A uch in diesem Sommer haben viele Vierbeiner zu Beginn der Ferien ihr Zuhause verloren. Weil ihre Besitzer keine Urlaubsbetreuung organisieren konnten oder wollten, wurden zahllose Hunde, Katzen und Kleintiere einfach ausgesetzt. Das berichtet Janet Bernhardt, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V.: „Wieder muss- ten wir vor Beginn der Sommerferienzeit zahl- reiche Aussetzungsopfer in unserem Tierheim aufnehmen. Es ist so traurig, dass jedes Jahr gewissenlose Menschen großes Leid oder sogar den Tod ihres Haustieres in Kauf nehmen, in- dem sie es einfach aussetzen, bevor sie in den Urlaub fahren.“ Mahnend fügt sie hinzu: „Wer die schönste Zeit des Jahres nicht mit seinem tierischen Begleiter verbringen mag oder kann und keine vorübergehende Unterbringungs- möglichkeit findet, sollte ein Mindestmaß an Verantwortung zeigen und dem Tier die Mög- lichkeit geben, in einem neuen Zuhause glück- lich zu werden. Tierheime wie unseres können dabei helfen.“ Die Situation im Hamburger Tierheim ist kein Einzelfall. Das belegen die Daten aus dem großen PURINA Tierheimreport. Der Tiernah- rungshersteller hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt und bei 227 deutschen Tierhei- men nachgefragt, wie die Lage vor Ort aktuell ist. Mehr als ein Drittel berichtete von einer verschärften Situation in den Sommermonaten. Mehr Tierabgaben Zwei von drei Tierheimen sind an ihrer Kapazi- tätsgrenze, 17 Prozent der Einrichtungen sind überbelegt. Die Mehrzahl kämpft mit akuten Engpässen. Platz- wie Geldmangel stehen ganz oben auf der Liste der Herausforderungen. Im
Unverantwortlich Leider kommt es immer noch vor, dass Hunde und Katzen ausgesetzt werden
Hamburger Tierheim gilt sogar ein Aufnahme- stopp für Katzen, wie Janet Bernhardt berichtet: „Da unsere Aufnahmekapazitäten durch die noch immer andauernde Sanierung unseres Alten Katzenhauses weiterhin beschränkt sind, können wir Katzen nur in Ausnahmefällen auf- nehmen.“
STARKER ANSTIEG AN AUFNAHMEN: 81 %
»Zwei von drei Tierhei- men sind an ihrer Kapa- zitätsgren- ze, zeigt die
der Tierheime berichten von einem deutlichen Anstieg der aufgenom- menen Tiere in den letzten zwei Jahren.
GRÜNDE FÜR TIERABGABEN:
PURINA Studie.«
67 % 66 %
Dass die Situation in ganz Deutschland an- gespannt ist, bestätigen die weiteren Umfrage- ergebnisse des PURINA Tierheimreports: Die Zahl der aufgenommenen Tiere ist dem- nach in den vergangenen beiden Jahren deutlich gewachsen. 81 Prozent der Tierheime verzeichneten einen Anstieg, 42 Prozent sogar einen starken Anstieg. Petra Gerigk, Tierheim- leiterin vom Kölner Tierschutzverein 1868, sagt: „In den letzten Jahren haben wir deutlich mehr Abgaben, vor allem von alten und kran- ken Tieren, zu verzeichnen. Trotz Aufklärung unterschätzen viele noch immer die Verant- wortung, die mit der Tierhaltung verbunden
Persönliche oder gesundheitliche Gründe
Verhaltensprobleme
55 %
Finanzielle Belastung
52 %
Zeitmangel
Zudem schätzt etwa die Hälfte der Tierheime, dass Halter die Verantwortung einer Tieradoption oft unterschätzen.
Oktober 2025 / Ein Herz für Tiere 23
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