Forschungsarbeit Jugendinformation

9

Zum Entgegenwirken diskursiver Barrieren ist eine umfassende Informationsarbeit erforderlich. Ziel sollte es sein, Lernmobilität im Gesamten zu fördern und die vielfältigen Lernmobilitätsmöglichkeiten bekannt zu machen, sodass sich mehr junge Menschen für eine Teilnahme entscheiden können.

Teilnahmen an Mobilitätsmaßnahmen, wodurch keine neuen Vorbilder und Bezugspunkte entstehen können (Becker 2019b: 18). Diese benachteiligten jungen Menschen benötigen ver- trauenswürdige Impulsgeber*innen, die sie über interna- tionale Lernmöglichkeiten aufklären und ihnen helfen, Informationen richtig für die eigene Lebensrealität einzu- ordnen. Gleichzeitig müssen vorurteilsbehaftete Narrative auch bei Eltern, Lehrer*innen und Fachkräften entkräftet werden, um unterstützende Strukturen zu errichten. Zum Entgegenwirken diskursiver Barrieren ist eine umfassende Informationsarbeit erforderlich. Ziel sollte es sein, Lern- mobilität im Gesamten zu fördern und die vielfältigen Lernmobilitätsmöglichkeiten bekannt zu machen, sodass sich mehr junge Menschen für eine Teilnahme entscheiden können. Eine zentrale Rolle können hierbei Beratungsein- richtungen spielen, die junge Menschen und Multiplika- tor*innen über die vielfältigen Mobilitätsoptionen infor- mieren. Diese könnten die Entscheidungskompetenz junger Menschen stärken und den Zugang zu Lernmobili- tät verbessern (Becker 2019a: 203). In diesem Kontext ist das Arbeitsfeld der Jugendinforma - tion von besonderer Relevanz. Jugendinformationseinrich- tungen bieten auf die Bedürfnisse junger Menschen ausge- richtete Informations- und Beratungsangebote kostenlos an. Ziel ist es, junge Menschen zu befähigen, eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen und somit ihre aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern (IJAB 2011). Ein bedeutendes Jugendinformationsnetzwerk, das sich auf die Thematik der internationalen Jugendmobilität speziali- siert hat, ist Eurodesk. Eurodesk Deutschland, als Teil dieses europäischen Netzwerks, stellt in Deutschland eine umfassende Informationsstruktur bereit und berät jähr- lich zehntausende junge Menschen über ihre Mobilitäts- chancen. Das digitale Angebot durch Webseiten und soziale Medien erhält jährlich über eine Million Aufrufe, und auch für Beratungsfachkräfte anderer Einrichtungen hat sich Eurodesk als zentrale Informationsquelle zum Thema internationale Jugendmobilität etabliert (IJAB 2024a; IJAB 2018).

Obwohl Eurodesk Deutschland eine breite Zielgruppe anspricht und viele Menschen erreicht, ist bisher unklar, welchen Einfluss der Kontakt mit Eurodesk auf die tatsäch - liche Teilhabe an Lernmobilitätsangeboten hat. Die For- schungsgrundlage zeigt, dass der Arbeitsbereich Jugendin- formation kaum erforscht ist. So existieren nur vereinzelt Hinweise zu möglichen Zusammenhängen zwischen der Nutzung von Jugendinformationseinrichtungen und dem Zugang zu Lernmobilität (Kappes 2010: 217). Im Fokus dieser Arbeit steht vor dieser Forschungslücke die Frage, welche Rolle die Nutzung des Jugendinforma- tionsdienstes Eurodesk Deutschland für den Zugang junger Menschen zu internationaler Lernmobilität spielt. Die Untersuchung der Fragestellung erfolgt durch eine quantitative Online-Befragung der Newsletter-Empfän- ger*innen von Eurodesk Deutschland. Die Auswertung der Ergebnisse soll Aufschluss geben, wie der Zugang zu Lern- mobilität durch den Kontakt mit einem Jugendinforma- tionsdienst gefördert werden kann und welche Personen- gruppen von Information und Beratung profitieren. Die Struktur der Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst wird ein theoretischer Rahmen gelegt, der internationale Lernmobilität definiert und deren Bedeutung erläutert (Kapitel 2). Anschließend wird betrachtet, wer an interna- tionaler Lernmobilität teilnimmt, und welche Barrieren bestehen (Kapitel 3). Im Fokus stehen hierbei besonders diskursive Barrieren und deren Hintergründe. Das Arbeits- feld der Jugendinformation und speziell die Rolle von Euro- desk als Beratungsstelle zu Lernmobilität werden danach erörtert (Kapitel 4). Durch die Betrachtung des Forschungs- standes zur Nutzung und Wirkung von Jugendinformation werden untergeordnete Forschungsfragen formuliert und Hypothesen abgeleitet, die in der Befragung untersucht werden sollen (Kapitel 5). Die Forschungsfragen und Hypo- thesen werden zusammen mit der Beschreibung des methodischen Vorgehens vorgestellt (Kapitel 6). Nachfol - gend werden die Ergebnisse der Befragung präsentiert (Kapitel 7) und abschließend diskutiert (Kapitel 8). Die Arbeit schließt mit einem Fazit, welches die Forschungs- frage final beantwortet (Kapitel 9).

Made with FlippingBook - Online catalogs