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Zuspruch und Leckerli halfen dem Orang nach Seelentief zur Fröhlichkeit

W ie fühlen sich Tiere im Zoo? Langweilen sie sich, sind sie gestresst unter den Blicken von Menschen oder lässt sie die Aufmerk- samkeit kalt? Woran erkenne ich, ob es einem Tier rundum gut geht? Wir fragten Adrian Baumeyer, der aus täglicher Anschauung die seelische Gesundheit seiner Schützlinge be- urteilen kann. Ist seelische Gesundheit ein Thema bei Ihren Zootieren? Wir sprechen heute nicht von Mental Health, also seelischer Gesundheit, sondern von Men- tal Fulfillment, also Erfüllung. Das geht viel weiter und ist ein großes Thema, das bei uns zum Wohlergehen der Tiere tagtäglich dazu- gehört. Wir schauen, ob sie körperlich, aber auch geistig und psychisch gesund sind. Woran erkennen Sie das? Man kann einen Schimpansen nicht einfach fragen, ob er glücklich ist. Er wird einem auch nicht erzählen, wie seine Kindheit war. Wir achten auf äußere Zeichen und analysieren ihr Verhalten. Frisst ein Tier gut? Ist es aufmerk- sam, neugierig, verspielt oder zeigt es etwa im- mer wiederkehrendes offensichtlich unnützes stereotypes Verhalten? Hätten Sie da ein Beispiel? Von früher kennen sicher noch viele das Bild vom Raubtier, das vor den Gitterstäben endlos hin und herlief. Heute gibt es diese Haltungsart nicht mehr. Gitterstäbe sind sichtfreien Anla- gen gewichen, in denen Löwen das tun, was sie auch in der Natur tun: 20 Stunden am Tag schlafen.

Strahlende Augen, lachende Gesichter,

Spielfreude. Bei Schimpansen ist die Laune leicht zu erkennen

»Wir wollen unseren Tieren ein erfülltes Leben bieten.«

Grabens sieht, wird er nervös. Er fragt sich, warum er nicht bei ihnen sein kann und bewegt den Kopf immer hin und her. Konnten Sie ihm helfen? Ja, der Plan ist, ihn möglichst viele, typische „Giraffensachen“ machen zu lassen. Etwa mit der Zunge sein Futter aus etwas heraus zu fischen. Das hat definitiv geholfen, ist aber von seiner Tagesform abhängig. Den Kontakt mit Menschen werden wir nie ganz vermeiden können. Und wie siehts bei den geistig doch sehr an- spruchsvollen Menschenaffen aus? Wir haben einmal aus einem anderen Zoo einen Orang Utan bekommen, der uns als äu- ßerst aktiv, fröhlich und neugierig beschrieben wurde. Bei uns angekommen baute er sich jedoch ein Nest, legte sich hinein und tat ab da gar nichts mehr. Nicht mal fressen mochte er. Wir wollten ihn schon zurückschicken, damit er uns nicht stirbt. Dann hat sich eine Tierpflege- rin enorme Zeit genommen. Stundenlang saß

Gibt es heute noch Tiere im Zolli, die stereotypes Verhalten zeigen?

Giraffe als Flaschenkind Xamburu sieht Menschen als seine Artgenossen

Ja, unser Giraffenmännchen Xamburu zeigt manchmal noch solches Verhalten. Es begann nach seiner Ankunft 2011 und wir haben nach möglichen Gründen gesucht. In seiner Kindheit sind wir fündig

geworden. Bei Xamburus Geburt hatte es Probleme gegeben. Er musste per Fläschchen von Hand aufgezogen werden.

Menschen sieht er daher als seine Art- genossen an. Wenn er Menschen auf der anderen Seite des

Oktober 2025 / Ein Herz für Tiere 59

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