AFRIKA KILIMANDSCHARO
Wie viele Gipfelerlebnisse die Zukunft noch bereithält? Das entscheide das Alter wohl für ihn, kommentiert der Alpin-Experte lächelnd.
Das Wichtigste beim Aufstieg sei die Langsamkeit, so Rudi Stangl. Er selbst hatte als junger Mann die Seehöhe krass unterschätzt; ein Erlebnis, das bis heute in Erinnerung bleibt.
LUST AUF TREKKING BEKOMMEN? 5 TAGE AM DACH AFRIKAS Die Marangu-Route ist der beliebteste Weg zur Spitze des Kibos, da sie für jeden Bergsteiger mit guten Grund- kondition geeignet ist. Die fün ! ägige Trekkingreise ist anspruchsvoll, aber wesent- lich besser ausgebaut als andere Routen. Übernachtet wird in Berghütten. HIGHLIGHT Auf dem Uhuru-Peak auf 5.895 Meter Seehöhe an- gekommen, liegt Ihnen Afrika sozusagen zu Füßen – und der Weitblick könnte nicht schöner sein.
DER KILIMANDSCHARO IST VIELEN MENSCHEN IN AFRIKA HEILIG. WIE BEGEGNEN SIE KRITIKERN, DIE MEINEN, DER MASSENTOURISMUS MACHE DIESES HEILIGTUM KAPUTT? Der Kilimandscharo ist jährlich rund neun Monate lang begehbar. In dieser Zeit sind 40.000 bis 50.000 Leute unterwegs – auf sechs
SIE WAREN BEREITS ÜBER 150-MAL AM GIPFEL. WIE OFT WOLLEN SIE NOCH RAUF? Das wird das Alter entscheiden (lacht). Man- che meinen, ich muss die 200 scha " en, aber mir persönlich ist das egal. Ich habe das Glück, das machen zu können, was mir taugt. Und ob das jetzt 170-, 190- oder über 200-mal der Fall ist, ist mir wirklich wurscht. WIE SIND SIE ZUM BERGSTEIGEN GEKOMMEN? Ich bin ja eigentlich kein „echter“ Bergsteiger. Ich bin ein Abenteurer, der vom Radsport kommt. Ich habe beispielsweise Australien in Süd-Nord-Richtung mit dem Rad nonstop in sechseinhalb Tagen durchquert. Ich bin als erster Mensch mit einem Snowbike vom Berg Denali in Alaska abgefahren. Ich bin Tausen- de Kilometer durch den Amazonas geradelt, Hunderte Kilometer im Kajak gefahren. Aber
leichtem Rucksack sechs, sieben Stunden wandern oder eine Stunde locker durchlaufen kann. Diese Grundkondition reicht prinzi- piell. Ob man aber die Höhe verträgt, das stellt sich vor Ort heraus. Da geht es einem auch nicht immer gleich, manchmal geht’s gut, manchmal nicht. Das ist auch bei mir selbst so.
da ich in Österreich aufgewachsen bin, war ich natürlich schon als Kind auch in den Ber- gen unterwegs. GIBT ES NOCH ETWAS, DAS SIE GERNE MAL MACHEN WÜRDEN? Was mich reizen würde: Grönland oder die Arktis zu durchqueren. UND WAS WERDEN SIE EINMAL ABSEITS VON EXTRE- MEN OUTDOOR-AKTIVITÄTEN MACHEN? Messer. Das ist mein Hobby. Meine Mes- ser sind in von Libyen bis Australien in alle Welt gegangen. Ich habe auch schon eines für Altbundespräsident Heinz Fischer ge- macht. Derzeit komme ich zwar nur selten dazu, aber ich kann mir vorstellen, das spä- ter weiterzumachen. Da gibt es nämlich kein Alterslimit.
„Es war die Hölle.“ Rudi Stangl über sein erstes Mal am Kilimandscharo.
SIE HABEN ALSO DIE EXTREME HÖHE NICHT VON NATUR AUS IMMER GANZ LEICHT WEGGESTECKT? Nein. Beim ersten Mal am Kilimandscharo, das war 1982, wollte ich als junger Bursch aus- probieren, wie gut ich die Höhe aushalte. Ich war total sportlich, durchtrainiert, super $ t. Und übermotiviert. Hatte keine Ahnung von der Höhe. Kurz gesagt: Es war die Hölle. Ich wollte alles selbst tragen, selbst kochen, war na- türlich zu schnell unterwegs und bin mit Müh und Not am Gipfel angekommen. Das war das schlimmste Erlebnis, das ich jemals hatte. UND WANN FOLGTE NACH DIESEM ERLEBNIS DAS ZWEITE MAL? Erst Jahre später. Durch Zufall. In dem Dorf südlich von Graz, in dem ich aufgewachsen bin, hat mich der Wirt gefragt, ob ich für die Stammtischrunde eine Tour auf den Kilimand- scharo organisieren würde – weil ich ja schon einmal oben war. Und so hat das angefangen.
verschiedenen Routen. Auf den Mont Blanc gehen in nur zwei Monaten 30.000 Menschen. Es dür # e also klar sein, wo tatsächlich Mas- sentourismus statt $ ndet. Außerdem wurde am Kilimandscharo bereits vor fast 20 Jahren begonnen, die Besteigungswege so auszustat- ten, dass man praktisch nicht mehr auswei- chen kann, es wird abseits der Wege nichts mehr zertrampelt. Es gibt sogar einen Putz- dienst. Der Kilimandscharo bringt außerdem Tausenden Menschen in der Region wirklich viel. Rund um den Berg pro $ tieren die Ein- heimischen von den Touristen: Kleinbauern, Träger, Guides, die Frauen, die ihre Produkte am Markt anbieten. Tourismus ist in Tansania generell ein wichtiger Faktor, allerdings ist der Berg nur ein ganz kleiner Bestandteil des Angebots. Maximal 50.000 Leute, die den Kilimandscharo im Jahr besteigen, sind im Vergleich mit Safari-Touristen in der Seren- geti keine große Einnahmequelle.
täglich antretbar 9 Tage/7 Nächte ab/bis Wien ab € 3.290 p. P.
UNSERE EXPERTIN
Während man auf der Marangu-Route auf dem Weg zum Gipfel in Hütten übernachtet, schläft man auf allen anderen Routen im Zelt.
Astrid Putz
astrid.putz@columbus.at 01/534 11 128
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COLUMBUS MAGAZIN 29
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