INTER VIEW
„ES IST WICHTIG, DASS WIR UNS NICHT IN UNSERER WOHLSTANDSBLASE EINIGELN.“
Ist es überhaupt noch erlaubt zu reisen? In Zeiten des Klimawandels beschleicht den Reisenden oft ein schlechtes Gefühl. Dabei ist Zuhausebleiben gar keine Option, sagt Christian Hlade, Pionier des nachhaltigen Wanderns, über das Reisen in neuen Zeiten. Interview: Jenni Koutni E s war im Jahr 1992, und Christian Hla- de war schon recht müde. Nach einer langen Wanderung durch den Himalaya dort hinreist. Dann ist das Thema plötzlich greifbar und real. Es ist also wichtig, dass wir uns in Europa nicht in unserer Wohlstands- blase einigeln, sondern unseren Horizont durch Reisen erweitern. Und da müssen auch Reiseanbieter ihre Hausaufgaben machen VERSTEHT MAN ERST DURCH DAS REISEN.“ „VIELE WICHTIGE DINGE
hatte er das abgelegene Bergdorf Lingshed erreicht. Kaum angekommen, fühlte er sich dort spontan heimisch. Ein Moment, den er einfach nicht mehr aus dem Kopf bekam – und darum einen Weg fand, dieses Gefühl von neu entdeckter Heimat nicht nur für sich, sondern für viele zugänglich zu machen. Also gründete Christian Hlade vor über 20 Jahren sein Reiseunternehmen Weltweitwandern, Österreichs erstes nachhaltiges Reisebüro. COLUMBUS: DIE FRAGE, DIE UNS AKTUELL BE- SCHÄFTIGT: KANN ICH REISEN UND MICH DABEI DENNOCH FÜR DEN KLIMASCHUTZ ENGAGIE- REN? WIE GEHST DU MIT DEM ZWIESPALT UM? Christian Hlade: Mit diesem komplexen Thema beschäftigen wir uns ständig. Es ist ja so: Von A nach B zu reisen, hat einen Energieaufwand, das lässt sich nicht ändern. Gleichzeitig steckt aber so viel Potenzial da- hinter. Dass die Klimakatastrophe sehr oft Menschen in ärmeren Ländern betrifft, be- kommt man erst so richtig mit, wenn man
und solche Aspekte berücksichtigen. COLUMBUS: HAT SICH DEINE PERSÖNLICHE MEINUNG ZUM THEMA REISEN IN DEN LETZTEN JAHREN AUF IRGENDEINE WEISE VERÄNDERT? Ich nahm es als noch kostbarer wahr. Toll war, dass plötzlich ganz viel internationa- ler Austausch auch online möglich wur- de, sei es durch soziale Netzwerke oder via Zoom-Konferenzen. Fortbildungen, gemein- same Projekte, neue Ideen – da ist ein neues Gefühl von Zusammenhalt entstanden. COLUMBUS: ALS DU VOR 20 JAHREN WELT - WEITWANDERN GEGRÜNDET HAST, WAR IN DER BREITEN MASSE NOCH KEINE REDE VON NACH - HALTIGKEIT. WIE BIST DU DARAUF GEKOMMEN? Das alles entstand nach meinem Studium, als ich eine solarbeheizte Schule im Himalaya baute. Die Idee war, dass wir Urlaube bei den
COLUMBUS MAGAZIN 33
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