MAPA_KW47_2020

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Muttenz

Freitag, 20. November 2020 – Nr. 47

«Aber wir können diese Wörter in etwas Berührendes verwandeln» AMS-Theaterkurse

Das Stück «Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen» rief in Erinnerung, was Kindheit unter den Nazis bedeutete.

Konzentrationsleistung und sehr viel gewissenhafte Arbeit an sim- pel klingenden, jedoch komplex strukturierten Dialogen. In un- merklich nuancierten grauen Kos- tümen, symbolträchtig mit einem Streifen roten Klebebands mar- kiert, erspielten sich die jungen Mitwirkenden – leider noch durch einen Quarantänefall reduziert – mit Hingabe und tiefem Gefühl den Respekt des Publikums. Sie vermochten sich nach der gelun- genen Premiere sogar noch zu steigern und erhielten jedesmal dankbaren Applaus von berühr- ten Zuschauerinnen und Zu- schauern. Die Pandemie erzwang das Spielen mit Masken – doch die eigens beschafften hellgrauen Va- rianten passten hervorragend zur Uniformität von Ghettobewoh- nenden, deren Identitäten noch vor ihrem Leben ausgelöscht wur- den. Mit den drei Vorstellungen des Schmetterlings endete die Auffüh- rungsreihe der Theaterkurse, wie sie bis zu den Sommerferien vor- gesehen gewesen wäre. Die einzige ungespielte Produktion, Willkom- men, wird erst nachgeholt, wenn dies im kleinen Rahmen möglich ist, nach dem ein solches Kammer- spiel verlangt.  *für die Allgemeine Musikschule Mitwirkende: Noemi Bastian, Carolina Born, Ariane Büttiker, Azad Gökbas, Sofia Michienzi, Elia Nägeli, Nadia Nategh, Gisele Plavsic, Anouk Portmann, David Roos, Léon Schaub, Marc-Aurel Schaub, Alessia Schmid, Jona Topalli, Morena Zuccharello.

Von Reto Wehrli*

Wäre die Pandemie nicht gewesen, dann hätten die Aufführungen des AMS-Theaterkurses vom vergan- genen Wochenende schon im Früh- ling stattgefunden – 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Kurz vor Ablauf dieses Gedenkjah- res war das Stück Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen nun im Jugend- und Kul- turhaus Fabrik zu sehen und hinter- liess einen tiefen Eindruck. Kinder hinter Stacheldraht Die Verfasserin, Lilly Axster (*1963), wurde in Düsseldorf ge- boren, ist aber seit 1989 in Wien ansässig und künstlerisch tätig. Als Regisseurin inszenierte sie an meh- reren deutschsprachigen Bühnen, als Autorin verfasste sie neben Theaterstücken auch Kinder- und Jugendbücher, für die sie bereits vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen (1994) erzählt in kurzen, eindringlichen Szenen von einemLebensalltag, der kaum vorstellbar ist – doch über Jahre hinweg die Realität war für Kinder und Jugendliche, die in Ghettos und Konzentrationslagern zu überleben versuchten.

Junges Leben, von Wachsoldaten bedroht: Die Ghettojugendlichen (von links: David Roos, Jona Topalli, Alessia Schmid, Gisele Plavsic) beraten ihre Möglichkeiten, an Lebensmittel zu gelangen. Foto Reto Wehrli

Es sind Szenen, in denen die kleinsten, schmalsten Kinder sich während Wachablösungen aus dem Ghetto zwängen, um in den Stadt- häusernmehr Lebensmittel zu erlan- gen. Szenen von Kindern, die ebenso von der Ermordung bedroht sindwie die Erwachsenen und dennoch ihre Träume nicht aufgeben. Szenen von Spielen, die einen grausamen Inhalt bekommen haben – wer am dichtes- ten an den elektrisch geladenenZaun herantreten kann. Selbst kurze Mo- mente eines scheinbar fröhlichen Zeitvertreibs sind durchtränkt von bitterem Beigeschmack, denn die Kleider, die in einer heiteren «Mo- denschau» anprobiert werden, stam-

Lagersystems rückblickend kaum noch zu fassen ist, unterstreicht Lil- ly Axster gleich zu Beginn ihres Stücks. «Wir werden nicht behaup- ten, wir wären jene», lässt sie die jugendlichen Protagonisten im Chor sprechen. Doch weil es wich- tig sei, sich zu erinnern, müsse man ihnen schauspielerisch eine Stimme geben. Die Kursleiterinnen der AMS, Sonja und Sarah Speiser, ver- stärkten das Spiel mit der Meta­ ebene noch, indem sie ihr Ensemble in einem selbst verfassten Einschub aus den Rollen heraustreten und sich über den gegenwärtigen Bezug zur Zeit des Zweiten Weltkriegs aussprechen liessen. Eine Zeit, die noch keine hundert Jahre zurück- liegt, aber bereits gefährlich säuber- lich zwischen den Deckeln der Ge- schichtsbücher abgelegt worden ist. Den Schmetterling aufzufüh- ren, erforderte eine intensive

men von den Lagerinsassen. Wider das Vergessen

Dass ein kindliches Leben unter den unmenschlichen Bedingungen des nationalsozialistischen Terrors und

Abgesagt Keine Muttezer Fasnacht und keine Blaggedde

Nach der kurzfristigen Absage der Fasnacht 2020 erleidet leider nun auch die Muttezer Fasnacht 2021 dasselbe Schicksal. Es betrifft dies die Kinderfasnacht, der Kindermorgen- straich im Schulhaus Donnerbaum, der Fackelzug am Füürsunntig und den Schlussstraich. Das OK Muttezer Fasnacht musste schweren Herzens entschei- den, dass kein genügendes Schutz- konzept umsetzbar sein wird. Die hohen Corona-Fallzahlen und die verschärften Massnahmen des BAG lassen dem OK-Präsidenten Chris- tian Braun und seinem Team keine andere Wahl, als die Muttezer Fas-

nacht 2021 abzusagen. Es wird auch keine Blaggedde 2021 geben. Damit die Tradition der Muttezer Dorffasnacht dennoch nicht in Ver- gessenheit gerät, ist das OK bemüht, zur Fasnachtszeit trotzdem einige Akzente zu setzen. Darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt näher in- formiert. Das OKMuttezer Fasnacht hofft, dass sich die Situation bald normali- sieren wird, damit die Fasnachtsge- sellschaft es im Jahr 2022 endlich wieder schränzen lassen kann. Wir wünschen weiterhin alles Gute, viel Kraft und gute Gesundheit.  OK Muttezer Fasnacht

Das OK hat entschieden: DieMuttezer Fasnacht, wie man sie kennt, wird es nächstes Jahr wieder nicht geben. Foto Archiv MA

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