DESTINATION KASACHSTAN
■ Sowohl auf dem Land als auch in der Hauptstadt Nur-Sultan trifft Modernes auf Tradition.
DER APFEL FÄLLT WEIT
A ls der junge deutsche Botaniker Johann August Carl Sievers im Jahr 1790 im Auftrag von Katharina der Großen von Sankt Petersburg Richtung Sibirien auf- bricht, ahnt er nicht, dass er ganz nebenbei die wichtigste Entdeckung seines Lebens machen wird. Schauplatz: der Tarbagatai, ein knapp 2.000 Meter hoher Gebirgszug nahe der Grenze des heutigen Kasachstans zu China. Hier sollte der Botaniker nach neuen Heilpflanzen für das russische Volk suchen. Zur Stärkung pflückte Sievers einen Apfel von einem der vielen, knorrigen Bäume, biss hinein und war überrascht: Er schmeckte nicht sauer und herb wie all die Äpfel, die er bisher kannte, sondern ange- nehm süß. Im Glauben, es handle sich um eine bisher unbekannte Birnenart, sammelte er Blätter und Samen. Ohne es zu ahnen,
Hätten Sie geahnt, dass der Urahn unserer Äpfel aus Kasachstan kommt? Den Beweis liefert ein über 200 Jahre alter Zufallsfund.
hatte Sievers den Urahnen aller Äpfel ent- deckt, den asiatischen Wildapfel. Zu Hause angekommen, landeten seine Proben im historischen Archiv und wurden 200 Jahre lang vergessen. Anfang der 1990er-Jahre stießen amerikanische Forscher auf diese Archivdaten, sammelten Samen von einigen der bis zu 300 Jahre alten Apfelbäume in Kasachstan und bewiesen Sievers zufällige Entdeckung: Egal, ob wir heute in einen Golden Delicious, Granny Smith oder eine der über 30.000 anderen Sorten beißen, sie alle tragen ein Stück Erbgut dieses kasachi- schen Apfels in sich. Heute wird der „Malus Sieversii“ in Kasachstan als wichtiges natio- nales Gut behandelt, davon zeugt der Name der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty, der übersetzt „Stadt der Äpfel“ bedeutet.
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