COLUMBUS Magazin 2024 Frühjahr

Die gigantische „Chongqing Great Hall Of The People“ ist als Versammlungsort für Politik, Kultur und die Menschen selbst gedacht. Bis zu 4.200 Menschen finden darin Platz.

ASIEN CHINA

LUST AUF CHINA BEKOMMEN? 11 TAGE IM LAND DES LANGEN FLUSSES

Links: Viele Menschen bedeutet auch viel Verkehr. Taxis gibt es in der Megametropole offensichtlich genug. Rechts: Plätze wie der riesige Buchladen Zhongshuge sind Inseln der Stille inmitten der pulsierenden Millionenstadt.

Diese wunderbare China-Rei- se kombiniert die Metropolen Beijing und Shanghai mit dem Kulturziel Xi'an und einer Flussfahrt auf dem Yangtzi. Der „Lange Fluss“, wie er in China genannt wird, ist Bindeglied sowohl zwi- schen Nord und Süd, Stadt und Land als auch Geschichte und Gegenwart. Ab 24. Mai 2024 und zu weiteren sieben Termi- nen buchbar ab € 3.190 pro Person

„Chongqing im Südwesten Chinas ist die größte Stadt der Welt, die niemand kennt.“

B unte Lichtermeere, wohin man blickt. Züge, die aus dem 18. Stockwerk von Gebäuden herausschießen und da- durch zum beliebten Schnappschuss- motiv werden. In Töpfen brodelnde Gerichte, deren Duft sich mit dem weiterer Köstlichkeiten entlang der Essmeilen der In- nenstadt vermischen. Chongqing ist etwas für alle Sinne, fast schon eine Sinnesüberflutung. Die Stadt im Südwesten Chinas ist flächen- mäßig so groß wie Österreich und Heimat von über 32 Millionen Menschen. Eine genaue Zahl anzugeben, wäre an dieser Stelle nicht möglich, denn schon während Sie diese Zeilen hier lesen, wächst die Megametropole rasant: Rund 500.000 Menschen kommen jährlich hinzu. Warum eigentlich, fragt man sich an- gesichts solcher Zahlen. Nun, weil Chongqing

denen es allerdings weit weniger rasant zu- geht. Rund 212 Stunden stehen die Einwohner Chongqings hier jährlich im Stau, also doppelt so lang wie beispielsweise in Berlin. Ein klei- ner Preis, den man zahlt, um in einer Stadt der Superlative zu wohnen. DIE GESTAPELTE STADT Angesichts ihrer Größe ist die Megastadt über- raschend nahe an der Natur. Umgeben von den Flüssen Jangtse und Jialing, überrascht sie Besucher an ungewöhnlichen Ecken. In Einkaufspassagen, die mitten in eine Felshöh- le gebaut wurden, oder Parks, die hoch oben über dem Lichtermeer thronen. Ein beschauli- ches Picknick im Grünen wird hier schon mal durch einen Zug unterbrochen, der hoch über den Köpfen vorbeirauscht. Wer ein unvergess- liches Naturschauspiel erleben will, reist etwa 420 Kilometer von der Innenstadt Chongqings den Jangtse-Fluss entlang zu den spektakulä- ren Drei Schluchten. Der Name dieser Attrak- tion bezieht sich auf die drei getrennten Täler des Daning, des Nebenflusses des Jangtse, und ihre steilen Klippen, deren Felswände bis zu 1.200 Meter weit aufragen. Sogar das von Einwohnern scherz- haft sogenannte stadteigene Fitnesscenter ist Outdoor: Treppen. Fast wie in einem Video- spiel ziehen die sich nämlich durch die ganze Stadt und verbinden die vielen Ebenen mitein- ander. Denn aus Platzgründen wird in Chong- qing schon lange einfach in die Höhe gebaut. Einen ihrer Spitznamen versteht man daher erst, wenn man sich direkt in ihrem labyrinth-

artigen Herzen befindet: die gestapelte Stadt. Mit Apps wie Google Maps kommt man hier dadurch nicht weit, denn die zeigen lediglich an, an welchem Ort man sich befindet – und nicht, ob man auch auf der richtigen Ebene ist. HOTPOT ALS HOTSPOT Dennoch – oder gerade deshalb – ist die chi- nesische Stadt längst ein Touristenmagnet, wenn auch nicht so berühmt wie vergleichbare Großstädte wie Tokio. Zu sehen gibt es jeden- falls mehr als genug. Die bezaubernde Altstadt Ciqikou, die während der Ming- und Qing- Dynastie erbaut wurde, beispielsweise. Oder der monumentale Arhat-Tempel, dessen Ge- schichte 1.000 Jahre zurückreicht. Von riesi- gen Hochhäusern umzingelt, wirkt dieser Ort heute wie eine kuriose Zeitreise. Eine Sehens- würdigkeit kann man schon von Weitem rie- chen, bis man sie hört und dann endlich auch schmeckt: die brodelnden Hotpots. Der be- rühmte Feuertopf, korrekterweise „Chongqing Hot Pot“ genannt, soll hier seinen Ursprung haben. Die lokale Delikatesse bekommt mit viel Sichuanpfeffer und Gewürzen ihre be- sondere Schärfe. Einheimische prahlen gerne damit, wie scharf sie essen können, und sind begeistert, wenn sich ein Tourist ebenfalls an ihren berühmten, scharfen Hotpot herantraut. Immer noch nicht weltbekannt, aber dennoch ganz weit weg vom Geheimtipp – Chongqing ist einzigartig, so viel steht fest. Und sofern man sich in der Millionenmetro- pole nicht verirrt, ist ein unvergesslicher Ur- laub gewiss.

eine Stadt ist, die einfach alles hat: alte Kultur- schätze, modernste Architektur, ein unglaub- lich breites Kulinarikangebot und ausreichend viele Arbeitsplätze. Sie beherbergt außerdem einige der spektakulärsten Bauwerke der Welt: In schwindelerregenden 250 Metern Höhe legt sich die Skybridge namens „Crystal“ quer über vier Hochhausdächer. Die 300 Meter lange Himmelsbrücke wurde im Mai 2020 eröffnet und bietet einen Aussichtspunkt, der seines- gleichen sucht. Große Bäume wurden eigens in die Höhe transportiert und schmücken nun den gigantischen Blick auf Chongqing noch zusätzlich aus. Die Stadt vereint alt und neu eben perfekt – und sie ist dabei ständig in Bewegung. Trotz der jahrtausendealten Ge- schichte sind die meisten Gebäude kaum älter als 40 Jahre. Das gilt auch für die Straßen, auf

SINNOMETER SEHEN

HÖREN

RIECHEN

SCHMECKEN

FÜHLEN

Links: Neben den vielen kulinarischen Versuchungen Chongqings soll das beliebte Nationalgericht Hotpot hier erfunden worden sein. Rechts: Der Komplex Hongyadong mit seinen unzähligen Terrassen voller Restaurants.

UNSERE EXPERTIN

Eva-Maria Grüner

eva-maria.gruener@columbus.at 0512/3306 615

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