Spezial
Aktuell bin ich eher in einer schweren Situati- on, ich kämpfe mit vielen Symptomen: kleinen Flashbacks, Schlaflosigkeit, emotionalen Aus- brüchen. Aber insgesamt habe ich in der letzten Zeit gelernt, dass man viel Kraft tanken muss. Man gibt als Tierschützer viel und verliert sich schnell selbst dabei. Dann hat man auch kaum mehr Zeit für Familie und Freunde. Ich war die letzten Monate teilweise innerhalb eines Monats mit verschiedenen Organisati- onen in bis zu drei Ländern unterwegs. Das hat mich schon mitgenommen. Jetzt habe ich gemerkt, es holt mich ein. Aber wenn wir alle mehr Mitgefühl und Empathie für diese The- matik aufbringen, ist das, was wir abarbeiten, auf die Gesellschaft verteilt, viel weniger. Wie gelingt es dir Kraft zu tanken? Am besten mit Spaziergängen am Strand mit den Hunden und ihnen dabei zuzusehen, wie sie Spaß haben. Das sind Momente, in denen ich durchatmen kann und wieder bei mir bin. Wie gehst du damit um, wenn jemand sagt, dass du zu viel Leid zeigst? Die Aufgabe eines Tierschützers ist doch Leid zu zeigen, sonst bräuchte es uns nicht. Ich kann verstehen, dass Menschen wegschauen wollen, und darin liegt das eigentliche Problem. Leid ist nie zu viel, das ist etwas Reales. Zu viel ist eigentlich nur, dass dieses Leid passiert und dass niemand es sehen will. Deswegen darf man nicht wiederholungsmüde werden. Die Menschen, die sagen, das ist zu viel, haben das Problem einfach noch nicht erkannt. Man muss für die Tiere stark bleiben, weil sie nicht für sich selbst sprechen können. Was passiert mit den Tieren, die du rettest: Gibt es ein festes Netzwerk, das sich kümmert? Ich bin mit vielen Organisationen unterwegs, daher ist das unterschiedlich. Aber klar gibt es ein großes Netzwerk, das sich im Anschluss kümmert. Es gibt Vereine, mit denen wir vor Ort zusammenarbeiten, zum Beispiel die Vet- crew in Odessa und in Deutschland gibt es den Verein Notpfote, der die Pflegestellen und Vermittlung organisiert. Man sieht mich bei diesen Einsätzen in der Öffentlichkeit und auf meinem Instagram-Kanal, aber die große Arbeit liegt immer bei den Vereinen. Ich bin der, der nach Hause reist und zu seiner Familie zurückfährt. Das muss man ganz fair sagen. Ich halte dafür mein Gesicht in die Kame- ra, mache auf die Themen aufmerksam und
Malte besuchte viele Tierheime in der Ukra- ine. Von dort stammen auch seine eigenen Hunde
Mitgeschöpfe anerkennen. Ihr Leid ist über- all und fängt direkt vor der Haustür an: mit Waschbären, die abgeschossen werden oder Tauben, die vergiftet werden. Wie reagieren die Menschen in den Krisen- gebieten vor Ort auf dich? Finden alle immer gut, was du tust, oder gibt es auch Kritik? Wenn ich zum Beispiel in der Ukraine bin, zählt nicht, wie viel Reichweite ich habe. Die Menschen kennen mich nicht, und das ist auch gut so, weil ich dann nicht voreinge- nommen behandelt werde, sowohl negativ als auch positiv. Aber man merkt, dass die Gesell- schaft einen ganz anderen Blick auf Tiere hat. Hunde und Katzen haben viel weniger Wert als bei uns in Deutschland. Da trifft man so- wohl auf die Tierschützer, die ihr Herz für die Tiere geben, und auf Kritiker. Natürlich bin ich schon auf Gegenwind gestoßen. Das ist für Tierschützer Alltag. Was macht das mit dir, wenn du vor Ort bist oder Bilder anschaust? Gibt es einen Aus- gleich im Alltag zu dem, was du erlebst?
»Als Tier- schützer gibt man viel und kann sich dabei auch verlieren.«
50 Ein Herz für Tiere / Oktober 2025
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