MAPA_KW24_2019

Pratteln

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Freitag, 14. Juni 2019 – Nr. 24

Die gesunde Finanzlage eröffnet

Bürgergemeinde

Handlungsspielraum für Spezielles

Sei es im Bürgerhaus oder imTalhof – die Projekte sind auf Kurs. Im Jahr 2021 wird sogar stark vergünstigt eingebürgert.

Von Reto Wehrli

Nur gerade eine knappe Woche nach dem Banntag, an dem sich die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger vorerst nur am Anblick der reif glänzenden Kirschen hatten laben können, gab es die süssen Früchte bereits zu verkosten – Flur­ chef Heinz Weisskopf brachte einen Korb voll davon mit zur Bürger­ gemeindeversammlung vom Mitt­ woch, 5. Juni. Die «Chirsi» wurden zum anschliessenden Apéro ge­ reicht, den ausserdem auch Brigitte Pavan mit ihrem deliziösen Prattler Kuchen bereicherte. So eine Sommer-«Bürgergmeini» wird regelmässig zu einem Erlebnis für alle Sinne. Das Auge erfreute sich am üppigen Blumenschmuck auf und neben dem Ratstisch – zu­ sätzlich zu den beiden Vasen waren zwei voluminöse Milchbrenten mit Blüten und Zweigen bestückt wor­ den, sozusagen frisch ab Hecke. Das Ohr kam in den Genuss eines musikalischen Auftakts: Der jubi­ lierende Cantabile Chor, der 25 Jah­ re alt wird, gab unter der Leitung seines Gründers Bernhard Ditt­ mann drei Stücke zum Besten. Die versierten Sängerinnen und Sänger trugen ihr Liedgut auf Englisch, Rätoromanisch und in helvetischen Ortsnamen vor – in der originellen «Schwyzzerapsody», deren Text ausschliesslich aus geografischen Bezeichnungen besteht. Bürgerge­ meinde-Präsidentin Verena Walpen würdigte den Chor als einen festen Bestandteil der Prattler Kultur: «Mit seinem vielseitigen Repertoire erfreut er uns immer wieder.» 44 Personen eingebürgert Viel zu sehen gab es für die 79 Stimmberechtigten im Saal der Alten Dorfturnhalle auch bei den Einbürgerungen: Es lagen nicht weniger als 29 Gesuche von 44 Per­ sonen vor, deren Porträtfotos im Unterlagenheft eine stattliche Bil­ dergalerie ergaben. Acht Gesuche stammten von Personen schweize­

In der Reihe seiner Jubiläumsaktivitäten zum 25-jährigen Bestehen trat der Cantabile Chor zur Eröffnung der Bürgergemeindeversammlung in der Dorfturnhalle auf. Foto Reto Wehrli

rischer Nationalität. Den ausländi­ schen Gesuchstellenden konnte Verena Walpen ein sehr gutes Zeugnis geben: «Die Einbürge­ rungswilligen sind oft sehr gut auf die Einbürgerungsgespräche vor­ bereitet», bestätigte sie, «wir stau­ nen jeweils, was sie alles wissen.» Die Abstimmungen erfolgten offen und in globo. Sämtliche Gesuche wurden ohne Wortmeldungen ein­ stimmig gutgeheissen. Neues Auto für den Förster An der Sommerversammlung wird jeweils die Jahresrechnung präsen­ tiert. Finanzchef Rolf Schäublin berichtete wiederum von einem guten Resultat: Auszuweisen war ein Gewinn von fast 327’000 Franken, rund 30’000 Franken höher als budgetiert. Hierfür war namentlich der Bereich Forstwirt­ schaft ausschlaggebend, dessen Aufwandüberschuss markant ge­ ringer ausfiel als budgetiert. Zu­ sammen mit dem Ertragsüberschuss des Bereichs Finanzen/Finanzver­ mögen, der sich auf fast eine Million beläuft, ergab dies einen glänzenden Jahresabschluss und einen Cash Flow (Nettozufluss an liquiden Mitteln) von 750’000 Franken. Die Versammlung nahm die Rechnung einstimmig an, und Martin Bitterli (Präsident der Rechnungsprüfungskommission) drückte eine allgemeine Überzeu­ gung aus, wenn er sagte: «Wir sind überzeugt, dass der Bürgerrat eine sehr gute Finanzpolitik betreibt.» Die gesunde Finanzlage erlaubt der

gen, der am 17. Mai seine Aufrichte erlebt hatte.

Bürgergemeinde problemlos die eine und die andere Neuanschaf­ fung. Diesmal beantragte der Bür­ gerrat einen Kredit von 38’000 Franken, um einen Ersatz für das 2010 gekaufte Fahrzeug des Förs­ ters anzuschaffen. Das alte Fahr­ zeug gehört jedoch noch nicht zum alten Eisen. Waldchef Sven Bill er­ klärte, dass der neue Forstwart, der seinen Dienst im Sommer auf­ nehme, damit fahren werde. Der Kreditantrag erhielt einstimmige Genehmigung. Das Museum ist geleert Unter «Verschiedenes» orientierte Bauchefin Sandra Felber über die Fortschritte rund ums Museum im Bürgerhaus. Mit zahlreichen Hel­ fern sei es auf Anfang Mai geräumt worden und stehe derzeit leer. Das Studio im ersten Stock habe seine neue Küche erhalten, die Vier­ einhalbzimmerwohnung ihre neue Küche und neue sanitäre Anlagen. «Die baulichen Arbeiten sind nahe an der Vollendung, im Museum geht es aber erst richtig los», kün­ digte Sandra Felber an. «Nach den Sommerferien kann die neue Dauer­ ausstellung in Angriff genommen werden.» Dafür seien auch bereits erfreulich viele Gelder von dritter Seite geflossen, was das lebendige Interesse an diesem Projekt im Dorfkern zeige. Abschliessend wies Heinz Weisskopf auf die Möglichkeit hin, an der Flur- und Waldbegehung vom 7. September den neuen Auf­ zuchtstall des Talhofs zu besichti­

Aktion für Schweizer Gesuche rw. Präsidentin Verena Walpen wies bereits auf ein Projekt hin, dessen Zeithorizont noch zwei Jahre in dieZukunft reicht: 2021 findet eine Einbürgerungsaktion für Schweizerinnen und Schwei­ zer statt – das Prattler Bürger­ recht wird dann für sie zu einem minimalen oder sogar Null­ betrag zu haben sein. Die Be­ kanntgabe erfolgte aus guten Grund, denn um zu diesem Zeitpunkt genehmigungsreif zu sein, müssen die Gesuche Mitte 2020 gestellt werden. Die Aktion besitzt einen his­ torischen Hintergrund, der zu­ gleich die Einschränkung auf das Jahr 2021 erklärt: 500 Jahre zuvor, also präzis 1521, verkauf­ ten die Erben des Erbauers des Prattler Schlosses das Gebäude an die Stadt Basel. Diese gehörte damals bereits zur Alten Eid­ genossenschaft – und Pratteln wurde dadurch gewissermassen ebenfalls eidgenössisch. «Dazu wird eine spezielle Bürger­ gemeindeversammlung stattfin­ den», kündigte Verena Walpen an. Auch weitere Festaktivitäten seien geplant, um das Jubiläum angemessen zu würdigen.

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