Reportage
W er „Alpaka“ oder „Lama“ bei Google oder auf Social Media eingibt, findet unzählige Bil- der, Videos, Produkte und Angebote. Die Tiere zieren Tassen, T-Shirts, Kalender, Bettwäsche und Kuschelkissen – oft wird zwar „Alpaka“ geschrieben, aber ein Lama abgebildet (oder umgekehrt). Ob das alles wirklich aus Liebe
weisen können. Diese Genehmigung erhält man nach einer entsprechenden Schulung, ei- ner Prüfung durch das Veterinäramt und einer Überprüfung der Tierhaltung vor Ort. Theorie und Praxis – eine Lücke Klingt gut? In der Theorie ja. Doch in der Praxis fehlen in Deutschland verbindliche Regeln für den Einsatz von Lamas und Alpakas in Freizeit- oder Therapiebereichen. Es gibt keine fest- gelegten Standards für die Art der Aktivitäten oder Einsatzdauer und -häufigkeit. Empfeh- lungen existieren zwar, sind jedoch rechtlich nicht bindend. So bleibt vieles dem Ermessen der Anbieter überlassen – und genau hier liegt die Schwierigkeit. Denn mit wachsender Nachfrage steigt auch der finanzielle Anreiz. Und wo Geld winkt, wird das Wohl der Tiere leider nicht immer an erste Stelle gestellt. Schwarze Schafe gibt es auch in dieser Branche. Nicht jedes Angebot ist automatisch tiergerecht, nur weil eine Geneh- migung für die Haltung vorliegt. Verantwortung und Tierwohl Deshalb sollten interessierte Besucher genau hinschauen: Wie leben die Tiere? Wird auf ihre Bedürfnisse eingegangen? Wie oft und wie lange nehmen sie an Aktivi-
Total en vogue Lamas und Alpakas sind voll im Trend – als Zier- bild auf Produkten oder bei Aktivitäten
zum Tier geschieht oder doch eher aus kommerziellem Interesse? Auch Kleidungsstücke mit angeblicher Alpakawolle boo- men – selbst wenn nur 5 % des Materials aus Alpaka besteht, steigt der Preis merklich. Werbe- spots, Serien und Filme setzen ebenfalls zunehmend auf den Flauschfaktor der Neuweltka- meliden. Der Trend ist überall sichtbar – doch was bedeutet das
täten teil? Ein gesunder Menschen- verstand und ein ehrlicher Blick aus der Sicht des Tieres helfen oft mehr als jede bunte Broschüre. Besonders Alpakas sind ur- sprünglich nicht dafür gezüchtet worden, regelmäßig lange Strecken zu laufen. Spaziergänge sind möglich – aber nur, wenn
Dauer, Häufigkeit und Tempo an das Tier angepasst werden. Lamas hin- gegen sind als Lasttiere gezüchtet worden und tun sich mit solchen Aktivi- täten oft leichter. Sensibel für das Wesen der Tiere Tiergestützte Aktivitäten mit Alpakas und Lamas können für Mensch und Tier bereichernd sein – wenn sie mit Herz, Fachwissen und Verantwor- tung gestaltet werden. Anbieter sollten nicht nur geschult, sondern auch sensibel für das Wesen und die Bedürf- nisse ihrer Tiere sein. Denn echte Begeg- nungen entstehen nicht durch Kommerz, son- dern durch Achtsamkeit und Respekt.
eigentlich für die Tiere selbst? Aktivitäten im Trend
Parallel zum medialen Hype sind unzählige Angebote mit lebenden Alpakas und Lamas entstanden: Spaziergänge, Kindergeburtstage, Yoga auf der Weide, Hochzeitsfotos, Firmen- Events, Online-Meetings mit Alpakas, Speed- Dating oder sogar Zeltübernachtungen auf der Weide. Kaum eine Idee scheint zu ausgefallen. Für uns Menschen ein Erlebnis – aber wie emp- finden es die Tiere? Grundsätzlich dürfen solche Angebote nur von Personen durchgeführt werden, die laut § 11 Tierschutzgesetz eine Sachkunde nach-
Richtiger Umgang Achtsamkeit und Respekt den Tieren gegenüber ist ein Muss
72 Ein Herz für Tiere / Oktober 2025
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