2025 Confidentiality Guide (German)

Überlegungen zum Schutz der Vertraulichkeit bei der Veröffentlichung in Fachzeitschrigen Formuliert vom Vertraulichkeitskomitee der IPV 2025 Die Veröffentlichung von klinischem Material ist unverzichtbar Dass es Psychoanaly&kern möglich sein muss, klinisches Material vorzustellen und zu veröffentlichen, ist eine weit verbreitete Überzeugung. Auszubildende lernen, indem sie ihre Arbeit in Fallseminaren vorstellen, und profi&eren von den Reak&onen anderer. Ins&tutsmitglieder müssen gemeinsam über Fallvorstellungen nachdenken können, die auUauchende Erkenntnisse der psychoanaly&schen Praxis beleuchten. Darüber hinaus stützen sich alle Analy&ker auf klinische Berichte in Büchern und FachzeitschriUenar&keln, um ihren Blick auf die analy&sche Arbeit zu weiten. Das Verfassen psychoanaly&scher Arbeiten ermöglicht es den Autoren, untereinander und mit einer breiteren LeserschaU ins Gespräch zu kommen und ihre Erkenntnisse über die analy&sche Arbeit zu ver&efen. Und natürlich profi&ert jede einzelne Analyse von der Fähigkeit des Analy&kers, im umsich&gen Erfahrungsaustausch mit vertrauenswürdigen Kollegen das Gesamtbild in den Blick zu nehmen. Die Veröffentlichung von klinischem Material ist auch ein komplexes Unterfangen Analy&ker sind in besonderem Maß eingestellt auf das unbewusste Seelenleben, das während der analy&schen Behandlung sowohl in ihnen selbst als auch im Pa&enten in einer sich wechselsei&g ak&vierenden, ineinander verflochtenen Spirale stark mobilisiert wird. Fallvorstellungen können weder erschöpfend noch frei von unbekannten unbewussten Strebungen seitens des Autors sein. Zudem ist klinisches Material, das zum Gegenstand einer Fallvorstellung wird, zu einem gewissen Grad immer eine vom Analy&ker verfer&gte Konstruk&on. Diese Überlegungen unterstreichen, dass der Austausch mit Peers oder Supervisoren über klinisches Material zwar eine professionelle Notwendigkeit ist, uns aber jederzeit wissenschaUliche Demut verlangt. Wir können schlicht und einfach nicht alles wissen, was wir unbewusst kommunizieren, wenn wir über unsere Analysanden schreiben oder sie anderen mündlich vorstellen. Wir können uns nicht auf unsere wissenschaUliche Akkuratesse verlassen, und wir können nicht voraussehen, wie unsere Pa&enten auf unsere Texte womöglich reagieren werden. Ebenso wenig sind wir in der Lage, zuverlässig vorherzusagen, wie sich die Entdeckung, dass ihr Analy&ker über sie geschrieben hat – sei es mit erteilter Genehmigung oder nicht –, unmiWelbar oder langfris&g auf Pa&enten auswirken wird. In der IPV ist eine Vielfalt theore&scher Schulen vertreten – mit jeweils eigenem Verständnis dieser komplexen Situa&on, mit eigenen Behandlungstechniken und entsprechender Ethik. Das bedeutet auch, dass die Komplexität der Übertragungs-Gegenübertragungsdynamik in einer analy&schen Behandlung durch zahlreiche Linsen betrachtet werden kann. Auf der Grundlage dieser komplexen, divergierenden Modelle unbewusster Prozesse haben wir den Schluss gezogen, dass es kein universales, fehlersicheres Verfahren gibt, das all den theore&schen Modellen der Psychoanalyse Genüge tut und als op&male Möglichkeit empfohlen werden kann, um Analysanden im kollegialen Austausch über Fallmaterial zu schützen. Unsere ethische Verantwortung für den Schutz unserer Pa&enten und ihrer Behandlung reicht über die gesetzlichen Verpflichtungen im engen Sinn hinaus. Selbst wenn die Anonymität von Pa&enten gewahrt bleibt, so dass sie für andere nicht erkennbar sind, besteht die Gefahr, dass sie sich selbst wiedererkennen

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