GLÜHENDE GEHEIMNISSE Nachts leuchtendes Meer, glitzernde Wellen und ein geheimnisvolles Schimmern im Dunkeln: Biolumineszenz wirkt wie reine Magie. An diesen besonderen Orten rund um den Globus erlebt man das Phänomen hautnah.
Das Geheimnis hinter dem magischen Leuchten
Klingt nach Hightech, ist aber Natur pur: Biolumineszenz ist das Leuchten lebender Organismen – und zwar nicht durch Strom, sondern Chemie. Möglich macht das ein Sto ! namens Luciferin, der in Kontakt mit dem Enzym Luciferase und in Anwesenheit von Sauersto ! eine chemische Reaktion auslöst. Ergebnis: Licht! Ganz ohne Hitze, aber mit großem E ! ekt. Klingt exotisch? Ist es auch. Zumindest meistens. Denn das wohl be- kannteste Beispiel # attert im Sommer durch
heimische Gärten: das Glühwürmchen. Die Prozesse hinter dem Leuchten helfen üb- rigens sogar der Medizin: Mit seiner Hilfe können Tumore entdeckt und sogar Krebs- medikamente entwickelt werden. Im Meer übernehmen winzige Planktonarten das Ausleuchten und verwandeln ganze Strände in glitzernde Märchenlandscha % en. Dabei leuchtet das Wasser, sobald es bewegt wird: beim Schwimmen, Paddeln oder wenn die Wellen an Land rollen.
„Biolumineszenz-Erlebnisse sind nicht vorhersehbar und damit ein umso größerer Glücksfall.“
E s sieht aus, als hätte hier jemand mit Photoshop nachgeholfen – und ist doch ganz real: Plötzlich funkelt das Wasser unter den Füßen, verändert mit jeder Welle sein Leuchten. Je- der Schwimmzug, jeder Schritt im seichten Wasser bringt kleine Lichtblitze hervor. Blau, manchmal grünlich oder türkis. Verant- wortlich dafür: winzige Meereslebewesen, meist Einzeller wie Dino # agellaten. Diese winzigen Organismen leuchten, wenn sie durch mechanische Reize – wie etwa Wel- len oder das Vorbeigleiten von Booten – ge- stört werden. Ihre geheimnisvolle Energie heißt Biolumineszenz, also: Leben, das Licht macht. Aber warum leuchten diese Einzel- ler eigentlich? Nun, die Gründe dafür sind vielfältig. Manche von ihnen wollen Feinde abschrecken, andere sich sichtbar machen, um Fressfeinde ihrer Fressfeinde anzulo- cken. Das Ganze funktioniert chemisch, ist für die Biologie ganz normal, aber für alle, die das erste Mal nachts ins leuchten- de Wasser springen, schlichtweg magisch. Wer dieses besondere Schauspiel mit eige- nen Augen sehen will, braucht vor allem eines: Dunkelheit. Und das richtige Timing.
EINE FLÜSSIGE GALAXIE Besonders eindrucksvoll wird Biolumines- zenz dort, wo es wenig Lichtverschmutzung gibt, etwa auf Holbox, einer kleinen Insel im Norden Mexikos. Zwischen Juni und Septem- ber tanzen hier die blauen Lichtpunkte im Wasser, wenn man nachts durch die # achen Wellen watet. Wer Glück hat, kombiniert das Erlebnis gleich mit einer Begegnung der an- deren Art: In denselben Monaten ziehen Wal- haie durch die umliegenden Gewässer. Ganz anders, aber ebenso faszinierend ist die Erfah- rung in & ailand, etwa bei Krabi oder rund um die Inseln Ko Pha-ngan und Ko Tao. Hier fährt man nachts mit dem Longtail-Boot hi- naus – idealerweise bei Neumond –, springt ins dunkle Wasser und sieht sich plötzlich umgeben von glitzernden Wirbeln. Das Meer reagiert auf jede Bewegung, als wäre man Teil einer # üssigen Galaxie. EIN MEER AUS STERNEN Auch auf den Malediven, besonders auf den Inseln Mudhdhoo, Vaadhoo und Rangali leuchtet das Wasser in klaren Nächten ent- lang der Strandlinie. Da hier die typische, scheinbar unendliche Weite hinzukommt,
GLÜHEN IN DER TIEFSEE Biolumineszenz ist aber nicht nur ein fas- zinierendes Phänomen im Meerwasser be- kannter Urlaubsdestinationen, sie kommt auch bei zahlreichen Lebewesen vor, vor allem in der Tiefsee. Dort, wo Sonnenlicht nicht mehr vordringt, erzeugen Fische, Quallen, Krebse und Tinten $ sche ihr eige- nes Licht, meist mithilfe chemischer Re- aktionen in speziellen Leuchtorganen. Be- sonders bekannt ist der Angler $ sch, der mit einer leuchtenden „Köderlampe“ Beute anlockt. Aber auch einige Landbewohner leuchten: Glühwürmchen etwa nutzen ihr Licht zur Partnersuche. Wissenscha % er ver- muten, dass Biolumineszenz in der Tierwelt weit häu $ ger vorkommt als lange angenom- men, besonders bei bisher wenig erforschten Tiefseebewohnern. Sie dient der Tarnung, Kommunikation oder der Jagd und ist damit ein erstaunliches Werkzeug der Evolution. Ob Mexiko, & ailand, Australien oder die Karibik – Biolumineszenz ist überall ein Na- turwunder, das sich nicht vorhersagen lässt. Man kann es nicht kaufen, nicht planen, nicht festhalten. Aber wer es erlebt, wird es nie wieder vergessen.
wirkt das Schauspiel besonders surreal. Am anderen Ende der Welt, in Australien, kann man in der Jervis Bay sogar ganz ohne Boot auf leuchtende Wellen tre ! en. Bei einem nächtlichen Spaziergang entlang des Stran- des sieht man, wie sich die Brandung im Dunkeln entzündet – ein faszinierendes Schauspiel, das in warmen Monaten und bei ruhigem Wasser besonders gut zur Geltung kommt. Wie bei allen leuchtenden Destina- tionen ist aber auch hier nichts garantiert und das Biolumineszenz-Erlebnis ein umso größerer Glücksfall. SICHERES LEUCHTEN Wer dagegen auf Nummer sicher gehen will, für den führt kein Weg an Puerto Rico vor- bei. In der Mosquito Bay auf der Insel Vieques leuchtet das Plankton laut Augenzeugenbe- richten so stark wie nirgendwo sonst auf der Welt. Auch das Guinness-Buch der Rekorde hat es o " ziell bestätigt. Hier ist das Leuch- ten nicht nur ein zarter Schimmer, sondern eine Art # üssiges Feuerwerk. Besonders ein- drucksvoll ist eine nächtliche Kajaktour: Mit jedem Paddelschlag breitet sich ein funkeln- der Lichtkranz aus.
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COLUMBUS MAGAZIN 35
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