Nanuk's Christmas Stories

Die Magie der Ewigen Wanderer 4

Kavi folgte seiner Mutter über das gefrorene Meer. Es war sein erster Winter, und seine Augen waren voller Staunen über die endlose Weite aus Schnee und Eis, die sich bis zum Horizont erstreckte. Die Schritte seiner Mutter waren vorsichtig gesetzt, um schwache Stellen im Eis zu vermeiden, doch Kavis Aufmerksamkeit schweifte ab, und bald wanderte er davon, verloren in seiner Neugier. Während er umherlief, stieß er auf eine seltsame kleine Öffnung im Eis – ein Atemloch, das eine Robbe hinterlassen hatte. Kavi blickte hinunter und wunderte sich über die fremde, dunkle Welt darunter. Plötzlich bemerkte er eine Bewegung, und er sah etwas, das er noch nie zuvor gesehen hatte: ein Wesen unter dem Eis, dessen schlanke, silberne Gestalt direkt unter der Oberfläche tanzte, schimmernd im fahlen Licht. Das Wesen tauchte auf, seine Augen weit und neugierig, und sah zu ihm herauf. Kavi spürte ein seltsames, warmes Gefühl, ein uner- klärliches Erkennen, als ob er und dieses Wesen etwas sehr Altes, sehr Tiefes teilten. Er hob seine Pfote an den Rand des Atemlochs und spürte plötzlich einen Puls – eine Kraft, die durch ihn hindurch und ins Eis floss. Vorsichtig legte Kavi seine Pfote über das Loch. Das Eis reagierte auf seine Berührung, wurde dicker und fester, bis es wieder ganz war. Das Wesen darunter blieb und sah ihn an. Als das Eis wieder stark wurde, spürte Kavi einen Funken Freude, etwas, das er noch nie gefühlt hatte, aber instinktiv als Magie erkannte. Es war schwach, aber er verstand: Er hatte etwas Uraltes wiedererweckt. Als Kavi aufblickte, sah er seine Mutter mit großen Augen. Sie hatte gesehen, was er getan hatte, und ihr Gesicht erhellte sich mit einem seltenen Lächeln. Sie kam zu ihm, stupste ihn sanft an und flüsterte mit einer Stimme wie fallender Schnee: „Du hast die Magie zurückgebracht, Kleiner.“

NANUK’S CHRISTMAS STORIES

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