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ZUG UM ZUG ZUM ERFOLG Schienenabenteuer der Extraklasse: Rovos Rail gehört zu den bedeutendsten und luxuriösesten Zugreise- anbietern der Welt. Gründer Rohan Vos über Höhen und Tiefen seines Herzensprojekts und warum es so wichtig ist, stets die Spur zu halten.
A lles begann mit dem Wunsch, alte Damp okomotiven zu retten. Aus der Automobilbranche kommend, beschloss Unternehmer Rohan Vos kurzerhand, aus seiner neuen Leiden- scha ein in Südafrika noch nie dagewesenes Reiseerlebnis zu scha en. Nicht einmal der Fakt, dass er keine Erfahrung in der Eisen- bahn- und Tourismusbranche hatte, hinderte den damals 40-Jährigen an seinem Vorhaben. Zum Glück, denn heute beschä igt Rovos Rail 415 Mitarbeiter, betreibt gleichzeitig sechs Züge und feierte dieses Jahr das 35-jährige Bestehen. Im Interview plaudert der sympathische Unter- nehmer über sein Leben auf Schiene und nan- zielle Entgleisungen. Bahn frei! HERR VOS, ROVOS RAIL IST HEUTE EIN SYMBOL FÜR LUXUS UND NOSTALGIE. WAS HAT SIE DAZU INSPI- RIERT, DIESES AUSSERGEWÖHNLICHE REISEERLEB- NIS ZU SCHAFFEN? Ursprünglich arbeitete ich in Witbank in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria und hatte dort eine ganze Reihe von Geschä en, vor allem im Bereich der Kfz- Ersatzteile. Man war dort gerade dabei, von Damp okomotiven auf Diesellokomotiven umzustellen, und einer meiner Mitarbeiter fragte mich, ob wir uns nicht für die Rettung einiger dieser einzigartigen Modelle einsetzen könnten. Da ich ebenfalls schon immer ein Herz für diese alten Loks hatte, fragte ich an, und so kam eins zum anderen. Ich kau e vier alte Waggons sowie eine alte Lokomotive aus dem Jahr 1893 und verbrachte knapp neun
Monate damit, sie zu renovieren und nach meinem Geschmack auszustatten. Ich dachte: Wäre es nicht toll, wenn ich mit meiner Familie damit durch Afrika reisen könnte? UND SO KAM ROVOS RAIL INS ROLLEN? Oh nein, bis dahin war es ein langer Weg. Die Bahn erlaubte mir zwar, meinen Zug in Betrieb zu nehmen, aber die Tarife dafür waren so hor- rend, dass es keinesfalls möglich war, sie nur für Privatzwecke zu benutzen. Nun, das war also das Ende des Hobbys und der plötzliche Beginn eines neuen Unternehmens. Ich kauf- te drei weitere schrottreife Waggons, baute sie um und nahm den Zug 1989 in Betrieb. Zu der Zeit hatte ich ein gutes Einkommen aus allen Geschä en, die ich führte. Ich dachte also, dass ich genug Geld für dieses neue Herzensprojekt habe. Aber natürlich hatte ich keine Ahnung von der Reisebranche und wie schwierig es werden würde. Damals gab es noch kein In- ternet, also inserierten wir bei verschiedenen Reiseunternehmen in der ganzen Welt. Es lief mäßig. Gleichzeitig bauten wir aber stetig wei- ter aus, hatten bald schon 14 Waggons. Nach fünf Jahren wurde das natürlich zu einem ernsten Problem: Ich hatte alle meine Unter- nehmen verkau , Freunde wurden Partner, und dennoch hatten wir bald kein Geld mehr. 1993 dachte ich: Wenn ich schon bankrottge- he, dann mit einem Paukenschlag. Ich wollte meinen Zug für seine vielleicht letzte Fahrt bis nach Dar Es Salaam an der Ostküste schicken. Einige Komplikationen zwangen mich dann auch noch dazu, die schlimmste nanzielle
ROHAN VOS Vom Hobby zu einem der lu- xuriösesten und erfolgreichsten Eisenbahngeschä e der Welt: Seit seiner Gründung im Jahr 1989 bietet Rovos Rail maßgeschnei- derte Zugsafaris durch das Herz Afrikas, kombiniert atemberau- bende Landscha en mit dem Reise- glamour vergangener Zeiten. Der ganze Stolz des Gründers Rohan Vos gilt allerdings einer Sache: Ro- vos Rail holt Besucher und somit Wertschöpfung nach Südafrika.
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