Reportage
HundeDoc – Heldin der Straße Tierärztin Jeanette Klemmt versorgt auf den Straßen Berlins Hunde von Menschen in Not. Sie schlägt eine Brücke zu denen, die oft außerhalb der Gesellschaft stehen und kümmert sich um die, die ihnen das Wichtigste sind, ihre vierbeinigen Gefährten
Text Bianca Klement
G egen Mittag trudeln vor dem Kontakt- laden „Enterprise“ in Berlin-Lichten- fels die ersten Hundebesitzer ein. Der Laden ist eine Begegnungsstätte für Men- schen mit Sucht- oder psychosozialen Erkran- kungen, deren Lebensmittelpunkt mitunter die Straße ist. Zweimal in der Woche fährt hier Tierärztin Jeanette Klemmt mit ihrem Praxis- Mobil vor und leistet kostenlose Beratung und Behandlung für bedürftige Tierhaltende. Seit über 24 Jahren leitet die Tierärz- tin für die Stiftung Sozialpädagogisches
Institut Berlin (SPI) das Projekt HundeDoc. Da- bei kümmert sie sich an verschiedenen sozialen Brennpunkten in der Hauptstadt um die Tiere jener, die sich die medizinische Versorgung ih- rer tierischen Gefährten nicht leisten können. Die Idee hinter dem Konzept: Über die Tiere sollen diejenigen erreicht werden, die anson- sten Hilfe ablehnen und sich von der Gesell- schaft absondern. Die Hunde dieser Menschen sind häufig ihr einziger Bezugspartner und Le- bensmittelpunkt. Und so eröffnet die Tierliebe Sozialarbeitenden Zugang. Termine für die Bedürftige Wer Hund, Katze oder Kleintier bei Jeanette Klemmt behandeln lassen will, muss sich vorher im Kontaktladen anmelden. Die Tierärztin will wissen, wer zu ihr kommt und weshalb. Die meisten ihrer Klienten kommen seit Jahren zum HundeDoc und vertrauen ihr. Eine zierliche blonde Frau wartet bereits mit ihrer rundlichen Französischen Bulldogge im Enterprise und nippt an einem Kaffee. Ihre Hündin leidet unter Arthrose und braucht drin- gend Schmerztabletten, erzählt sie mit Tränen in den Augen. Draußen, vor dem Laden hat es sich die rothaarige Karin mit ihrer Yorkshire- Hündin gemütlich gemacht. Ein paar Meter weiter sitzt ein obdachloses Pärchen mit zwei Welpen auf dem Gehweg. Weil die beiden Bulgaren kaum Deutsch sprechen, begleiten sie Sozialarbeiter. Um kurz vor 13 Uhr fährt der HundeDoc vor den Sozialtreffpunkt. Die mobile Praxis ist ein eigens angefertigtes Praxismobil, in dem Jeanette Klemmt alles hat, was sie zur Grund-
»Ich bin für die da, denen es noch viel schlechter geht.«
Die Begegnungsstätte koordiniert die Termine
Hinter jedem Bild im Praxismobil steckt eine eigene Geschichte
54 Ein Herz für Tiere / Oktober 2025
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