2025 Confidentiality Guide (German)

Überlegungen zum Schutz der Vertraulichkeit bei telema<scher Kommunika<on Formuliert vom Vertraulichkeitskomitee der IPV 2025 EINLEITUNG Das Thema Schweigepflicht und Schutz der Vertraulichkeit ist in der Psychoanalyse und insbesondere im Zusammenhang mit dem zunehmenden Einsatz der Telekommunika1on und Telebehandlung in der analy1schen Arbeit von überragender Bedeutung. Die telema1sche psychoanaly1sche Praxis (Arbeit per Telefon oder über Video) macht eine Therapie für Menschen zugänglich, die andernfalls davon ausgeschlossen blieben. Sie erfordert aber auch ein Bewusstsein für die Gefahren, die dem Schutz der Vertraulichkeit durch diese Behandlungsmodalität drohen. Das klassische Segng ermöglicht effek1ve Schutzmaßnahmen, weil aber an den telema1schen Pa1ent-Analy1ker-Beziehungen eine dri7e Partei beteiligt ist, ist die Vertraulichkeit der Begegnung den Risiken der benutzten Platorm ausgesetzt. Aus diesem Grund streben wir an, dass sich alle IPV-Mitglieder als eine VerantwortungsgemeinschaN [community of concern] 9 verstehen, die Schutzmaßnahmen zur Wahrung der Privatsphäre unserer Pa1enten einführt. Wir werden Vorschläge anbieten, die das Risiko, gegen das Recht der Pa1enten (und Analy1ker) auf Vertraulichkeit zu verstoßen, reduzieren und einen annehmbaren Schutz der telema1schen Behandlung gewährleisten sollen – absolute Garan1en gibt es jedoch nicht. Wir werden sehen, dass im Zeitalter der digitalen Technologie der beste Schutz darin besteht, sich des Problems bewusst zu bleiben und von Fall zu Fall die bestmögliche Lösung zu suchen. ALLGEMEINE ÜBERLEGUNGEN Psychoanaly1ker stehen aktuell unter wachsendem wirtschaNlichem und kulturellem Druck, diese neuen Kommunika1onsformen zu normalisieren und sie vermehrt in der klinischen Arbeit einzusetzen. Die moderne Telekommunika1on einschließlich Sprachtelefonie, Videotelefonie oder Videokonferenz, E-Mail, SMS- und WhatsApp-Nachrichten werden von Psychoanaly1kern immer häufiger benutzt, um sich mit Pa1enten und Kollegen zu verständigen. Die Kommunika1on mit Pa1enten umfasst auch gelegentliche und regelmäßige Konsulta1onen per Telefonie oder Videotelefonie; Telefon- und Videokonsulta1onen werden genutzt, um über Pa1enten zu sprechen oder klinische Supervision und Seminare durchzuführen; per E-Mail werden Behandlungsno1zen und andere klinische Unterlagen versandt. Die spezifischen Anfälligkeiten der Telekommunika1on für Übergriffe durch Dri7e erfordern spezifische Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Privatsphäre unserer Pa1enten. Die Technologien entwickeln sich rasant weiter, wobei die AI-„Assistenz“, die eine Aufzeichnung, Transkrip1on oder Zusammenfassung von per

9 Glaser J.W. (2002). The community of concern: an ethical discernment process should include and empower all people relevant to the decision. Health Prog. Mar-Apr 83 (2) 17-20, zit. in IPA Report on Confiden9ality, 2018, S. 12.

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