Nanuk's Christmas Stories

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Die Legende von Nanuk & dem Geist des Schnees n der nördlichsten Stadt der Arktis, Longyearbyen, zwischen Bergen erbaut, lebte eine wilde und flauschige Samojeden- Hündin namens Snowflake. Ihr weißes Fell leuchtete wie der Schnee, der die Welt um sie herum bedeckte, und ihre warmen braunen Augen waren voller endloser Neugier und Liebe. Sie gehörte zu einer kleinen Familie, die sie oft auf Abenteuer durch die verschneite Wildnis von Spitzbergen mitnahm. Die Familie war dabei, einen zweiten Hund zu adoptieren, und solange sie in Longyearbyen waren, gingen sie mit Snowflake und dem Schlittenhund Pingo von Basecamp spazieren. Noch durften sie ihn nur in der Stadt ausführen. Schlittenhunde auf Spitzbergen sind Arbeitstiere und keine Haustiere, bis sie ihr ewiges Zuhause finden und in Rente gehen dürfen. In diesem Jahr, in der Nacht vor ihrem Familienausflug, konnte Snowflake ihre Aufregung nicht zurückhalten. Während ihre Menschen den Schlitten mit Ausrüstung für die Abfahrt vollpackten, rannte Snowflake nach draußen und wirbelte mit ihren Pfoten den glitzernden Schnee auf. Der Himmel war klar und die Sterne funkelten wie Diamanten und tauchten die Landschaft in einen ätherischen Glanz. Sie hielt einen Moment inne, ihr Atem bildete kleine Wölkchen in der eisigen Luft, und sie blickte zu den Sternen. Der Himmel dehnte sich endlos über ihr aus, und da sah Snowflake etwas Unglaubliches. Hoch über ihr raste ein von Rentieren gezogener Schlitten durch die Nacht, das sanfte Klingeln der Glöckchen drang schwach an ihre Ohren. Die Silhouette des Weihnachtsmannes, sein roter Anzug und sein wallender weißer Bart waren unverkennbar. Sie flogen durch die sternenklare Nacht und hinterließen eine Spur aus schimmernden Schneeflocken. Snowflake neigte ehrfürchtig den Kopf, ihr Schwanz wedelte wie wild bei diesem Anblick. Für einen kurzen Moment stellte sie sich vor, den Weihnachtsmann auf seiner Reise zu begleiten, durch den Sternenhimmel zu fliegen und weit entfernte Orte zu besuchen. Aber war es nicht noch zu früh für den Weihnachtsmann, den Nordpol zu verlassen? I

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NANUK’S WEIHNACHTSGESCHICHTEN

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