MAPA_KW47_2020

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Muttenz

Freitag, 20. November 2020 – Nr. 47

Kessel, Kappen, Quilts und Söckli

Spende

Kolumne Falsches Geld von echten Kindern Wer als Kind Monopoly, Post oder Verkäuferlis spielte, be- nützte Spielgeld. Dass es sich um wertloses Papiergeld handelte, ging im Spieleifer schnell einmal vergessen. So tauschtenwir fleis- sig Waren und Dienstleistungen gegen Spiel-Geld. Wenn man Ende der Woche ein Sackgeld in Form eines echten 50-Rappen-

Von Peter Eckerlin

Stücks erhielt, so war dies, wenn auch erfreulich, doch eher be- scheiden im Vergleich zu den astronomischen Umsätzen, die wir mit Spielgeld unter der Wo- che tätigten. Meine Grossmut- ter, welche uns beim Monopoly- spielen misstrauisch beäugte, sagte dann, man soll mit Geld nicht spielen. Gleichzeitig klebte sie eifrig Konsum-Rabattmar- ken in ein Heft. Sie sagte, diese Märkli seien wie Geld. Für uns erschienen die Marken und das Heft wie Spielgeld. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Geldge- schäfte und Zahlungsmittel viel- fältiger, komplexer und abstrak- ter. Heutzutage wird mit einer Plastikkarte oder dem Smart- phone bezahlt und man erhält damit Vergünstigungen in Form von virtuellen Punkten. Das Geldwirdauf eineWolke (Cloud) transferiert, schwebt auf dieser im Irgendwo dahin und rieselt dann wieder zurück auf andere irdische Konten oder weiter auf andere virtuelle Wolken. Somit erstaunt es wohl nicht, dass sich heutzutage rasch daraus ein Poli- zeieinsatz und eine Regierungs- krise entwickelt, sollten echte Kinder versuchen, im richtigen Laden mit echtem Spielgeld zu bezahlen und dabei an die fal- sche Person gelangen und dann an richtige Polizisten übergeben werden. Letztendlich musste so- gar ein echtes Gutachten her zur Reinwaschung der pflichteifrigen Polizisten und das für die Sicher- heit und die Polizei im Kanton zuständige Regierungsratsmit- glied. Dieses Gutachten wurde mit echten Steuergeldern be- zahlt; und Märkli gab es dafür bedauerlicherweise auch keine.

Ein vollgepackter Container mit Hygieneartikeln, selbstgenähten Decken, Babymützen und Söckchen für bedürftige Menschen ist unterwegs von Muttenz nach Jordanien. Fotos zVg

Eine weitere Kesselaktion geht erfolgreich zu Ende – dieses Mal für Jordanien. «Stell dir vor, es ist Krieg und wir schicken Kessel statt Waffen!», die- ser Satz war in den letzten Wochen auf einem Container auf dem Park- platz an der Pestalozzistrasse zu lesen. Seit August wurden darin Kessel mit Hygieneartikeln (Hand- tücher, Shampoo, Pflaster, Zahn- bürsten, Seife etc.) gesammelt. Nun ist die Kesselaktion «Hilfe für ge- flüchtete Menschen in Jordanien» abgeschlossen und der volle Con- tainer ist unterwegs zu seinemZiel. GeflüchteteMenschen imNahen Osten gehören zu den vulnerabels- ten Bevölkerungsgruppen. Hinter ihnen liegen traumatische Erfahrun- gen und – nebst dem Verlust der Heimat – auch oft der tragische Ab- schied von nahen Angehörigen. Was die Zukunft betrifft, leben sie in grosser Ungewissheit, denn oft feh- len mittel- und längerfristige Pers- pektiven. Die Corona-Pandemie hat auch hier, wie an vielenOrten dieser Welt, die Verunsicherung noch ver- schärft. Umso nötiger sind Zeichen der Hoffnung, dieMenschen spüren lassen, dass sie nicht vergessen sind. Über 750 Kessel gespendet Muttenzer Einwohnerinnen und Einwohner sowie viele weitere Per- sonen aus den Mennonitengemein- den der Schweiz haben sich an der Sammlung beteiligt. Die Organisa- toren bedanken sich – im Namen des Hilfswerks Mennonite Central Committee (MCC) – ganz herzlich für die grosszügige Unterstützung!

Zahlreiche Freiwillige halfen mit, den Inhalt aller Kessel nochmal zu kontrollieren, bevor diese verschickt wurden.

schen in Jordanien wünscht das TeamvonHerzen Frieden, Schalom und Hoffnung! Übrigens: Sollte jemand eine Brille vermissen, melden Sie sich. Eine ist offenbar versehentlich in einem Kessel gelandet!

In Amman wird die Partnerorgani- sation «Caritas Jordanien», mit der bereits eine bewährte Zusammen- arbeit besteht, vor Ort die Vertei- lung übernehmen. Dabei ist das Kriterium für die Hilfe nie die Volks- oder Religionszugehörigkeit der Menschen, sondern ihre Not. Die gefüllten Kessel sind nun, zusammen mit 214 selbstgenähten Decken/Quilts, 410 gestrickten Ba- bykappen und 298 Paar Söckli unterwegs, was erfahrungsgemäss einige Wochen dauern wird. «Es bleibt immer ein wenig Duft anHänden, die Rosen schenken, an Händen, die sich grosszügig zei- gen», mit diesem Zitat von Hélder Câmara wurde die Aktion im Au- gust begonnen, und das Team sagt zum Schluss noch einmal herzlich Danke für Ihren Beitrag. DenMen-

Emanuel Neufeld, evangelische Mennonitengemeinde Schänzli

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