LESE TIPPS
VOR AUS (GE) LESEN
Nach Sansibar: Emily Ruete geb. Prinzessin Salme von Oman und Sansibar | „Leben im Sultanspalast“
In die Provence: Andreas Heineke | „Tod à la Provence“
Beides alt, aber gut: Micheners legendäre romanhafte Biographie eines Landes von der Urzeit bis in die Gegenwart kann man trotz zeitweiser Längen kaum aus der Hand legen, weil man wissen will, wie die Schicksale sich entwickeln. Die ideale Begleitung dafür ist die 90er-Jahre-TV-Serie „Ausgerechnet Alaska“. Noch drei Jahrzehnte später füllt sie ein verregnetes Wochenende auf der Couch mit herrlich skurrilen Typen und schrägem Hu- mor. Auch hier gilt: Man kann nicht aufhören, weil man so intensiv Anteil nimmt am Leben der eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Nach Alaska: James A. Michener | „Alaska“ TV-Serie „Ausgerechnet Alaska“ War Freddie Mercury der wohl schillerndste Sohn der Insel, so ist Prinzessin Sayyida Salme die wohl unkonventionellste Tochter, deren einzig- artige Lebensgeschichte nicht nur romantischen Herzen nahegeht. Geboren als Tochter des Sultans von Oman und Sansibar und einer Sklavin, verleb- te sie eine unbeschwerte Kindheit im Beit il Mtoni Palast in Stonetown. Als sie sich jedoch in den Hamburger Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete verliebte, kam dies einer Mesalliance gleich, denn eine Heirat mit einem Christen war undenkbar. Als sie auch noch schwanger wurde, brannte sie schließlich mit ihm in seine deutsche Heimat durch, wo sie heirateten. In ihren bewegenden Memoiren erzählt sie vom exotischen Alltag in Sultanspalast und Harem, schildert die Intrigen im Palast, ihre heimliche Affäre, die Flucht und ihr neues Leben in einer für sie so fremden Kultur.
Pascal Chevrier hat das Großstadtleben in Paris satt und nimmt die Stelle eines Dorfgendarms im Luberon in der Provence an. Doch statt Rosé und Baguette auf alten Steinmauern im Sonnenuntergang steht der Mord an einem amerikanischen Immobilien- mogul auf dem Speiseplan. Die Spur führt tief in die Trüffelhändler-Szene, die vor nichts haltzumachen scheint, um zu verhindern, dass eine Hotelanlage samt Golfplatz errichtet wird – und zwar genau dort, wo der geheimnisvolle Wald mit den vielen Trüffeln ist, von deren Wert der ganze kleine Ort profitiert.
Weil jede Reise auch das perfekte Buch braucht.
Nach Mexiko: Sofia Segovia | „Das Flüstern der Bienen“
Nach Kuba: Antonio José Ponte | „Der Ruinen- wächter von Havanna“
In einer kleinen mexikanischen Stadt erzählt man sich noch immer von dem Tag, an dem die alte Nana Reja ein Baby unter einer Brücke gefunden hat. Von einem Bienenschwarm umhüllt, erweckt der kleine Simonopio zunächst Misstrauen bei den abergläubischen Dorfbewohnern. Doch die Gutsbesitzer nehmen den wilden stummen Jungen bei sich auf und lieben ihn wie ihr eigenes Kind. Während die Spanische Grippe die Region trifft und um sie herum die mexikanische Revolution wütet, lernen sie Simonopios Gabe zu vertrauen und können die Familie so vor dem größten Unheil be- wahren. Die Geschichte eines einzigartigen Jungen, der das Schicksal eines Dorfes für immer verändert.
Havanna ist Pontes Heldin. Hier wohnt der Protagonist dieses Buchs, obwohl es in Havanna nicht gut läuft für ihn: Die Behörden halten ihn für einen Agenten, für die Kollegen im europäischen Exil ist er ein Idiot, weil er von seinen Reisen in den Westen immer wieder heimkehrt. Er aber bleibt – als Ruinenwächter und Chronist des äußeren und inneren Zerfalls. Buena Vista Social Club, Sart- re, die Beatles, Graham Greene, Europa, Berlin und immer wieder Havanna: Wer wissen will, wie das zusammengeht, sollte dieses Buch lesen – sicher das Ungewöhnlichste, was die kubanische Literatur in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Colum
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