INTER VIEW
AUF SCHUSTERS SPUREN Wir haben uns auf die Socken gemacht und einen wahren Meister der Sohlen und Nähte besucht: Philipp Schwarz über das aussterbende Kunstwerk Goiserer-Schuh und die wichtigsten Schritte seines Schuhmacherlebens.
I n einer Region Oberösterreichs wird seit Generationen Schuhgeschichte geschrie- ben. Rund um den altehrwürdigen Kurort Bad Goisern am Hallstätter See entstehen bis heute in liebevoller Handarbeit die berühmten Goiserer-Schuhe. Und hier erö - nete auch Philipp Schwarz seinen Meisterbe- trieb. Kunden können sich beim „Goiserer“ Alltags- und Bergschuhe oder etwas ganz Ausgefallenes anpassen lassen. Nach eini- gen Wochen wird Zwischenmaß genommen. Und nach ungefähr vier bis sechs Monaten wird schließlich der fertige handgemachte Schuh ausgeliefert. Echte Qualität braucht eben Zeit. Besonders am Herzen liegen dem jungen Schuhmachermeister aber Reparatu- ren – denn im Gegensatz zu der Massenware in großen Ketten sind seine Modelle nicht zum Wegwerfen gemacht. Ganz im Gegen- teil, denn mit guter P ege bleibt einem so ein echtes Paar Goiserer ein Leben lang und ist damit ein treuer Reisebegleiter. Wie man merkt, dass der Schuh drückt und was diese vom Aussterben bedrohte Berufung so alles mit sich bringt, haben wir den sympathi- schen Goiserer gefragt. HERR SCHWARZ, WAS MACHT DIE ORIGINALEN GOI- SERER-SCHUHE SO BESONDERS IM VERGLEICH ZU ANDEREN HANDGEFERTIGTEN SCHUHEN? Die sogenannte Zwienaht macht den echten Goiserer so besonders. Sie hat sich seit dem Jahr 1875 nicht verändert. Durch diese beson- dere Doppelnaht wird der Schuh sehr robust, wasserfest, exibel und reparierbar. Dabei ist er dennoch nicht besonders schwer, im Ge- gensatz zu anderen handgemachten Schuhen. WIE SIND SIE DENN EIGENTLICH ZUM SCHUHMA- CHERHANDWERK GEKOMMEN? Ich komme aus dem Marketing, habe lange bei einer heimischen Skimarke gearbeitet. Ich bin aber auch zum Teil auf dem Hof meiner Großeltern aufgewachsen und hatte immer schon eine A nität zum Handwerk.
Philipp Schwarz (oben) kommt eigentlich aus dem Marketing, war aber immer schon angezogen vom Handwerk. Als ausgebildeter Schuhmachermeister legt er nun besonderen Wert auf Qualität und Beständigkeit. Bei jedem Schuh, der seine Werkstatt in Bad Goisern verlässt, verbindet sich die Individualität des Kunden mit seiner Lei- denschaft zum Handgemachten. Seine Werke begleiten die Besitzer dann im Alltag, aber auch auf langen Reisen wie dem Jakobsweg.
Unsere Füße tragen uns durchs Leben, vom kleinen Ausflug bis zur großen Wanderreise. Grund genug, um sie dabei so gut es geht zu unterstützen. Das A und O dabei? Schuhwerk, das 100%ig passt.
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