COLUMBUS Magazin 2022 Frühjahr

DESTINATION NAMIBIA

URALTE RITUALE Die Dürre kennzeichnet nicht nur den Lebensraum der Himba, sie ist auch der Grund für das beeindruckende Aussehen dieser Menschen. Durch eine ockerfarbene Paste aus Roteisenstein, Butterfett von Ziegenmilch sowie dem Harz des Omuzumba- Strauches schimmert ihre Haut rot. Die Paste, die vor Aus- trocknung und Insektenstichen schützen soll, spielt vor allem im Leben der Frauen, die sich nach alter Tradition nicht mit Wasser waschen dürfen, eine große Rolle. Bis zu zwei Stunden am Tag widmen sie sich der Körperpflege, besonderes Augen- merk gilt dabei dem Haar. An der Frisur eines Himba lässt sich nämlich der Status des jeweiligen Dorfbewohners ablesen. Die kurzen Zöpfe der Kinder werden je nach Geschlecht gefloch- ten. Unverheiratete Frauen tragen ihr Haar ebenfalls geflochten und binden es aus dem Gesicht. Die eindrucksvollen Fellhauben und mit roter Paste eingeriebenen Haare sind den verheirateten Frauen vorbehalten. Jede Familie hat ihren eigenen Flechtstil, der über Generationen weitergegeben wird. Aber auch die Männer und Kinder der Himba verwenden das rare und kostbare Wasser kaum zur Körperpflege. Diese ge- schieht stattdessen mit anderen bewährten Methoden der Na- tur. Abgerissene Äste werden im Mund zerkaut und dienen als Atemerfrischung sowie zur Zahnreinigung. Und was man an- dernorts als Deodorant bezeichnen würde, ist hier im trockenen Namibia eine Schale mit Glut, in der Zweige des Parfumstrauchs geräuchert werden. Der Rauch soll Insekten fernhalten, die Haut desinfizieren und die Kleidung reinigen. Tagsüber Wasser zu trinken, gleicht für die Wüstenbewohner einer Verschwen- dung, trotz harter körperlicher Arbeit. DAS LEBEN ALS HALBNOMADEN Die kleinen Dörfer der Himba, auch Kral genannt, fügen sich nahtlos in die Landschaft aus sanften Erhebungen ein. Runde

JEDE FAMILIE GIBT IHREN EIGENEN HAARFLECHT- STIL ÜBER GENERATIONEN WEITER. Hütten aus Lehm, Stroh und Ästen sind von einem Zaun um- geben, der Rinder und Ziegen schützen soll. Denn Vieh ist der wertvollste Besitz der Großfamilie, deshalb wird dessen Wohl- ergehen vieles untergeordnet. Himba sind sogenannte Halbno- maden: Sobald die Landschaft rund um den Stamm-Krammail abgegrast ist, zieht die gesamte Gemeinschaft mit dem Vieh in fruchtbarere Regionen. Dort lassen sich die Himba so lange in provisorischen Hütten nieder, bis es wiederum Zeit ist, weiter- zuziehen. Das Hüten der Tiere ist Aufgabe der Männer, die den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Frauen haben einen hohen Stellenwert im Dorf, kümmern sich ums Essen, die Kinder und sind für das Wasserholen verantwortlich – und das bedeutet oft lange Fußmärsche bis zur nächsten Wasserstelle, bei durch- schnittlich 35 Grad. Sobald die Sonne untergegangen ist, beginnt ein wichti- ges Ritual: das gemeinsame Essen. Meist besteht es aus einem Maismehlbrei, in Afrika „Milie Pap“ genannt. Blattgemüse und Kräuter werden je nach Verfügbarkeit gesammelt. Die Himba ernähren sich von dem, was die Natur ihnen gerade schenkt. Fleisch steht nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten auf

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