INTER VIEW
„INNOVATION LIEGT IN UNSERER DNA!“ Vor 30 Jahren hat die Kreuzfahrtreederei Silversea Kurs auf maximalen Luxus gesetzt. Heute gehören dazu auch vor allem emen wie Nachhaltigkeit und Kulinarik. Andreas Nüssel, Managing Director Europa, im Interview über die Zukun der Kreuzfahrt. Und mehr.
Als gelernter Reiseverkehrskaufmann kennt Andreas Nüssel, 47, alle Facetten der Reisewelt. Heute verantwortet er als Managing Director das Europageschäft von Silversea und verfolgt einen visionären, nachhaltigen Kurs.
E s kommt eher selten vor, dass ein Unter- nehmen noch drei Jahrzehnte nach sei- ner Gründung den gleichen roten Fa- den zu einem Geschä smodell spinnt, mit dem es angefangen hat zu arbeiten. Silversea ist eine solche Ausnahme: Im Jahr 1994 vom italienischen Reeder Antonio Lefebvre als Luxus-Kreuzfahrtunternehmen gegründet, verfolgt es bis heute das Ziel, Men- schen im obersten Luxussegment glücklich zu machen. Andreas Nüssel ist als Managing Director für Europa zuständig – und spricht über Nachhaltigkeit, Schwierigkeiten und die Macht einer authentischen Vision. SEIT 30 JAHREN DEM LUXUS VERPFLICHTET, SO KÖNNTE MAN ALSO DIE VISION VON SILVERSEA ZU- SAMMENFASSEN. ABER HAT SICH DAS VERSTÄNDNIS VON LUXUS NICHT GERADE IN EBEN DIESER ZEIT MASSIV VERÄNDERT? Ja, total. Früher gab es klare Stereotypen für Luxus auf einer Kreuzfahrt, die alle Gäste auch als Luxus verstanden haben. Das ist heu- te nicht mehr ganz so einfach. Heute ist Luxus etwas sehr Individuelles. Selbst wenn man nun sagt, Zeit, das ist der größte Luxus heute, wissen wir inzwischen auch, dass zu viel Zeit recht schnell in Langeweile endet. Luxus ist außerdem eine ethische Sache geworden, zu- mindest für einen Teil der Weltbevölkerung. Und da sind wir schon am nächsten Punkt: Wir sind keine Luxus-Reederei aus Amerika mit vorwiegend amerikanischen Gästen, wir sind als italienisches Unternehmen weltweiter Marktführer – was bedeutet: Bei uns ist die Welt zu Gast!
IST DAS NUN EIN VORTEIL ODER EIN NACHTEIL? Wir haben einen Anteil von knapp 60% Ame- rikanern und 40 % Rest der Welt. Das sehen wir als großen Vorteil. Denn so sind wir von geopolitischen Aspekten viel unabhängiger. Auf der anderen Seite aber bedeutet das auch besondere Herausforderungen: Wir müssen versuchen, mit jedem Gast an Bord zu reden, wir müssen ganz schlaue Fragen stellen, um auch wirklich jeden Gast zu verstehen, um sei- ne individuellen Bedürfnisse erfüllen zu kön- nen. Das bedeutet: Wir müssen alle Formen des Luxus abdecken können. Deswegen haben wir etwa einen Butler-Service für jede Suite. IST DAS NICHT ETWAS, DAS MANCHE MENSCHEN EHER VOR DEN KOPF STÖSST? Stimmt, in unseren Breitengraden heißt es schnell: Butler-Service, oh mein Gott! Das resultiert aber nur daher, dass wir es nicht ge- wohnt sind. Ich hab’ das mit meiner Frau er- lebt. Sie hat zuerst auch ablehnend reagiert. Nach der Reise hat sie gesagt: „Schatzi, du bleibst hier, ich nehm’ den Butler mit“ (lacht). Der Grund dafür ist ganz einfach: Butler sind bestens geschulte Menschen, die sehr smarte Fragen stellen. Sie wissen bald, was der Gast will und sucht, können dessen Wünsche also tatsächlich lesen und erfüllen. Wie gut das an- kommt, sehen wir an den Zahlen. WAS SAGEN DENN DIE ZAHLEN? Wir haben seit dem Ende der Pandemie ein Wachstum von 60 %. Das liegt daran, dass der Wachstumskurs schon vor und dann während der Pandemie geebnet wurde. Das gelang vor
Das asymmetrische Design und der nachhaltige Betrieb von Silver Nova und Silver Ray machen diese hoch- modernen Hybridschiffe von Silversea nicht nur zu spektakulären, sondern auch zu visionären Kreuzfahrtschiffen.
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COLUMBUS MAGAZIN 43
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