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Freitag, 18.5.2018 97. Jahrgang | Nr. 20

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Abstimmungen I: Pro- Komitee will Attraktivität des Dorfzentrums steigern Seite 2

Abstimmungen II: Alles, was Sie zu den beiden Vorlagen wissen müssen SeiteN 6/7

Fussball: Spitzenspiel Amicitia gegen Muttenz endet 1:1 unentschieden

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gedenkstätte riehen Die neue Ausstellung «Zuflucht und Abweisung» wurde am vergangenen Dienstag feierlich eröffnet Die Schweiz – Retterin und Unheilbringerin

einwohnerrrat Startschuss für Gewerbeareal

Die seit wenigen Tagen zugängliche Dauerausstellung erinnert an jüdische Flücht- linge, die Einlass in die Schweiz fanden. Aber auch an

Ihr Vater wollte sie nach dem An- schluss Österreichs in Basel unter- bringen. Von Freiburg aus brachte er das elfjährige Mädchen auf den Zug. Doch in der Schweiz kam Lilly Katz leider nie an. «Zurückgewiesen der deutschen Polizei übergeben»: So la- pidar, wie es im Schreiben der Grenz- polizei steht, so verheerend waren die Folgen: Das Mädchen wurde mit der gesamten Familie drei Jahre später nach Riga deportiert und ermordet. Einzig der Vater überlebte. Wiederum anders erging es da- mals Leopold Fleischner aus Wien. Sein Sohn Kurt rief bei der Ausstel- lungseröffnung am Dienstag auch dessen Geschichte in Erinnerung: «Er versuchte in Riehen, gleich bei der Wiese, über die grüne Grenze zu ge- langen», erzählte Kurt Fleischner. Grenzbeamte erwischten ihn, doch ihm gelang vorläufig die Flucht in Richtung Belgien – auf einem Velo. Wie seine turbulente Geschichte wei- terging, kann nun sowohl auf den In- fotafeln als auch auf den Hängeregis- tern studiert werden. «Es ist uns eine grosse Ehre, dass unsere Familiengeschichte beitragen darf zum Gedenken der Schweiz an deren eigene Geschichte», sagte Lilian Kauders, Nichte von Julius Katz. Diese Wertschätzung brachte auch ihr Ver- wandter Herbert Lande dem Ort der Erinnerung entgegen. Er flog extra aus Illinois nach Riehen. Für den Amerikaner bedeutete die Reise auch eine Rückkehr zu den Wurzeln: 1946 wurde er in Basel als Sohn von Flücht- lingen geboren. «Mein Vater ist von Weil am Rhein aus nach Basel ge- schwommen, meine Mutter schaffte es hochschwanger über den Riehener Zoll», erzählte Herbert Lande. Geschichten, die sich also nicht selten direkt vor der Riehener Haustür abspielten, stehen imFokus der neuen Ausstellung in der Gedenkstätte. Ein Zitat von Alfred Schwerin, dem die Flucht bei der St. Chrischona gelang, bringt wohl die Idee dahinter auf den Punkt: «Ach ja, die Schweiz! Sie hat mir und vielen anderen das Leben ge- rettet. Aber sie hat auch viele der un- schuldig Verfolgten, die sie hätte ret- ten können, lieblos in den Tod gejagt.» Diese Sätze stehen als Motto der Aus- stellung an der Wand neben den Info- tafeln – und werden wohl auch in Zu- kunft zum Denken anregen. Geflüchtet, erwischt und wieder geflüchtet Sätze eines Flüchtlings, die zum Denken anregen

