COLUMBUS Magazin 2021 Frühjahr

KULTUR FÜR ARM & REICH Vor fast 1.000 Jahren sprach sich herum, dass jeder, der dem benediktinischen Grundsatz ‚ora et labora‘ nachkam, im Kloster von Cluny mit Essen und Klei- dung versorgt wurde. Also wurde das Kloster regelrecht gestürmt. Heute lockt der Titel „UNSESCO Welt- kulturerbe“ die Besucher an. 17. bis 20. Juni 2021 ab € 1.480 p. P. Küche ein. Bei der beliebten Vorspeise liegt ein pochier- tes Ei in einer eingekochten Burgundersauce aus Speck, Champignons und Rotwein. Feinschmecker geben einen Schuss Cassis dazu. Das be- kannte Boeuf Bourguignon verlangt dann ein anderes Entrée, vielleicht den Peter- silschinken. LUST AUF DAS BURGUND BEKOMMEN? KULINARISCHE GENÜSSE Wer „Oeufs en meurette“ bestellt, der taucht schon tief in die burgundische

SCHLUSS MIT WÜSTENSAND Die Bourgogne, wie es im Französischen heißt, liegt im Nordosten Frankreichs. Das Gebiet umfasst rund 40.000 Hektar, in bes- ter Lage wird ein Hektar davon bereits mit Preisen von bis zu 14 Millionen Euro taxiert. Das Potenzial dieser Gegend lag allerdings lange brach, die 1970er- und 1980er-Jahre gelten europaweit sogar als Tiefpunkt des Weinanbaus. Man pflanzte ertragreichere Klone, spritzte zu viel Schädlingsgift. Der auf Weinberge spezialisierte Bodenforscher Claude Bourguignon schrieb in seinem 1991 erschienenen Buch „Le sol, la terre et les champs“ gar, dass manche Böden des Bur- gunds weniger Leben aufwiesen als der Sand der Sahara – ein Weckruf für viele Winzer. Dem vernachlässigten Erbe ihrer Vorfah- ren wurde wieder mehr Respekt entgegen- gebracht, Domänen wie Romanée-Conti, Richard Leroy oder Anne-Claude Leflaive begannen damit, biologisch und später bio- dynamisch zu wirtschaften. Außerdem erin- nerte man sich, dass die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten in dieser Region den eigentlichen Zauber der fertigen Weine aus- machen. Dass die verschiedenen Schichten den Geschmack des Weins formen, hatten bereits die Zisterziensermönche von damals erkannt. Sie nannten diesen spezifischen Ausdruck eines Ortes, der sich im Wein wi- derspiegelt, „Terroir“, eine Bezeichnung, die

■ Neben edlen Weinen ziehen viele weitere traditionelle Köstlichkeiten Gourmets ins Burgund: Allein 27 Käsesorten nehmen in der Region ihren Ursprung. Ein Klecks Dijon-Senf rundet die regionale Gaumenfreude ab.

sich bis heute hält. Es soll sogar Verkoster geben, die Burgunder Weine ihrer genauen Lage zuordnen können, obwohl es sich dabei manchmal nur um einen Unterschied von einigen Metern handelt. ES LEBE DIE FREIHEIT Man braucht zum Glück keine solche Su- pernase, um die edlen Tropfen aus dieser Gegend gebührend genießen zu können. Das wirkliche Geheimnis des Burgunds er- schließt sich schlussendlich in dem Mo- ment, in dem die ersten Tropfen dieser samtigen Weine die Lippen berühren. Wer schon einmal einen Grand Cru von einem der berühmten Weingüter im Glas hatte, versteht, weshalb sie so gefragt sind. Die Fra- ge, ob nun der Burgunder Frankreichs bester ist oder gar der Bordeaux, verliert in Augen- blicken wie diesen ihre Wichtigkeit.

UNSER EXPERTE PETER GALLHOFER

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