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Mindelheimer Klettersteig
Kleinwalsertal | Schafalpenköpfe (2320 m)
Dolomitenflair in den Nordalpen
Es hatte wohl etwas mit Weitblick zu tun, als Mitte der 1970er-Jahre die Drahtseil verbindung zwischen Mindelheimer und Fiderepasshütte geschaffen wurde, noch bevor der Klettersteig-Boom so richtig losging. Vorausgegangen war allerdings eine 50-jährige Debatte darüber, ob der Mindelheimer Alpenverein wirklich einen Höhen - weg über die Schafalpenköpfe oberhalb von Mittelberg bauen sollte.
S chon 1921 hatte der damalige Vorsitzende der mittelschwäbi - schen Alpenvereinssektion, Franz Xaver Abt, die Idee vorgelegt. Es sollte aber noch fünf Jahrzehnte dauern, bis Abts Vision Realität wurde. Drei Sommer lang werkelte eine Spezialistengruppe aus Warth im Lechtal und versenkte Bügel, Stifte, Leitern und Brücken im Fels – 1975 schließlich komplettierte das Drahtseil die Anlage zum Mindel - heimer Klettersteig. Der Bau aber gefiel scheinbar nicht allen: Zwischen 1980 und 1990 war der Klettersteig mehrmals Ziel von Zerstörungsakten. In Tourenberich - ten las sich das so: »Einige Sicherungen waren jedoch von Unbekann - ten stark sabotiert und vom Alpenverein nur notdürftig repariert wor - den. Trittbügel waren einfach abgesägt und Fixseile durchschnitten.« Heute ist der Mindelheimer Steig ziemlich populär – wohl auch, weil er technisch als nicht übermäßig schwierig eingestuft wird. Dennoch ist er anspruchsvoll und bietet ein hochalpines Ambiente.
Fast wie in den Dolomiten Die bisweilen kühne Wegführung durch den zerklüfteten Hauptdolo - mit zeigt abwechslungsreiche und beeindruckende Felsformationen. Zudem verläuft die Überschreitung gleich über vier Gipfel – die drei Schafalpenköpfe und das Kemptner Köpfle. Den Namen Schafalpenköpfe dürfte der Gratrücken wegen seiner sanfteren Südseite bekommen haben: Vermutlich waren die Liege- und Weideplätze der Schafe auf den Felsköpfen über der Taufers - bergalpe so benannt. Abweisend und ruppig baut sich der zerklüftete Grat dagegen über dem Kleinwalsertal auf. Aus Bauernsicht war das nutzloses Land, weil landwirtschaftlich nicht nutzbar. Kein Wunder also, dass die Menschen auf der Nordseite diese Berge »Die Wilden« nannten. So sollen sie als »Wilde Köpfe« schon im 18. Jahrhundert in den Vorarlberger Landkarten verzeichnet worden sein.
Manches Mal muss man die Leitern auch runter.
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Mindelheimer Klettersteig
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