NEUSEELAND PUNAKAIKI
Geformt von Wasser, Wind und Zeit: Die Pancake Rocks im Paparoa-Nationalpark in Neuseeland sehen aus wie gestapelte Palatschinken – aber hinter dieser optischen Täuschung steckt eine Geschichte, die Millionen Jahre alt ist. WO GÖTTER FRÜHSTÜCKEN
LUST AUF NEUSEELAND BEKOMMEN?
Geformt wurden die Pancake Rocks durch sogenannte Schichtverwitterung – vor 30 Millionen Jahren.
Zwischen den Felsen befinden sich die sogenannten Blowholes. Bei Flut spritzt durch sie das Wasser nach oben, belgeitet von einem lauten Zischen und Grollen.
REISE AUF VIER RÄDERN Neuseelands Südinsel be- geistert mit Landscha ! en, die jeden Stopp zum Erlebnis ma- chen. Geformt von Meer und Zeit, türmen sich die Felsen in Punakaiki wie gestapelte Palatschinken – ein perfektes Beispiel für die unvorstellbare Kra ! der Elemente. Mit dem Mietwagen lassen sich die Felsformationen ohne großen Aufwand erreichen und zeigen sich aus nächster Nähe dafür umso spektakulärer.
schließlich über den Meeresspiegel, wo Re- gen, Wind, Wellen und salzhaltige Lu ! be- gannen, den Fels zu zerfressen. Und das mit einer derartigen Geduld und Präzision, dass diese Schichtwunder entstanden sind, wie gestapelte Crêpes aus Stein. Die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, hatten für dieses geologische Geduldsspiel selbstverständ- lich eine eigene Erklärung. Für sie sind die Pancake Rocks ein heiliger Ort, ein Ort der Taniwha – furchtein " ößende Wassergeister, die unter den Felsen wohnen und das Meer beherrschen. Wenn dieses Gestein plötzlich anfängt zu zischen und donnern, so sagt man, dann schnaubt der Taniwha. BRÜLLENDE SCHLUNDE Am Schnauben sind die sogenannten Blow- holes schuld: Felsspalten, die dort entstehen, wo das Meer in unterirdische Hohlräume eindringt und dann, bei genug Druck, ex- plosionsartig wieder austritt. Ähnlich wie ein Geysir, nur horizontal. Wer das Schauspiel live erleben will, sollte zur Flutzeit kommen. Dann peitscht das Wasser mit voller Wucht durch die schmalen Ö # nungen, schießt in
Fontänen in die Lu ! und erzeugt einen Sound, der tatsächlich an das Wüten alter Meeresgöt- ter erinnert. Die Hauptblowholes tragen Na- men wie „Devil’s Cauldron“ oder „Chimney Pot“; je nach Wind, Wetter und Gezeiten ist das Schauspiel mal san ! zischend, mal ohren- betäubend laut. AUF ABENTEUERLICHEN PFADEN Der Paparoa-Nationalpark zeichnet sich nicht nur durch bizarre Felsformationen aus, son- dern auch durch üppige Vegetation, Höh- lensysteme und eine beeindruckende Arten- vielfalt. Farnwälder, Palmen, Moose, seltene Vögel wie der Kea oder der Tui – hier zeigt Neuseeland seine wilde Seite. Der Weg zu den Pancake Rocks ist übrigens bequem und auch für spontane Stopps geeignet: Vom klei- nen Ort Punakaiki führt ein gut ausgebauter Rundweg in etwa 20 Minuten zu mehreren Aussichtspunkten. Wer etwas mehr Zeit mit- bringt, kann eine Küstenwanderung entlang des Pororari River Walks oder Inland Pack Tracks machen. Und wer weiß, vielleicht hört man ja wirklich ein tiefes Schnauben der Meeresgötter unter den Füßen.
HIGHLIGHT: KIWIS-SCHAUEN
Wer in Neuseeland ist, darf auf keinen Fall einen Besuch bei den Nationaltieren ver- passen! Mit der inkludierten National Kiwi Hatchery Tour helfen Sie so nebenbei auch noch bei der Finanzierung des „Save the Kiwi“-Programms.
Die „Palatschinkenfelsen“ sind nicht nur sehenswert, sie schaffen durch ihre Form auch eine faszinierende Geräuschkulisse.
S ind das gestapelte Palatschinken? Oder doch steinerne Gesichter, die auf das Meer hinausblicken? Vielleicht sogar versteinerte Götter, die hier Wache ste- hen? Oder haben sich da Naturgeister künstlerisch ausgetobt? Wer das erste Mal vor den Pancake Rocks bei Punakaiki steht, kann kaum glauben, was die Augen da sehen: ein wildes, nahezu absurd geordnetes Felswunder direkt an der Westküste der neuseeländischen Südinsel. Die Szenerie ist so skurril, dass sie schon wieder vollkommen logisch wirkt. Die Schichtungen sind so fein übereinandergelegt, als hätte jemand mit Lineal und Spachtel gear- beitet. Die Gischt der Tasmansee knallt gegen
die Felsen, bläst meterhoch durch enge Spal- ten, während Möwen kreischen und der Wind über die Klippen streicht. DES RÄTSELS (GEOLOGISCHE) LÖSUNG Natürlich ist alles echt und das Ergebnis von etwa 30 Millionen Jahren Erdgeschichte. Damals lag der heutige Paparoa-National- park noch unter dem Meer. Auf dem Mee- resgrund sammelten sich über Jahrtausende hinweg Schichten aus Kalk, Muscheln, Sand, Ton und anderen organischen Ablagerun- gen. Druck und Zeit verwandelten das Ge- misch in Kalkstein – hart, aber porös. Die Verschiebung der Erdplatten hob das Ganze
Der nahegelegene Truman Track führt in weni- gen Minuten zu einem wilden Küstenabschnitt mit Wasserfällen und Fotomotiven en masse.
UNSER EXPERTE
Christoph Toth
christoph.toth@columbus.at 01/534 11 120
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COLUMBUS MAGAZIN 37
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