu können! Eventuell hilft ja Tragtaschen aus Papier und Plastik. In all den Jahren ist eine umfangreiche Samm- lung entstanden. Passend zur Jahreszeit stellen wir einen kleinen Teil davon im Dorfmuseum aus. Alles Tragtaschen mit weihnächtlichen Motiven: Hauptsächlich Weihnachtsbäume, Weihnachtsmänner, Kugeln, Kerzen und Sterne. Darunter be- finden sich viele bekannte, aber auch sel- tene und zum Teil sehr alte Exemplare. Diese Tragtaschen, oft von bekannten Grafikern entworfen, zeigen, wie unter- schiedlich die grafische Umsetzung zum Thema Weihnachten angegangen wurde. Die Ausstellung ist auch dienstags während des MärtKaffis geöffnet. Besichtigungen und Führungen für Grup- pen und Schulklassen sind auch ausserhalb der Öffnungszeiten möglich. Anmelden: wiesnerfs@gmail.com/079 710 90 08. Informationen zum Dorfmuseum finden Sie auch auf unserer Homepage www. dorfmuseumbottmingen.ch Felix Wiesner, Stiftungsratspräsident

Wohin führt die Technologie? Ein Grafiker und Illustrator vor 40 Jah­ ren arbeitete anders als heute. Was halten Sie von der «virtuellen Welt», den «social Media», generell der Computerisierung? Da ich zu der Generation gehöre, die noch weiss, wie das vor 40 Jahren ge- macht wurde, bin ich natürlich noch analog behaftet. Ich meine, wir stehen erst am Anfang dieser Computerisie- rung! Für mich ist der technische Aspekt davon absolut faszinierend. Allerdings – mit richtigen Farben zu arbeiten, ist nach wie vor ein so sinnliches Er- lebnis… da kann kein Computer mit- halten. So toll ich die Möglichkeiten von Computern finde, mit der damit ver- bundenen Abhängigkeit habe ich so meine Mühe. Und wer sich von virtuel- len Welten und «social Media» zu stark

auch der Galerie-Name 00 (null null), um zu verstehen, wie diese Lokalität aus- sieht. Könnte es sein, dass Sie eher einer Berufung denn einem Beruf nachge­ hen? Das könnte nicht… das ist in der Tat so! Sie sind Künstler, vielleicht sogar ein Avantgardist? Hat «Kunst» auch eine politische Note? Sind Sie – auch – ein «homo politicus»? «Kunst» hat immer eine politische Note, obwohl ich absolut kein «homo politi- cus» bin. Aber auch ich werde täglich von den Auswirkungen der Politik beein- flusst. Egal, ob ich das möchte oder eben nicht. Irgendwie wird die Politik sichtbar. Darum ist der Ort meiner Galerie eigent- lich auch der einzig Passende…

beeinflussen lässt, verliert irgendwann die Fähigkeit, das reale Leben geniessen zu können. Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches Bottmingen beschreiben? Neben dem Bottminger Weiherschloss gibt es ja eigentlich nur noch den Kreisel und dann gleich die Galerie 00… Es ist mir ein persönliches Anliegen, Herrn Pfister (merci, Roland) rückwir- kend für den gelungenen, kurzweiligen Vernissage-Abend sowie das Interview zu danken. Mögen derart innovativ- kreative Köpfe mit so viel Tiefgang wei- terhin unsere Gesellschaft beleben und seine Schaffensart und -kraft das Dorf- bild bereichern. Text und Interview: Georges Küng

Vereine

Festliches Jahreskonzert am 2. Adventssonntag, 10. Dezember, 16 Uhr Der 2. Advents- sonntag ist inso- fern speziell, als dass der Musik-

«Wiehnachts-Gugge im Bottmiger Dorfmuseum» – letzte Tage!

Nur noch am Wochen- ende vom 9. und 10. De­ zember, jeweils von 14– 17 Uhr, können Sie die

verein Bottmingen an diesem Sonntag in der Aula des Burg- garten-Schulhauses) zu seinem traditionellen Jahreskonzert einlädt. BiBo hat bereits auf diese beliebte Veranstaltung, die Jahr für Jahr vor vollen Sitz- plätzen stattfindet, hingewie- sen. Das Motto «Festliches Jah- reskonzert» verspricht nicht nur viel, sondern wird noch viel mehr halten. Unsere Aufnahme stammt vom diesjährigen Jubi- läums-Konzert – wir freuen uns, auch heuer wieder diesem wun- derbaren Musikgenuss beiwoh- nen zu dürfen. (kü)

«Wiehnachts-Gugge» aus der Samm- lung von Lutz Eichenberger bestaunen. Ein Besuch lohnt sich! Seit einigen Jahren sammelt der in Bott- mingen wohnhafte Lutz Eichenberger

Made with FlippingBook - Online Brochure Maker