rs. In der ersten ordentlichen Sitzung des neu gewählten Einwohnerrats kommt ein bedeutender Vertrag zur Abstimmung. Er setzt den Schluss- punkt unter die jahrzehntelangen Be- mühungen, in Riehen ein neues Areal für die Ansiedlung von handwerklich orientierten Gewerbebetrieben zu er- schliessen. Mit der Genehmigung des Kaufvertrags zum Erwerb der Parzelle RC 117 an der Hörnliallee von der Ein- wohnergemeinde Basel-Stadt könnte die Gemeinde Riehen das Areal per 1. August 2018 übernehmen. Geplant ist, dass bis Ende 2019 ein baureifes Projekt vorliegt, das anschliessend von einer Investorengruppe lokaler Gewer- betreibender realisiert werden soll. DemParlament gehören in der neu- en Zusammensetzung sieben Neulin- ge und ein Rückkehrer an. Mario Bion- di (LDP), Cornelia Birchmeier (Grüne), Jürg Blattner (LDP), Katja Christ (GLP), Susanna Fisch Amrhein (SP), Silvia Merkle-Zäch (GLP) und Heinrich Vi- scher (LDP) nehmen, nach der konsti- tuierenden Sitzung mit Präsidiums- und Kommissionswahl vom 2. Mai, erstmals am ordentlichen Ratsbetrieb teil, wobei Katja Christ den Ratsbetrieb als Protokollantin bereits kennenge- lernt hat. Nach vielen Jahren zurückge- kehrt ist Paul Spring (SP), der 1982 für die damalige POB schon einmal ins Parlament gewählt worden war. Neu am Gemeinderatstisch sitzen die bis- herigen Einwohnerräte Daniel Hettich (FDP) und Felix Wehrli (SVP). Der Einwohnerrat behandelt an der Sitzung vom kommenden Mitt- woch, 23. Mai, ab 19.30 Uhr im Ge- meindehaus dieMotion PatrickHuber (CVP) betreffend Einführung einer regelmässigen Überprüfung öffentli- cher Aufgaben und befindet auch über einen als Gegenvorschlag dazu ge- dachten Anzug von Alfred Merz (EVP) betreffend Einführung einer Pro- duktgruppe «Strukturkosten» in der Finanzrechnung der Gemeinde Rie- hen. Unter diversen weiteren politi- schen Vorstössen, über deren Weiter- behandlung zu entscheiden seinwird, befindet sich auch ein Anzug der Sachkommission Mobilität und Ver- sorgung (SMV) betreffend Analyse des Riehener Busnetzes. Behandelt werden ferner die Volksanregung «Für eine grüne Brücke im Autäli», auf- grund derer die Gemeindebehörden mit den neuen Besitzern des alten Humanitas-Areals zur geplanten Überbauung eine Vereinbarung be- züglich der Durchgrünung erzielen konnten, und der Bericht zum Anzug Daniel Hettich (LDP) betreffend Si- cherheit der Velos in Riehen.

jene, die an der Grenze zurückgewiesen wurden.

michel schultheiss

Beim Badischen Bahnhof taucht plötzlich ein kleiner Mann auf. Er führt die Familie durch die verwin- kelten Korridore bis zum Schweizer Zollamt. Bloss ein Absperrseil trennt die Beamten von ihren deutschen Pendants. Diese Szene hat Julius Katz noch genau vor Augen. «Ein dicker Deutscher auf der anderen Seite be- obachtete uns wie ein Fuchs, der auf seine Hühnermahlzeit wartet – er wusste genau, dass wir die deutsche Grenzkontrolle umgangen hatten.» Es war ein bewegender Moment, als der 90-jährige Julius Katz am ver- gangenen Dienstag in der Gedenk- stätte Riehen zum Mikrofon griff, um seine Erinnerungen an 1938 Revue passieren zu lassen. Für die Eröffnung der neuen Dauerausstellung «Zu- flucht und Abweisung» nahm er die lange Reise von Birmingham nach Riehen auf sich. Auf den Knien einen hohen Beamten überredet Das Damoklesschwert der Ab- schiebung hing also an jenem Tag beim Badischen Bahnhof über seiner Familie. Seine Mutter versuchte mit ihm und der Schwester in die Schweiz einzureisen. Der bereits vorher hier- her geflüchtete Vater konnte schliess- lich einen hohen Beamten auf den Knien überreden, die Rückweisung der Familie aufzuheben. Genau um solche Schicksale dre- hen sich die neuen Informationsta- feln der Gedenkstätte Riehen. Die Dauerausstellung unter dem Titel «Zuflucht und Abweisung» ist dank Unterstützung der deutschen Bot- schaft seit wenigen Tagen zu sehen. Dabei geht es um Menschen, die sich vor dem Nationalsozialismus in die Schweiz retten konnten, aber auch um die andere Seite der Medaille. «Viele Flüchtlinge, neuere Schätzungen ge- hen von rund 24’000 Menschen aus, wurden an der Grenze abgewiesen», sagte Gabriele Bergner, Kuratorin der neuen Ausstellung. Eine dieser vielen Betroffenen war Lilly Katz. Sie hatte weniger Glück als ihr Cousin Julius.

Julius Katz schaffte es 1938 zusammen mit seiner Familie, über den Badi- schen Bahnhof in die Schweiz einzureisen. Fotos: Michel Schultheiss

Herbert Lande flog aus seinemWohnort im US-Bundesstaat Illinois eigens für die Ausstellung in der Gedenkstätte nach Riehen.

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