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Lisa Williamson: Ein älteres Tier bringt oft eine tiefe Gelassenheit mit und passt sich erstaunlich gut an eine neue Um- gebung an. Viele adoptierte Senioren blühen regelrecht auf, sobald sie Liebe und Zuwendung erfahren. Es geht nicht darum, wie viele Jahre man miteinan- der hat, sondern darum, wie intensiv und schön diese gemeinsame Zeit ist. Matthias Lebens: Ältere Tiere haben oft geringere Vermittlungschancen und verdienen ebenso ein liebevolles Zuhause. Und auch hier ist eine Bin- dung möglich. Eine tolle Mensch-Tier Beziehung hängt nicht von der Dauer ab, sondern von der Qualität der Bin- dung. Zudem kann ein älteres Tier gut zu Menschen passen, die nicht über die gesamte Lebensdauer eines jungen Tieres Verantwortung übernehmen können oder die den Bedürfnissen von älteren Tieren besser gerecht werden als denen von jungen bewegungsbe- dürftigen Wilden. Welche speziellen Bedürfnisse haben Ihrer Erfahrung nach ältere Katzen? Matthias Lebens: Die Bedürfnisse sind erst einmal bei allen Lebewesen gleich. Und auch die Grundgedanken, sich für ein junges Tier oder ein älteres Tier zu entscheiden sind recht ähnlich. Bei

RATGEBER Katze

Gängige Frage Sind Senioren

von dem Tier verabschieden muss, ist für viele Menschen eine Hürde.

krankheits- anfälliger?

Was ist Ihre Einschätzung dazu? Lisa Williamson: Ich denke, dass das Bild des „pflegeleichten“ Jungtiers oft romantisiert wird. Kitten erfordern viel Zeit und Geduld, während ältere Tiere oft bereits grundlegende Regeln kennen und ein ruhigeres Wesen haben. Matthias Lebens: Für die Wahl eines älteren Tieres spricht, dass sie einen gefestigten Charakter haben, meist stu- benrein sind und oft ihre Bedürfnisse besser eingeschätzt werden können. Je mehr man über die Vergangenheit des Tieres weiß, desto einfacher wird das Zusammenleben mit ihm – besonders wichtig sind Infos zu seiner Verträglich- keit mit Kindern, anderen Tieren und Alltagssituationen.

Katzen steht vor allem das bisherige Leben als „Woh- nungs- oder Freigänger- katze“ im Fokus. Denn ei- ne ältere Katze, die vorher Freigänger war, wird sich schwerer an eine Woh- nungshaltung anpassen als

ein Jungtier. Sehr alte Katzen können vielleicht sogar nicht (mehr) nach drau- ßen, wenn sie dort körperlich und/oder mental überfordert sind. Oder eine Kat- ze, die bereits ein Freigängerrevier hat- te, muss nun lernen, dass sie ein neues Zuhause hat, zu dem sie zurückkehren soll. Bei Katzen spielt sich ein Großteil des Lebens in der dritten Dimension ab – sie klettern und suchen sich erhöhte Liegeplätze. All das muss altersgerecht angepasst werden, Distanzen und Hö- hen verringert und Wege verkürzt wer- den. Auch das Wärmebedürfnis einer alten Katze steigt und ein wärmender Ruheplatz darf nicht fehlen. Welche konkreten Tipps haben Sie für die Adoption einer Seniorkatze? Lisa Williamson: Vor der Entscheidung sollten Sie sich gut vom Tierheim oder der Pflegestelle beraten lassen und das Tier in Ruhe kennenlernen. Klären Sie, ob Sie allen Bedürfnissen des Tieres gerecht werden können. Eine sanfte Eingewöhnung ist entscheidend, für die Sie ausreichend Zeit einplanen sollten. Bestehende Routinen und Futterge- wohnheiten sollten anfangs beibehal- ten werden, um dem Tier Sicherheit zu geben. Ein Besuch beim Tierarzt, Futter für Senioren sowie ein für ältere Tiere gut vorbereitetes Zuhause sind ebenso sehr wichtig.

Was spricht aus Ihrer Sicht für die Adoption einer älteren Katze?

Wer will mich? Ältere Tiere haben oft geringere Vermittlungs- chancen als Jungtiere

Oktober 2025 / Ein Herz für Tiere 33

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