COLUMBUS Magazin 2021 Herbst

INTER VIEW

„WIR WOLLEN MEHR UND NEUE INHALTE, JA. ABER DAS HAT NICHTS MIT DER PANDEMIE ZU TUN.“

WIR WOLLEN ALSO MÖGLICHST NACHHALTIGE ERFAHRUNGEN SAMMELN. GLEICHZEITIG WOL- LEN WIR ABER AUCH NACHHALTIG AGIEREN, IM SINNE VON„AUF UNSEREN PLANETEN ACHTEN“. WURDE DIESE ENTWICKLUNG NUN WIRK- LICH BESCHLEUNIGT ODER REDEN WIR BLOSS DARÜBER? Dieser Prozess ist schon vor der Pandemie in Gang gesetzt worden. Aber hier sollte man das Augenmerk nicht bloß auf die Leute le- gen, die Reisen buchen, sondern auch auf jene, die Reisen anbieten. Denn es ist nun mal so, dass sich aufgrund des Klimawandels manche Destinationen so verändern, dass sie womöglich gar keine Reiseziele mehr sind. Wenn wir an die Hitzewellen im Norden Kanadas oder in Skandinavien oder in Kali- fornien denken, sind das schon erste Anzei- chen. Ich glaube, es geht in Zukunft darum, wie wir auf veränderte Situationen reagieren. Wir werden Reiseziele im Kontext des Klima- wandels sehen müssen. Dadurch werden aber nicht nur schwierige Situationen entstehen, es werden sich auch neue Optionen bieten. UM DEM VORZUBAUEN, WERDEN UNTER DEM ASPEKT DER DIGITALISIERUNG GERADE MO- DELLE ERARBEITET, DIE REISESTRÖME KANALI- SIEREN SOLLEN, UM MANCHE DESTINATIONEN ZU ENTLASTEN UND GLEICHZEITIG REISENDEN NEUE GEGENDEN SCHMACKHAFT ZU MACHEN. MACHT DAS SINN? Absolut! Da entstehen ganz smarte Mög- lichkeiten, um Tourismusströme zu lenken und von Orten wegzulenken, die von Over- tourism geprägt sind. Venedig zum Beispiel arbeitet daran, anhand der Anzahl von Men- schen, die im Mobilfunknetz eingeloggt sind, in Echtzeit Ströme zu erfassen und so für die Zukunft diese voraussagen zu können. Das hat ja auch den Aspekt, dass die Leute, die in solchen Gegenden leben, durch die Pandemie gemerkt haben, dass sie aufgrund der aus- bleibenden Touristen Lebensqualität zurück- gewonnen haben. Gleichzeitig ermöglicht es uns, neue Formen des Qualitätstourismus anbieten zu können. Digitale Möglichkeiten bieten aus meiner Sicht Orten die Chance, rechtzeitig zu reagieren, und umgekehrt dem Reisenden die Möglichkeit, vorzeitig zu er-

der Reise anhält. Man wünscht sich, dass die Reise einen verändernden Effekt auf das Le- ben, auf den Alltag hat. ALSO DAS HEISST, WIR REISEN IN ZUKUNFT MIT DER ERWARTUNG, DASS WIR SUBSTANZIELLES VORFINDEN WERDEN, DURCH DIE WELT? Wir wollen mehr und neue Inhalte, ja. Aber das hat jetzt nicht nur mit der Pandemie zu tun. Wir verändern uns ja ständig. 2019 sind wir ganz anders verreist, als es noch 2004 der Fall war oder 1990. Diese Branche befindet sich natürlich in einem ständigen Verände- rungsprozess. Aber jetzt sind wir in der Si- tuation, in der wir alle spüren, wie stark sich mache Dinge verändern. Deshalb gibt es viele Anknüpfungspunkte, viele Dinge zu hinter- fragen.

■ Die Digitalisierung eröffnet auch dem Tourismus neue Möglichkeiten, sagt Anja Kirig.

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