MAPA_KW24_2019

85

Pratteln

Freitag, 14. Juni 2019 – Nr. 24

Barbecue auf Balkonien – aber bitte ohne Ärger mit den Nachbarn Der Balkongrillplausch: Freizeit

Monats. Störenfriede, diedieRuhe­ vorschriften missachten, riskieren ausserdem, dass die Polizei bei ihnen aufkreuzt. Auf eine erste Verwarnung folgt in der Regel eine happige Busse. Mieterinnen und Mieter, die sichdurchrücksichtsloseNachbarn belästigt fühlen, könnensichbei der Polizei oder dem Vermieter be­ schweren. Nützt eine Reklamation bei der Vermieterschaft nichts, kann man unter Umständen eine Mietzinsreduktion verlangen und durch die Hinterlegung des Miet­ zinses bei der Schlichtungsbehörde Druckmachen. Derartige Fälle sind wegen den formellenHürden heikel und vor Überreaktionen ist zu warnen. Am besten lässt man sich vorgängig beim Mieterinnen- und Mieterverband beraten. Toleranz üben Wer versucht, den Knatsch mit den Nachbarn wegen Lärm-, Geruchs- oder Rauchbelästigung auf dem Rechtsweg zu lösen, landet nicht selten in einer Sackgasse. Denn ob eine Störung das zulässige Mass überschreitet, lässt sich kaum ob­ jektiv feststellen. Deshalb sind To­ leranz und gesunder Menschen­ verstand gefragt. Ein persönliches Gespräch ist in solchen Situationen zielführender. Dabei mussman sich bewusst sein: Zwar haben die Nachbarn ein Recht auf Ruhe, Fröhlichkeit und Ausgelassenheit sind aber ebenso erlaubt. Toleranz und gegenseitiger Respekt sind letztlich die Grundpfeiler einer friedlichen Nachbarschaft.

Was darf man und was darf man nicht. Hier sind ein paar Tipps des Mieterverbandes. Endlich wieder Sommer! Stefan Müller hat spontan seine Freun­ dinnen und Freunde zur abendli­ chen Balkonparty eingeladen. Saftige Steaks, leckere Würstchen und knackiges Gemüse brutzeln bereits auf dem Grill, ganz zur Freude der hungrigen Gäste. Die Vorfreude währt jedoch nur kurz. Der Hauswart steht plötzlich vor der Tür. «Grillieren auf dem Balkon ist in diesem Haus verbo­ ten», verkündet er in gehässigstem Ton. «Lesen Sie doch gefälligst die Hausordnung.» Ungültige Hausordnungen Das ist kein Bluff. In der Haus­ ordnung ist das Grillieren auf dem Balkon tatsächlich strikte unter­ sagt.Aberdamit eineHausordnung überhaupt gültig ist, muss der Mietvertrag ausdrücklich auf die Hausordnung verweisen. Und auch dann muss man sich als Mieterin und Mieter nicht an jedes pingelige Verbot halten. Der Vermieter kann nicht nach eige­ nem Gusto Verbote erlassen. Ein­ schränkungen der Balkonnutzung im Mietvertrag oder in der Haus­ ordnung müssen auf einem sachli­ chen Grund basieren und verhält­ nismässig sein. Grundsätzlich ist es den Mieterinnen und Mietern ge­ stattet auf dem Balkon zu tun und zu lassen, was sie wollen. Sie dürfen dort nach Belieben essen, lesen, schlafen oder eben auch grillieren. Grillieren mit Bedacht Jetzt kommt jedoch das grosse Aber: Auch auf Balkonien müssen Mieterinnen und Mieter selbst­ verständlich auf die Nachbarn Rücksicht nehmen. Der Grill ist zu jeder Tageszeit so zu bedienen, dass die Nachbarn nicht eingeräu­ chert werden. Überschreiten die Rauchimmissionen das tolerier­ bare Mass, kann der Vermieter im Einzelfall einschreiten. Mit einem Gas- oder Elektrogrill lassen sich beissender Rauch und Gestank dagegen auf ein vernünftiges Mass reduzieren. Der Duft von Gebrate­ nem ist auch beim normalen Wohnverhalten, wozu auch das Kochen gehört, unvermeidbar.

Das A und O eines Grillabends ist Rücksichtnahme.

Fotos AdobeStock

Solche Gerüche müssen von den Nachbarn daher geduldet werden. Apropos Fenster: Raucher ge­ niessen die Verdauungszigarette vorzugsweise auf dem Balkon. Dabei sollten sie darauf achten, dass derTabakrauchnicht durch ein offenes oder schräg gestelltes Fens­ ter direkt in die Schlafzimmer der oberen Wohnungen dringt. Solche Rauchimmissionen müssen die Nachbarn nicht dulden. Sofern ein Garten oder eine Grünfläche allen Mieterinnen und MieterneinesHauses zurVerfügung steht, kann auch dort grilliert wer­ den. Im Gegensatz zum Balkon kann der Vermieter dies aber im Mietvertrag oder in der Hausord­ nung verbieten. Selbstverständlich muss man sich dabei mit seinen Nachbarnabsprechenunddarf eine gemeinschaftliche Grillstelle nicht für sich allein beanspruchen. Nachtruhe ab 22 Uhr Auch übermässiger Lärm sollte vermieden werden. Als Faustregel gilt: Ab Beginn der Nachtruhe herrscht Tischlautstärke. Die Ge­ sprächslautstärke ist also so zu dosieren, dass man sich nur noch am gleichen Tisch versteht. Lautes Lachen, Singen und Grölen liegen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr drin. Die Nachtruhe gilt im Allge­ meinen ab 22 Uhr. Massgebend sind die örtlichen Polizeivorschrif­ ten oder die Hausordnung. Man­ cherorts gilt auch über Mittag eine Ruhezeit. Dann ist die Lautstärke ähnlich herunterzuschrauben wie nachts. Auch ausserhalb der Ruhe­ zeiten ist der Geräuschpegel auf ein vernünftigesMass zu beschränken. Wer auf demBalkondasRadiooder

den Bluetooth-Lautsprecher voll aufdreht oder gar Trompete übt, überschreitet das Mass des Zuläs­ sigen zu jeder Tageszeit. Wo die Lärmgrenze liegt, hängt jedochauchvondenUmständenab. DasGrundprinzipistrelativsimpel: Erlaubt ist, was niemanden stört. Und wenn man gut mit den Nach­ barn auskommt, braucht es einiges, bis sie sich gestört fühlen. Wer auf dem Balkon gerne mal eine feucht­ fröhliche Party schmeisst, muss sich eben um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemühen. Rechtliche Konsequenzen Verstösse gegen die Rücksichts­ pflichtkönnenernsthafterechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. In Extremfällen, wenn selbst eine schriftliche Abmahnung nichts nützt, ist sogar eine ausserordent­ liche Kündigung möglich, mit einer Frist von 30 Tagen auf Ende eines

Quelle: Mieterinnen- und Mieter­ verband Deutschschweiz

Grillieren Ja, aber nicht das Quartier einräuchern.

Fotos AdobeStock

Made with FlippingBook flipbook maker