EUROPA SAN MARINO
ALS DER ZWERG EIN RIESE WURDE
Grenzenloser Jubel: Mit einem Sieg gegen Liechtenstein schaffte „Fußballzwerg“ San Marino den erstmaligen Aufstieg in eine höhere Spielklasse. In der Qualifikation für die WM 2026 trifft man übrigens auf Österreich.
Vom sensationellen Fußballnationalteam über das UNESCO-Weltkulturerbe: Auf den 61 Quadratkilometern des Zwergstaats San Marino gibt es einiges zu bestaunen.
LUST AUF SAN MARINO BEKOMMEN? STILVOLL ÜBERNACHTEN Das familiär geführte Hotel La Grotta hat eine besondere Geschichte: Einst gehörte es einem Rabbiner, der im ehemaligen jüdischen Viertel der Stadt lebte. Die heutigen Besitzer haben das Steinhaus liebevoll renoviert und in ein stilvoll eingerichtetes Hotel verwandelt. Vom Zimmer unter dem Dach hat man einen herrlichen Blick auf die Glockentürme. RESTAURANT-TIPP Gerichte mit Tradition und mit regionalen sowie saisona- len Zutaten gibt es im zauber- ha ! en Ristorante La Terraz- za. Der Platz für Romantiker: auf der herrlichen Terrasse mit Blick auf die Piazza della Libertà und die wunderschöne Landscha ! .
San Marino gilt als älteste Republik der Welt; seine Verfassung stammt aus 1600.
D er 18. November 2024 ist ein his- torisches Datum für San Marino. An diesem Tag gelang es der Fuß- ballnationalmannscha " des Zwerg- staats, mit einem 3:1-Sieg gegen Liechtenstein erstmals in Liga C der UEFA Nations League aufzusteigen. Sprich: nicht mehr in der untersten Klasse des europäi- schen Fußballs spielen zu müssen. Um die historische Dimension dieses Erfolgs für die Sammarinesi zu begreifen, muss man sich vor Augen führen, dass es sich dabei um den allerersten Auswärtssieg, den höchsten Sieg in der Geschichte sowie den erst dritten Sieg des Teams überhaupt handelte. Ein wahrlich geschichtsträchtiger Tag also – in einem an Geschichte ohnehin nicht armen Land. So gilt San Marino als älteste Republik der Welt;
seine Verfassung stammt bereits aus dem Jahr 1600. Der Name des fün " kleinsten Staates der Welt geht auf einen Steinmetz und späte- ren Heiligen namens Marinus zurück, der 301 n. Chr. der Legende nach mit dem Bau einer Kapelle auf dem Monte Titano im wahrsten Sinne des Wortes den Grundstein der späte- ren Republik legte. De % nitiv keine Legende: Seit 2008 ist der Titano, auf dem sich San Ma- rinos gleichnamige Hauptstadt be % ndet, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Anblick des 790 Meter hohen Berges mit seinen drei Gipfeln – und den drei Türmen, den Wahr- zeichen San Marinos – begeistert bei der An- reise schon von Weitem. Guaita, Cesta und Montale, so die Namen der Festungstürme, wachen über den Zwergstaat und zieren auch das Landeswappen. Und die drei Türme
machen ihre Arbeit o ! enbar gut. Denn neben einer sensationellen Fußballnationalmann- scha " und einer außergewöhnlichen Ge- schichte hat La Serenissima (übersetzt in etwa „die Durchlauchteste“), wie die Bevölkerung ihre Heimat liebevoll nennt, einiges zu bieten. Sie gehört – noch vor Österreich, Schweden oder Kanada – zu den reichsten Ländern der Welt, mit niedriger Arbeitslosenquote und einer der höchsten Lebenserwartungen. Der Tourismus ist die wichtigste Erwerbsquelle für die knapp 34.000 Einwohner; Reisenden wird auf den 61 Quadratkilometern so einiges geboten. Allein die Altstadt kann zahlreiche historische Stätten aufweisen, wie die Basilika von San Marino, das Musei di Stato (Staats- museum), den Palazzo Pubblico (Rathaus und Regierungssitz) auf der Piazza della Li- bertà oder das Museo delle Armi Antiche, das Museum der historischen Wa ! en. Apropos Wa ! en: Ebenfalls sehenswert ist die Cava dei Balestrieri, der Steinbruch der Armbrustschützen, in dem diese ihr Können ö ! entlich darbieten. Als Insider-Tipp gilt zu- dem ein Besuch in der Touristeninformation, denn dort kann man sich ein originelles Sou- venir abholen: einen o # ziellen San-Marino- Stempel und -Au $ leber für den Reisepass. Auch außerhalb des alten Zentrums ist San Marino, das aus insgesamt neun Castelli (Ge- meinden) besteht, de % nitiv erkundenswert. So bietet sich nach einem Spaziergang über den malerischen Passo delle Streghe, den Hexenpass, eine Fahrt mit der Seilbahn vom Titano zur Talstation in Borgo Maggiore an. Nicht nur Eisenbahnfans sollten auf ein wei- teres einzigartiges Erlebnis nicht verzichten: Die Galerie Montale be % ndet sich als Frei- lu " museum in einem revitalisierten Eisen-
bahntunnel, der ein Relikt der alten Verbin- dung von San Marino nach Rimini darstellt. Hier % ndet man auch einen historischen elektrischen Triebwagen. Und wer nach dem Sightseeing noch genügend Power hat, kann sich am Fuß des Titanos im Freizeitpark San Marino Adventures im Hochseilgarten, beim Bogenschießen oder Klettern austoben. Fußballfans sollten noch einen Abstecher zu jenem Stadion machen, in dem die – schon jetzt – legendäre Nationalmannscha " der „Serenissima“ ihre Heimspiele austrägt: Das San Marino Stadium be % ndet sich im Castello Serravalle, rund drei Kilometer von Borgo Maggiore entfernt. Keine spektakuläre Arena, sondern mehr Fußballplatz als Stadion. Doch vielleicht kommt man ja gerade rechtzeitig zu einem entscheidenden Ländermatch und er- lebt mit einem Sieg der Heimmannscha " einen weiteren historischen Tag. Einen Tag, an dem der Fußballzwerg neuerlich zum Riesen wird.
Klein, aber oho: San Marino bietet nicht nur eine spannende Historie und mit dem Titano einen beeindruckenden „Hausberg“. Der Zwerg- staat ist auch eines der wohlhabendsten Länder der Welt.
Das Herz der historischen Altstadt von San Marino: die Piazza della Libertà mit dem Palazzo Pubblico und der Freiheitsstatue.
UNSERE EXPERTIN
Alexandra Hofbauer
alexandra.hofbauer@columbus.at 01/479 10 10 661
22
23
COLUMBUS MAGAZIN 23 COLUMBUS MAGAZIN
Made with FlippingBook flipbook maker