Relief und Klima – ein enges Verhältnis Eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Reliefs auf der Erde spielt auch das Klima. Die Verschiebung der Kontinentalplatten, die Plat- tentektonik, war zum Beispiel maßgeblich daran beteiligt, dass es vor etwa 2,6 Millionen Jahren vor allem auf der Nordhalbkugel plötzlich sehr kalt wurde und das sogenannte Quartäre Eiszeitalter begann. Was war geschehen? Zwischen dem nord- und dem südamerikanischen Kontinent war eine Verbindung entstanden, die Landbrücke von Panama. Pazifik und Atlantik waren plötzlich voneinander getrennt. Große Meeres- strömungen in den beiden Ozeanen wurden unterbrochen und groß- räumig umgelenkt. Im Atlantik entstanden der Golfstrom und seine Fortsetzung, der Nordatlantikstrom. Ihr warmes Wasser brachte viel Feuchtigkeit aus der Karibik in den hohen Norden. Die Folge: Wegen der niedrigen Temperaturen dort kam der Niederschlag hauptsäch- lich als Schnee vom Himmel. Nordamerika und Grönland vereisten. Weil plötzlich große weiße Flächen die Sonnenstrahlung zurück ins All reflektierten, wurde es immer kälter auf der Erde. Schließlich ver- gletscherten auch die skandinavischen Gebirge und die Alpen. Der Meeresspiegel lag etwa 150 Meter tiefer als heute, weil viel Wasser als Eis an Land gebunden war. Heute ist es umgekehrt: Das Klima wird weltweit wärmer. Das hat zum einen natürliche astronomische Gründe – die periodisch schwankende Strahlkraft der Sonne nimmt derzeit zu. Zum anderen
liegt es auch an den Aktivitäten von uns Menschen auf der Erde. Seit Beginn der Industrialisierung um 1850 verfeuern wir zunehmend fos- sile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle, um die für das moderne Le- ben nötige Energie zu erzeugen. Dabei entstehen Unmengen von Treibhausgasen, was die Temperaturen auf der Erde seit Beginn des 20. Jahrhunderts schneller als jemals zuvor in der Menschheitsge- schichte steigen lässt. Zeugen dafür sind die rasant schmelzenden Gletscher in den Hochgebirgen und am Rand der Eiskappen an den Polen. Der Meeres- spiegel steigt und Küstenlinien verschieben sich. Flache Ozeaninseln verschwinden von der Landkarte. Der Permafrost beginnt zu tauen. Im bislang stabil dauergefrorenen Untergrund in den arktischen Re- gionen brechen plötzlich Krater ein, und die Böden an Berghängen beginnen zu fließen. Viele Felswände und Gipfel in den Hochgebirgen verlieren ihren Halt, weil das dauergefrorene Eis in ihren Felsspalten schmilzt. Felsstürze donnern deshalb zu Tal. Die derzeitige, ungewöhnlich rasche Erderwärmung könnte vor al- lem die von außen auf unseren Planeten einwirkenden Kräfte – wie den Kreislauf des Wassers, die Meeresströmungen oder die Windver- hältnisse – und damit auch die Verwitterung und Erosion verändern. Wie stark und mit welchen Folgen für die Menschen, das ist derzeit Thema vieler Forschungsprojekte und internationaler Tagungen von Klima- und Erdwissenschaftlern.
SANDWICH BAY, NAMIB-NAUKLUFT-PARK, NAMIBIA (folgende Doppelseite)
SANDSTEINPLATEAU, LAKE MEAD, NEVADA, USA
Die roten Felsketten sind die Reste eines versteinerten Dünenmeeres, das hier vor 200 Millionen Jahren existierte. Auch heute ist das Klima wüstenhaft. Nur während der Regenperioden fließt Wasser in den Trockentälern. Diese seltenen Niederschläge haben mit der Zeit Unmengen von grauem Schutt aus den benach- barten Bergen herangespült und abgelagert.
In der flachen Lagune an der Atlantikküste trifft salziges Meerwasser auf Süß- wasser, das aus einer Gesteinsschicht unter den Dünen der Namibwüste heraus- sickert. Ein Feuchtgebiet mit nährstoffreichem Brackwasser entstand am Rand des trockenen Sandmeeres, das zum internationalen Schutzgebiet erklärt wurde, weil dort zeitweise viele Wat- und Küstenvögel rasten und Nahrung finden.
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