COLUMBUS Magazin 2024 Frühjahr

MIT ALLEN SINNEN REISEN

Corona, Ukrainekrieg, Klimawandel, Teuerung: Zahlreiche Krisen haben unser Leben verändert. Und auch das Reiseverhalten stark beein fl usst. Der Trend geht weg von möglichst viel Programm im Urlaub hin zum ganz bewussten Reisen. Zum Reisen mit allen fünf Sinnen. MEHR STATT MEER: DAS NEUE BEWUSSTE REISEN

ANDREAS REITER Der Zukunftsforscher und Tourismusexperte gründete Ende 1996 das ZTB Zukunftsbüro in Wien, das Unternehmen, Kommunen, Destinationen und den öffentlichen Sektor in strategischen Zukunftsfragen, vorausschauender Transfor- mation sowie systemischer Relevanz berät. Andreas Reiter ist Lehrbeauftragter an der Donauuniversi- tät Krems und am MCI in Innsbruck sowie Keynote Speaker und Referent auf internationalen Kongressen und Tagungen. www.ztb-zukunft.com

Den typischen Strandurlaub gibt es laut Experten Andreas Reiter zwar weiter, Erlebnistrends werden jedoch wichtiger.

„Wir reisen wieder länger, weil wir intensiver und selektiver reisen.“

Urlaubslust: Bereits 2023 hatten die globalen Fluggastzahlen wieder das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht.

W ir leben in schnellen, in hekti- schen Zeiten. Geschwindigkeit bestimmt unseren Alltag, wir wollen, nein: Wir müssen so viel wie möglich so schnell wie mög- lich erledigen, egal, ob im Job oder im Privat- leben. Oder im Urlaub. Zumindest herrschte nach den Jahren, in denen die Pandemie die Welt dazu gezwungen hatte, ein paar Gänge zurückzuschalten, eine große Sehnsucht nach Reisen, nach fremden Ländern, nach ande- ren Städten, nach dem Meer. Die Menschheit wollte die coronabedingten Lockdowns und

Reisebeschränkungen schnell vergessen, man wollte einfach wieder raus. Insbesondere die Flugreisetätigkeit machte das deutlich: So ver- meldete die Internationale Zivilluftfahrtorga- nisation ICAO bereits zu Beginn des Vorjahrs eine „vollständige und nachhaltige Erholung“ der Fluggastzahlen. Nach Urlaub sehnen sich die Men- schen heute ebenfalls, man will auch in wirt- schaftlich herausfordernden Zeiten weiterhin „raus“, wie Tourismus- und Zukunftsforscher Andreas Reiter, Gründer des ZTB Zukunfts- büros in Wien, erklärt. „Allerding hat sich ver-

ändert, was dieses Draußen für mich ist“, so der Experte. Den typischen Sun- und Beach- Urlaub gebe es laut dem Experten zwar natür- lich weiterhin, doch mit „Frühstückstrips nach Barcelona um 50 Euro“ sei es definitiv vorbei. Vielmehr gelte: „Je individualisierter Reisen sind, desto wichtiger werden ganz spezielle Er- lebnistrends“, erläutert Reiter. IN BALANCE MIT SICH UND DER UMWELT Man sucht also heute im Urlaub immer öfter nicht einfach nur das Meer, sondern das Mehr. Qualität geht vor Quantität, das Erlebnis hat

an Bedeutung gewonnen, nicht der Luxus. Es wird in unvergessliche Momente investiert, nicht so sehr in das materielle Drumherum. Denn das Reisen mit Sinn und mit allen Sin- nen steht im Mittelpunkt. Man will den Urlaub sehen, hören, schmecken, riechen, man will ihn fühlen. Kulinarik, Musik, Natur und Men- schen werden bewusst aufgenommen – nicht am Smartphone, sondern eben mit allen Sin- nen. Man sucht Orte abseits der touristischen Zentren, geht auf Konzerte und in Lokale, in denen Einheimische verkehren. Und man will etwas Bleibendes nach Hause mitnehmen.

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