LECKER BISSEN
Es gibt kulinarische und handwerkliche Schätze, die nur in gewissen Regionen hergestellt werden dürfen. Aber warum sind Pager Salz, Murano Glas und Co. so besonders? SCHÄTZE, ZU DENEN WIR REISEN WOLLEN
MURANO GLAS: HANDGEFERTIGTE KUNSTWERKE Die Inselgruppe Murano gehört zu Venedig und ist seit Ende des 13. Jahrhunderts der Hotspot für Glasherstellung. Da- mals durften die Glasmacher die Insel nicht einmal verlas- sen, um das Geheimnis ihrer einzigartigen Glastechniken unbedingt geheim zu halten. Heute ist das zum Glück an- ders – jeder darf kommen und gehen, wann er will. Doch die mysteriösen Techniken der Glaskünstler sind immer noch streng geheim. Alles, was man weiß, ist, dass das Wis- sen nur innerhalb der Familie weitergeben wird und dass es bis zu 35 Jahre dauert, bis jemand den Titel „Maestro“, also Glasmeister, tragen darf.
D er Champagner, der Roquefort, ja selbst das Murano Glas – das al- les sind Schätze, die ihren Namen nur tragen dürfen, wenn sie auch in einer sogenannten Herkunftsre- gion hergestellt werden. Ihre besondere Art der Herstellung ist ein oft über Generationen überliefertes Geheimnis, und deshalb ist ihre
Herkunft mittlerweile durch eigene rechtliche Bestimmungen geschützt. All diese Schätze und ihre Authentizität erlebt man freilich nur dann, wenn man nicht die Produkte zu sich kommen lässt, sondern selbst eine Reise in deren natürlichen Lebensraum unternimmt. Deshalb servieren wir hier einen kleinen ku- linarischen und optischen Vorgeschmack.
ROQUEFORT: FEINES AUS FRANKREICH Der Legende nach soll der Roquefort vor tausenden Jahren von einem jungen Schä- fer entdeckt worden sein, dessen Käse ver- schimmelte, weil er einem Mädchen nach- gelaufen war. Heute darf der Roquefort nur in der Umgebung des französischen Dorfes Roquefort-sur-Soulzon hergestellt werden. Der Käse aus Schafsmilch wird mithilfe eines Schimmelpilzes in den Höhlen von Combalou gereift und bekommt daher seine leichte bläu- liche Färbung. Schimmel vom Feinsten!
PAGER SALZ: WEISSES GOLD AUS KROATIEN Die Salinen von Pag gehören zu den ältesten an der östlichen Adriaküste. Konkret heißt das, dass die Salzherstellung auf der Insel bis in das 9. Jahrhundert zurückgeht. Bis heute hat sich in der Herstellung jedoch nicht viel geändert. Die sonnigen Stunden, das windige Mikroklima und die felsige Landschaft Kroatiens spielen naturgemäß immer noch eine wichtige Rolle. Wegen des hohen Salzgehaltes reicht beim Kochen schon eine kleine Menge des Pager Salzes. Es ist somit wohl „Weißes Gold“ der Sonderklasse.
KALAMATA-OLIVEN: DIE KÖNIGIN AUS GRIECHENLAND Mit seinem mediterranen Klima ist Griechen- land die ideale Heimat für Olivenbäume. Bereits in der Antike spielten sie – und vor allem ihre Früchte – eine wichtige Rolle bei den Opfergaben an die Götter. Mittlerwei- le gibt es über 60 verschiedene Sorten in Griechenland. Eine ist die Kalamata-Oli- ve, die nur auf der südgriechischen Halb- insel Peloponnes reift. Geerntet wird sie im Oktober – und zwar von Hand. Dafür breitet man Maschennetze unter den Bäu- men aus und rüttelt so lange an den Ästen, bis die reifen Oliven eingesammelt werden können. Anders als grüne Oliven haben die dunkle Kalamata eine bissfeste Schale und eine fleischige Konsistenz. Aufgrund der Vitamine und Antioxidantien die in ihnen schlummern, trägt sie den Spitznamen „Königin der Oliven“.
CHAMPAGNER: EDLES AUS DER CHAMPAGNE Eines der strengsten Regelwerke in Sachen Her- kunft hat der Champagner. Der Grund dafür liegt vor allem im Kreide-Kalksteinboden, der den Trauben ihre unverwechselbaren Aromen verleiht. Dabei sind die Winzer an strikte Re- geln gebunden: Nur ausgewählte Rebsorten wie Chardonnay, Pinot noir oder Pinot Meunier fin- den Verwendung, und jede Traube wird von Hand gepflückt. Die charakteristische Flaschengärung ist Garant für die feinste Perlage. Und die Produktions- mengen werden penibel kontrolliert. Na dann, Prost!
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COLUMBUS MAGAZIN 39
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